"In dieser aufregenden Zeit"Murdoch kassiert Bonus

Der Skandal um das britische Boulevardblatt "News of the World" hindert Rupert Murdoch nicht daran, sich für das abgelaufene Geschäftsjahr eine großzügige Gehaltserhöhung zu genehmigen - inklusive Erfolgsprämie. Seinen Sohn plagt dagegen offenbar ein schlechtes Gewissen. Er verzichtet auf seinen Bonus. Ihm bleiben trotzdem noch mehr als 10 Millionen.
Der wegen des Abhörskandals in Großbritannien unter Beschuss geratene Medienkonzern News Corporation (News Corp) hat eine Umbildung seines Aufsichtsrats angekündigt. Kenneth Cowley und Thomas Perkins würden das Gremium nach der jährlichen Aktionärsversammlung in Los Angeles am 21. Oktober verlassen, teilte News Corp mit. Als Ersatz werde sich James Breyer zur Wahl stellen.
Cowley arbeitet seit 1964 für das Unternehmen des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch. Er war von 1980 bis 1997 Vorstandschef von News Ltd., der australischen Zeitungssparte des Unternehmens, und gehört seit 1979 dem News-Corp-Aufsichtsrat an. Perkins wurde 1996 Mitglied des Aufsichtsrates.
Murdoch dankte Cowley und Perkins in der Mitteilung für ihre Arbeit und würdigte ihre "kritischen Erkenntnisse" im Dienste des Konzerns. Breyer erklärte, er empfinde seine Nominierung für den Aufsichtsrat als ein "Privileg" und freue sich auf die Aufgabe "in dieser aufregenden Zeit in der Unternehmensgeschichte".
In einer Pflichtmittteilung unterrichtete News Corp die US-Börsenaufsicht SEC zudem über die Bezüge seiner Führungskräfte. Medienmogul Rupert Murdoch kommt demnach trotz des Abhörskandals um sein britisches Boulevardblatt "News of the World" in den Genuss einer satte Gehaltserhöhung.
Millionenschweres Grundgehalt
Den Angaben aus dem News-Corp-Jahresbericht zufolge stiegen Murdochs Bezüge im Steuerjahr 2011 um knapp 50 Prozent auf 33,3 Mio. Dollar (23,4 Mio. Euro). Die Summe für den Unternehmenschef setzte sich aus einem Basisgehalt von unverändert 8,1 Mio. Dollar und weiteren Gehaltsbestandteilen zusammen. Dazu kommt ein Bonus in Höhe von 12,5 Mio. Dollar.
Murdochs Sohn James bekam als Vize-Geschäftsführer von News Corp insgesamt 17,9 Mio. Dollar zugesprochen. Dazu zählten ein Grundgehalt von 3 Mio. Dollar, Aktienprämien im Wert von 8,3 Mio. Dollar und ein Bonus von 6 Mio. Dollar. Als Chef des Europageschäfts war er für die inzwischen eingestellte "News of the World" direkt verantwortlich.
Kurz nach der Mitteilung an die SEC teilte James Murdoch mit, dass er im "Licht der derzeitigen Kontroverse rund um 'News of the World'" auf die Bonuszahlung verzichte. "Ich denke, es ist der richtige Schritt, den Bonus auszuschlagen", erklärte James Murdoch. Mit den Geschäftsergebnissen habe diese Entscheidung nichts zu tun. Er werde mit dem zuständigen Unternehmensausschuss darüber beraten, "ob irgendein Bonus zu einem späteren Zeitpunkt angemessen" wäre.
Symbolische Geste
James Murdoch darf sich damit aber immer noch über 11,9 Mio. Dollar in seiner Lohntüte freuen, die sich aus Barem, Aktien und Rentenansprüchen zusammensetzt. Im Vorjahr hatte er ein Gesamtpaket über 10,3 Mio. Dollar erhalten.
Das traditionsreiche News-Corp-Boulevardblatt "News of the World" war Anfang Juli eingestellt worden, nachdem herausgekommen war, dass seine Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten.
Der Skandal hatte auch die britische Regierung unter Druck gesetzt, insbesondere weil Premierminister David Cameron den früheren Chefredakteur von "News of the World", Andy Coulson, als Pressechef eingestellt hatte. Die Abhöraffäre hatte nicht nur das Land aufgewühlt, sondern auch den gesamten Konzern in eine Krise gestürzt. Zum Konzern gehören Zeitungen wie das "Wall Street Journal" ebenso wie der US-Fernsehsender "Fox News" oder das Filmstudio "20th Century Fox".