Wirtschaft

US-Schuldenkrise erzürnt GouverneureObamas Ultimatum verpufft

17.07.2011, 16:04 Uhr

Der Druck von US-Präsident Obama, bei den Bedingungen für eine Ausweitung der US-Schuldengrenze auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, bleibt ohne Erfolg. Sein 36-stündiges Ultimatum verstreicht ohne Ergebnis. Manchem Gouverneur platzt da der Kragen. Sie fürchten nicht nur ein finanzielles Desaster, sondern auch unabschätzbaren Schaden am Ruf der weltgrößten Volkswirtschaft.

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Zu sehr Politiker und zu wenig Staatsmann? (Foto: AP)

Handelspartner, Ratingagenturen,

Verbände und jetzt auch die US-Bundesstaaten: Die Forderungen nach einer schnellen

Lösung des Streites über die Erhöhung der Schuldengrenze werden immer lauter. Trotzdem

war auch am Wochenende zunächst kein Kompromiss zwischen den Demokraten von Präsident

Barack Obama und den Republikanern in Sicht. Ein zuvor von Obama gestelltes

Ultimatum von 36 Stunden lief ergebnislos aus.

Unklar blieb auch, ob es rasch

neue Gespräche auf hoher Ebene geben würde. Weiter stand ein Notfallplan im Raum,

der allerdings von keiner Seite mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Abgeordneten

haben noch etwa zwei Wochen Zeit, bevor das Geld ausgeht. Den USA droht dann die

Zahlungsunfähigkeit, was nach Ansicht von Experten eine neue Finanzkrise auslösen

könnte.

"Staatsmänner statt Politiker"

Bei einem Treffen der Gouverneure

der Bundesstaaten in Salt Lake City sparten weder die Demokraten noch die Republikaner

mit Kritik an den Hauptstadtpolitikern. "Was sich hier abspielt, ist eine gefährliche

und gleichermaßen alberne Situation", sagte der Demokrat Dannel Malloy aus

Connecticut. Sie könne "mit einem Satz gelöst werden - und das wäre die Erhöhung

der Schuldenobergrenze". Sein republikanischer Kollege Robert Bentley aus Alabama

erklärte, in Washington brauche man mehr Staatsmänner und weniger Politiker, während

Parteifreund Bob McDonnell aus Virginia vor der Blamage warnte, die eine Zahlungsunfähigkeit

bedeuten würde.

Experten warnen vor wesentlich schweren Konsequenzen als ein Schaden

am Ruf der weltgrößten Volkswirtschaft, sollte die Grenze von 14,3 Billionen Dollar

nicht bis zum 2. August angehoben werden. Ratingagenturen wie Standard & Poor's

und Moody's haben vor einem Verlust der Bestnote für US-Staatsanleihen gewarnt,

was weltweit zu Verwerfungen führen könnte. Auch die Ratings der Bundesstaaten und

der Kommunen dürften dann in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kosten für neue

Schulden könnten sich damit für alle Ebenen der USA erhöhen.

Positionen festgefahren

In seiner wöchentlichen Radioansprache rief Obama Demokraten und Republikaner erneut zu einem Kompromiss auf. "Einfach gesagt wird es eines ausgeglichenen Ansatzes, beiderseitiger Opfer

und der Bereitschaft zu unbeliebten Entscheidungen auf allen Seiten bedürfen", sagte er.

"Ich bin bereit, das zu tun, was nötig ist, um dieses

Problem zu lösen, auch wenn es unpopulär ist", fügte der US-Präsident hinzu

und forderte eine Kürzung des Verteidigungsbudgets und eine Reform der Steuergesetzgebung.

Vor allem gewisse Steuererleichterungen für die reichsten US-Bürger müssten aber

abgeschafft werden. "Ich denke nicht, dass Ölfirmen spezielle Steuererleichterungen

bekommen sollten, wenn sie dutzende Milliarden Dollar Gewinn machen. Ich denke nicht,

dass Hedgefonds-Manager geringere Steuern zahlen sollten als ihre Sekretärinnen",

sagte Obama.

Senator Orrin Hatch, der

für die Republikaner die wöchentliche Radioansprache hielt, wies die Forderung Obamas

zurück. "Die Lösung einer Ausgabenkrise sind nicht Steuererhöhungen",

sagte Hatch und forderte erneut einen Verfassungszusatz, der einen ausgeglichenen

Haushalt vorschreibt. Die Republikaner wollen neue Schulden nur dann zulassen, wenn

zugleich drastische Einsparungen im Haushalt beschlossen werden.

"Armageddon vermeiden"

In Washington haben die

Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Sie verlangen massive Ausgabenkürzungen

als Bedingung für ihre Zustimmung. Obamas Demokraten kontrollieren den Senat und

wollen unter anderem die Steuern für reiche Amerikaner erhöhen. Der Streit findet

vor dem Hintergrund des beginnenden Wahlkampfes statt.

Nach mehreren erfolglosen

Spitzentreffen waren zunächst keine weiteren Gespräche zwischen Obama und Kongressführern

geplant. Man "kommuniziere häufig", hieß es aus Kreisen des Präsidialamtes.

"Treffen haben stattgefunden, Ideen sind ausgetauscht worden, und Szenarien

wurden diskutiert", sagte ein Sprecher des republikanischen Präsidenten des

Repräsentantenhauses, John Boehner.

Als ein realistisches Szenario

gilt nun der Plan des republikanischen Minderheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Er sieht im Endeffekt vor, dass Obama durch Kongress-Beschlüsse die Befugnis erhält,

die Schuldengrenze selbst zu erhöhen. Dem müssten die Demokraten zustimmen, während

die Republikaner vermeiden könnten, die Entscheidung mitzutragen. Der demokratische

Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, hat sich dazu zurückhaltend positiv geäußert.

Obama hat sich ebenfalls wenig begeistert gezeigt, aber von einem Weg gesprochen,

die finanzielle Katastrophe zu verhindern: Damit werde "zumindest Armageddon

vermieden".

Quelle: nne/AFP/rts