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Wenn der Super Bowl beginnt, sind bei weitem nicht alle Augen auf das Spielfeld gerichtet: Cheerleader der Denver Broncos (Archivbild).
Wenn der Super Bowl beginnt, sind bei weitem nicht alle Augen auf das Spielfeld gerichtet: Cheerleader der Denver Broncos (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Super Bowl der Online-Giganten: Facebook tritt gegen Twitter an

Das Endspiel um den Super Bowl ist das mit Abstand am stärksten medial vermarktete Sportspektakel der Welt. In diesem Jahr beobachten Experten einen mächtigen Trend. Mobilgeräte werden immer wichtiger - mit enormen Folgen für das Werbegeschäft.

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Wenn am kommenden Sonntag beim 48. Super Bowl die gepanzerten Hünen des American Football aufeinander krachen, beginnt zeitgleich im Internet ein ganz anderes Duell. Dort treten die beiden Giganten der sozialen Netzwerke zum unerbittlichen Wettstreit an. Hier geht es um mehr als nur um Punkte oder Ruhm - es geht um die Marktanteile und die Geschäftserfolge der Zukunft.

In diesem Jahr kämpfen Facebook und Twitter so hart wie noch nie um die Vorherrschaft auf dem sogenannten Second Screen, jenem "zweiten Bildschirm", auf dem viele Zuschauern das Großereignis parallel zur TV-Übertragung verfolgen - auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop.

Über diese Ergänzungsmedien schicken die Zuschauer ihre Kommentare an Freunde, wenn nicht gleich an die ganze Welt. Für die beteiligten Konzerne geht es bei dem "Social Super Bowl" nicht nur darum, ein Stück vom Kuchen des milliardenschweren Werbemarktes zu ergattern. Das Endspiel zwischen den Denver Broncos und den Seattle Seahawks gilt auch als großer Testlauf und Vorbild für die Vermarktung von Online-Werbung bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi und der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Medienphänomen Second Screen

Die Begeisterung der Werbeindustrie für parallel genutzte Medienkanäle ist der massenhaften Verbreitung der tragbaren Elektronikgeräte geschuldet. Einer Studie des Nielsen-Instituts vom Juni zufolge hat die Hälfte der US-amerikanischen Smartphone- und Tablet-Besitzer das Gerät auch vor dem Fernseher in der Hand.

Der Aha-Moment für die Branche kam beim Super Bowl im vergangenen Jahr, als wegen eines Stromausfalls im Stadion das Spiel für 30 Minuten unterbrochen wurde. Die Zahl der Twitter-Botschaften schoss auf mehr als 230.000 pro Minute an. Die Werbeleute von Oreo schalteten schnell und nutzten leichtfüßig die Gelegenheit für den Hinweis, dass man selbst im Dunklen noch einen ihrer Kekse in Milch tunken könne. Der Tweet verbreitete sich sofort 15.000 Mal. Das "Süße" daran: Für diese Werbung musste das Unternehmen keine Millionensummen zahlen, die üblicherweise für einen 30-Sekunden-Fernsehspot fällig sind.

Facebook hinter Twitter

In der Werbebranche schlug das ein wie eine Bombe. Jetzt wollen alle Kunden in die mächtigen neuen Parallelkanäle. Der Sender "Fox Sports", der den Superbowl in diesem Jahr überträgt, hat entsprechend sein Programm angepasst. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das Spiel guckt, ohne ein zweites Gerät in der Hand zu halten", sagte ein Fox-Sprecher. "Wir ziehen das Erlebnis Super Bowl entsprechend auf."

Um wie Oreo die Gunst der Stunde nutzen zu können, haben andere Firmen "war rooms" eingerichtet, echte oder virtuelle Räume, in denen Werbestrategen und Twitter-Taktiker auf eine Gelegenheit lauern. "Wir wissen nicht, was passieren wird", sagt ein Sprecher des US-Joghurt-Herstellers Dannon, der sechs bis zehn Mitarbeiter aufs Internet-Feld schickt. "Aber wir wollen ein Team haben, das bereit ist." In den USA ist Dannon bekannt für sein "griechisches Joghurt" der Marke "Oikos".

