"Idiotische Entscheidungen"Neuer Alno-Chef rechnet ab
Der einst größte deutsche Küchenbauer Alno versucht seit Jahren, aus der Krise zu kommen. Hunderte Beschäftigte mussten gehen, vom Stammsitz blieb kaum etwas übrig. Gebracht hat es nichts. Der neue Chef hält kritisiert viele Entscheidungen in scharfer Form.
Der neue Chef des angeschlagenen Küchenmöbelherstellers Alno, Max Müller, hat mit barschen Worten die Arbeit seines Vorgängers Jörg Deisel kritisiert. "Es gab idiotische Entscheidungen", sagte Müller dem "Südkurier".
Deisel hatte unter anderem den Sitz des Unternehmens vom oberschwäbischen Pfullendorf nach Düsseldorf verlegt und hunderte Arbeitsplätze im Stammwerk abgebaut. Deisels Rausschmiss vor zwei Monaten begründete Müller damit, dass neun Topleute des Unternehmens ihre Kündigung eingereicht hatten - es sei denn, Deisel würde gefeuert.
Der einstige Marktführer für Küchenmöbel in Deutschland kämpft seit über zehn Jahren mit roten Zahlen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hatte die Gruppe 160 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Erlöse betrugen 2009 noch 493 Millionen Euro, die Zahlen für 2010 sollen in den nächsten Wochen veröffentlicht werden.
Ex-Chef Deisel wollte die schlecht ausgelastete Serienproduktion im Stammwerk Pfullendorf schließen. Die Verwaltung verlegte er vom Stammsitz ins 600 Kilometer entfernte Düsseldorf, weil er hoffte, dort besser von der Finanzwelt wahrgenommen zu werden.
Personalabbau gestoppt
Sein Nachfolger Müller schüttelt über diesen Kurs den Kopf. "Man lässt hier ein Verwaltungsgebäude leer stehen und mietet für viel Geld Räume an. Die Führungsleute verbrachten monatlich vier bis sechs Tage nur auf der Autobahn, weil sie immer in Düsseldorf antanzen mussten. (...) Jörg Deisel ist ja nicht in die Werke gegangen", sagte Müller. "Wir müssen idiotische Entscheidungen rückgängig machen", betonte er. Die Verwaltung hat der 64-Jährige schon wieder zurück nach Pfullendorf geholt.
Außerdem stoppte Müller den massiven Personalabbau in Oberschwaben. Sonst würden wertvolle Kompetenzen der Mitarbeiter vernichtet. Auch die Produktion, die Logistik und der Service seien unter Deisel nicht gut aufgestellt gewesen. "Wir haben den Kunden aus dem Auge verloren."
Müller hat nach eigenen Angaben vor einiger Zeit für 15 Millionen Euro Alno-Aktien gekauft. Als der Protest gegen seinen Vorgänger Deisel immer massiver geworden sei, habe er handeln müssen. "Dann hatte ich nur die Wahl entweder als Vorstandsvorsitzender einzusteigen oder die Beteiligung abzuschreiben", sagte er dem "Südkurier".