Ein Rekordgewinn zum AbschiedNeuer Chef für Novartis
Nach 14 Jahren an der Spitze von Novartis räumt Daniel Vasella seinen Posten. Zum Abschied ließ Vasella noch einmal aufhorchen und präsentierte den Anlegern noch ein Gewinn-Schmankerl.
Beim Schweizer Pharmariesen Novartis rückt der bisherige Pharma-Chef Joe Jimenez überraschend am 1. Februar an die Unternehmensspitze. Der bisherige Konzernchef Daniel Vasella verabschiedete sich mit einem Rekordgewinn aus dem Tagesgeschäft. Der 56-Jährige wird aber sein Amt als Präsident des Verwaltungsrates behalten und sich auf die Firmenstrategie konzentrieren, wie Novartis mitteilte. Der 50-jährige Jimenez, der neben seiner Pharma-Erfahrung auch Kenntnisse aus der Konsumgüterbranche mitbringt, soll den Konzern in die nächste Expansions- und Wachstumsphase führen.
Vasella war 14 Jahre lang Konzernchef gewesen und hatte in den letzten elf Jahren auch den Verwaltungsrat geleitet. Diese Machtkonzentration war in der Schweiz zunehmend kritisiert worden - Konzerne wie Roche und Nestle hatten diese Konstruktion schon in den letzten Jahren aufgegeben.
Weitere Umbesetzungen
Parallel zu Vasellas Teilrücktritt und der Beförderung des US-Amerikaners Jimenez kommt es zu einem weiteren Stühlerücken. Neuer Finanzchef wird Jon Symonds, der ab Februar auf Raymund Breu folgt, der am 31. März altersbedingt ausscheidet. Die größte Geschäftssparte Pharma leitet künftig David Epstein, der bisher für die Krebsmittel verantwortlich war. Chief Operating Officer Jörg Reinhardt, der als Vasella-Nachfolger gehandelt worden war, verlässt das Unternehmen.
Rekordergebnis
Vasella legt die Gewinn-Messlatte für seinen Nachfolger hoch: Novartis steigerte den Reingewinn 2009 dank eines überraschend starken Schlussquartals um vier Prozent auf den Rekordwert von 8,45 Mrd. Dollar und schnitt damit im Rahmen der Analystenerwartungen ab. Im vierten Quartal spülte der Verkauf von Impfstoff gegen die Schweinegrippe 1 Mrd. Dollar Umsatz in die Kasse. Die Dividende soll auf 2,10 Franken je Aktie steigen, im Vorjahr hatten die Aktionäre 2 Franken erhalten. Der Kerngewinn ohne Sonderfaktoren stieg um acht Prozent auf 10,3 Mrd. Dollar.
Für 2010 stellte Novartis eine Steigerung der operativen Gewinnmarge in Aussicht. Im Konzern soll der Umsatz in Lokalwährungen gerechnet mit einem mittleren einstelligen Prozentbetrag wachsen, in der Pharma-Division mit einem mittleren bis hohen einstelligen Prozentbetrag.
Alcon im Focus
Wie sich der Gewinn entwickelt, werde stark von Alcon abhängen, sagte Vasella. Novartis hat von Nestle 77 Prozent des Augenheil-Weltmarktführers für 38,5 Mrd. Dollar übernommen. Das Übernahmeangebot an die Alcon-Minderheitsaktionäre, das diese als zu niedrig ablehnen, bezeichnete Vasella erneut als fair. Novartis will den freien Alcon-Aktionären deutlich weniger zahlen als die 168 Dollar je Aktie, die Nestle erhalten hat. Sie sollen 2,8 Novartis-Aktien erhalten, die zum Schlusskurs vom Montag rund 150 Dollar wert sind. Vor allem in den USA regt sich dagegen Widerstand. "Wir müssen auch zu den Novartis-Aktionären fair sein", sagte Vasella.
Den Nettoumsatz steigerte Novartis in Lokalwährungen um 11 Prozent auf 44,27 Mrd. Dollar. In der Pharma-Division stiegen die Erlöse dank weiter anziehender Verkäufe von wichtigen Medikamenten wie dem Blutdrucksenker Diovan oder dem Leukämiemittel Glivec um 12 Prozent auf 28,54 Mrd. Dollar. An der schwächeren Börse legte die Aktie 1,8 Prozent zu.