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Die Verwaltung von SchülerVZ dürfte wegen der jugendlichen Zielgruppe realtiv aufwendig gewesen sein.
Die Verwaltung von SchülerVZ dürfte wegen der jugendlichen Zielgruppe realtiv aufwendig gewesen sein.(Foto: dpa)

Ende eines Sterbens auf Raten: SchülerVZ wird geschlossen

Einst war SchülerVZ ein beliebtes Jugendportal, heute ist es nur noch eine virtuelle Ruine, in der sich auch skurrile Besucher tummeln. Nun hat der Eigentümer die Abrissbirne bestellt: Ende April ist Schluss. Bis dahin können die Nutzer retten, was ihnen wichtig ist.

Die VZ-Netzwerke waren Ende 2005 als deutsche Social-Media-Hoffnung gestartet, mit anfangs rasantem Wachstum. Mit dem Erfolg von Facebook setzte der schleichende Niedergang ein. Jetzt macht das erste Angebot der VZ-Gruppe dicht: SchülerVZ werde am 30. April 2013 geschlossen,  teilen die Macher auf der Seite mit: "Wir machen's kurz: Es ist vorbei", heißt es in der Nachricht an die Nutzer.

Die Mitgliedschaften würden automatisch beendet, alle gespeicherten Inhalte und Daten unwiederbringlich gelöscht. Wer Bilder, Nachrichten oder Pinnwandeinträge sichern möchte, hat dafür jetzt also noch drei Wochen Zeit. Rund 200.000 aktive Mitglieder soll SchülerVZ zuletzt gehabt haben, sie wurden auch per Mail über das bevorstehende Ende informiert.

Mit Facebook begann der Abstieg

Dass es um die VZ-Netzwerke nicht zum Besten steht, war schon länger klar. Vor über zwei Jahren begann der langsame Abstieg, Nutzer ließen ihre Accounts brachliegen, die Zahl der Neuanmeldungen stagnierte. Von den 16 Millionen Mitgliedern, die man laut eigenen Angaben im November 2011 hatte, sollen zuletzt noch 1,2 Millionen übrig geblieben sein. Seit Anfang des Jahres verzichtet man darauf, die Nutzerzahlen von der IVW erfassen zu lassen.

Im September 2012 hatte die Investmentgesellschaft Vert Capital die VZ-Netzwerke von Holtzbrink übernommen. Die Neubesitzer wollten die Netzwerke in ihrer bisherigen Form nicht weiterentwickeln, sondern nur noch moderieren.  "Für die Neuausrichtung der VZ-Netzwerke haben wir erste gute Ideen und sind zuversichtlich, mit unserer breiten und fundierten Erfahrung erfolgreich zu sein", ließ Vert Capital-Sprecher Jason Thonis damals optimistisch verlauten.

In der Branche wurde der Schritt schon damals als "lebensverlängernde Maßnahme" für einen Totgesagten gewertet. Das Aus der Netzwerke solle möglicherweise hinausgezögert werden, um die verbliebenen Nutzer auf andere Angebote umzuleiten, mutmaßte Martin Weigert von netzwertig.com. Ein solches wäre etwa das kürzlich gestartete Fotoportal bildervz.net. Einloggen kann man sich mit dem VZ-Account, aber auch via Facebook.

Rollenspiele in der Geisterstadt

Dass aus der VZ-Gruppe nun ausgerechnet SchülerVZ als erstes geschlossen wird, kommt für Branchenexperte Weigert überraschend. Schließlich sei die Schülerseite die einzige der drei Plattformen gewesen, auf der es überhaupt noch "nennenswerte Nutzeraktivität" gegeben hätte. Diese Aktivitäten sahen aber womöglich anders aus, als von den Eignern vorgesehen: Erst letzte Woche berichtete der Jugendsender 1Live, dass SchülerVZ mittlerweile zum Tummelplatz von Rollenspielern mutiert sei. Mit Fakeaccounts, oft im Namen von Schauspielern oder Serienfiguren oder mit komplett erfundenen Charakteren, hätten sich die Nutzer ein eigenes Paralleluniversum eingerichtet. Einen Namen gibt es auch: FakeVZ.  Nun müssen sich auch die Bewohner der virtuellen Ruine ein neues Zuhause suchen.        

Quelle: n-tv.de

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