Wirtschaft

Unbezahlte Rechung: Minsk droht Stromsperre

Weißrussland hat wieder Probleme, seine Stromrechnung zu begleichen. Minsk möchte mit heimischer Währung bezahlen, doch der russische Gläubiger will das nicht akzeptieren und setzt eine neue Frist.

Strommasten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.
Strommasten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.(Foto: REUTERS)

Russland hat seinem wirtschaftlich stark angeschlagenen Nachbarland Weißrussland erneut mit einem Stopp der Stromlieferungen gedroht, falls es seine Schulden nicht begleichen sollte. Die Lieferungen würden in der Nacht zum Mittwoch ausgesetzt, da Minsk nicht die volle Summe gezahlt habe, sagte ein Sprecher des russischen Stromversorgers InterRao.

Die Gespräche mit dem weißrussischen Energieversorger Belenergo seien konstruktiv. Sobald die Zahlungen erfolgt seien, werde die Versorgung wieder aufgenommen. "Belenergo hat nicht genug russische Rubel. Sie haben uns geschickt, was sie haben", sagte der Sprecher.

Der Zeitung "Wedomosti" zufolge geht es bei dem Streit um rund 600 Mio. Rubel (umgerechnet 14,8 Mio. Euro) für Stromlieferungen im April. Weißrussland hat nach eigenen Angaben zwar genug Belarus-Rubel, um die Rechnung zu begleichen, kann die Summe aber nicht - wie verlangt - in russischer Währung begleichen.

Inflation und Hamsterkäufe

Weißrussland kämpft derzeit mit der schwersten Finanzkrise seit dem Ende der Sowjetunion. Der weißrussische Rubel hat seit Jahresanfang 35 Prozent an Wert verloren. In Belarus selbst kommt es zu Hamsterkäufen etwa in Elektronikläden und sogar von Salz. Das Land hat Auslandsschulden von 28,5 Mrd. Dollar angehäuft. Zudem haben die EU und die USA das von Präsident Lukaschenko autoritär geführte Land mit Sanktionen belegt.

InterRao hatte schon Anfang Juni für sechs Tage die Stromversorgung unterbrochen und seinem traditionellen Verbündeten in der vergangenen Woche erneut mit einem Lieferstopp gedroht, bevor ein weiterer Zahlungsaufschub vereinbart wurde. Weißrussland erhält zehn Prozent seiner Elektrizität aus Russland, der Großteil wird im eigenen Land produziert. Dennoch würde die drohende Stromkappung einen weiteren Schlag für die zehn Millionen Weißrussen bedeuten.

Weißrusslands autokratisch herrschender Präsident Lukaschenko leugnet, dass sich sein Land in einer Wirtschaftskrise befindet. Russland und vier weitere ehemalige Sowjetrepubliken hatten dem Land kürzlich einen Kredit von drei Mrd. Dollar gewährt. Moskau stellte aber die Bedingung, dass Weißrussland wichtige Betriebe privatisieren muss, wovon vor allem russische Konzerne profitieren dürften.

Quelle: n-tv.de

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