Kekse, Joghurt, Bier

Bislang gilt Twitter als großer Sieger beim Kampf um den zweiten Bildschirm, egal, ob es dabei um aktuelle Sportereignisse, Reden des Präsidenten oder die Oscar-Verleihung geht. In diesem Jahr arbeitet der 140-Zeichen-Dienst mit der NFL zusammen, dem US-amerikanischen Football-Verband.

Einer der Höhepunkte im öffentlichen Leben der USA: Schon die sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen sind massiv.
Einer der Höhepunkte im öffentlichen Leben der USA: Schon die sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen sind massiv.(Foto: REUTERS)

Bei der erzielten Reichweite liegt Twitter meilenweit vor der Konkurrenz: Der Abstand zum Verfolger Facebook war im vergangenen Jahr allerdings nicht nur bei den Zuschauerzahlen erdrückend. Einer Studie der Branchenbeobachter von Marketing Land zufolge wurde Twitter in 26 der 52 landesweiten TV-Werbespots erwähnt, die 2013 während des Super Bowls ausgestrahlt wurden. Facebook kam gerade sechs Mal vor.

Facebook stärker in der Debatte

Allerdings hat das größte soziale Netzwerk der Welt in den vergangenen Monaten nachgelegt. Facebook schmiedete eine Allianz mit dem Medienkonzern Fox. Die beiden Kooperationspartner verfolgen das Ziel, sich als eine Art virtuelle "Sports Bar" zu positionieren. In diesem gemeinsamen Angebot sollen Fans "gemeinsam abhängen" können. Erste Erfolge kann Facebook bereits vorweisen: Als Verteidiger Richard Sherman von den Seahawks vor einigen Tagen ein wütendes Fernsehinterview vom Spielfeldrand gab, beteiligten sich 4,4 Millionen Nutzer des Dienstes drei Tage lang an der Diskussion über seinen Ausraster.

Experten gehen davon aus, dass der Kampf der Internet-Giganten auch nach dem großen Endspieltag am Sonntag lange nicht vorbei sein wird. Zwar biete Twitter bessere Möglichkeiten für Echtzeit-Gespräche, sagt Marken-Direktor Quinn Kilbury von der Brauerei Newcastle Brown Ale. Er weist allerdings auf die größere Nutzerzahl von Facebook hin, die mit 1,2 Milliarden das Fünffache der Twitter-Basis beträgt. "Facebook holt schnell auf - und niemand ist so groß wie sie."

Blaupause für Deutschland

Die Erfahrungen der Werbestrategen im Umfeld des Super Bowls können auch als Gradmesser dafür gelten, welche Neuerungen in den kommenden Jahren auf deutsche Medienkonsumenten zurollen. Twitter und Facebook erfreuen sich auch diesseits des Atlantiks wachsender Beliebtheit. In Deutschland nutzen mehr als die Hälfte der Onliner Facebook regelmäßig, teilte der Branchenverband Bitkom erst kürzlich mit. 56 Prozent der Internetnutzer seien derzeit aktiv. Zum zehnten Geburtstag am 4. Februar lässt die Plattform damit auch hierzulande alle Konkurrenten aus dem Bereich der Sozialen Netzwerke weit hinter sich.

Mit Abstand folgen laut Bitkom das Netzwerk Stayfriends mit 9 Prozent der Nutzer, vor dem regional ausgerichteten Werkenntwen mit 8 Prozent. Das deutsche Business-Netzwerk Xing rangiert dahinter mit 7 Prozent aktiven Nutzern. Twitter und Google+ ziehen demnach jeweils 6 Prozent an. Die Netzwerke der VZ-Gruppe spielen dagegen kaum mehr eine Rolle, die Plattform SchülerVZ wurde im vergangenen Mai eingestellt.

Den Bitkom-Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr 78 Prozent der Internetnutzer in Deutschland in mindestens einem Sozialen Netzwerk angemeldet. Lediglich 67 Prozent aller deutschen Nutzer waren dabei aktiv am allgemeinen Informationsaustausch beteiligt.

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Quelle: n-tv.de

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