Wirtschaft
Strohfeuer oder langfristiger Trend?
Strohfeuer oder langfristiger Trend?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kostspielige Rohstoff-Rally: Ölpreis nagt am Konsum

Der Preisanstieg an den Rohstoffmärkten bleibt nicht auf Rohöl beschränkt. Mit dem Konjunkturaufschwung verteuern sich fast alle anderen Rohstoffe, von Aluminium über Kaffee bis Zink. Die Verbraucher müssen sich auf höhere Belastungen einstellen, nicht nur für Benzin und Heizöl.

Wie ist die Lage in Saudi Arabien?
Wie ist die Lage in Saudi Arabien?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Energie- und Rohstoffmärkte reagieren nervös auf die Unruhen in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern der Region. Durch das Land am Nil führt der Suez-Kanal, eine wichtige Schlagader der europäischen Ölversorgung. Ganz in der Nähe liegt Libyen, der zweitgrößte Ölversorger für Deutschland nach Russland. Und die Ölexperten mögen gar nicht daran denken, was passieren könnte, wenn auch Saudi-Arabien, das Ölförderland Nummer zwei in der Welt, in den Strudel hineingezogen würde. "Das hätte dramatische Folgen für den weltweiten Ölmarkt", sagt Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Die Verbraucher haben den Sprung über die 100-Dollar-Marke nicht unmittelbar zu spüren bekommen. Der Preis für einen Liter Benzin lag am Dienstag gegen Mittag je nach Region um die 1,48 Euro und damit eher etwas niedriger als in den vergangenen Wochen. Doch bei den häufigen Preisänderungen an den Tankstellen will das wenig heißen. Die Autofahrer leiden schon seit zwei Monaten unter einem relativ hohen Preisniveau, das oft jenseits von 1,50 Euro für einen Liter Benzin lag.

Ein Faktor mit wachsender Bedeutung: Der Öl-Durst der chinesischen Wirtschaft.
Ein Faktor mit wachsender Bedeutung: Der Öl-Durst der chinesischen Wirtschaft.(Foto: REUTERS)

In Brüssel erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger, die Ölzufuhr für Europa sei nicht in Gefahr. Der Suez-Kanal ist offen, die Ölfelder in Nahost fördern wie üblich, durch die Pipelines fließt wie gewohnt der Lebenssaft der Industrieländer. "Wir haben ja schon oft erlebt, dass nicht nur Angebot und Nachfrage auf den Ölpreis einwirken, sondern auch Sorgen und Ängste", sagt Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin. Die Lager sind voll, die Versorgungslage ist insgesamt gut.

Deshalb gibt es auch Energieanalysten, die den Anstieg über 100 Dollar für ein Strohfeuer halten und schon bald wieder mit Preisen von 90 oder 80 Dollar rechnen. Eine andere Experten-Fraktion verweist allerdings auf die anhaltend hohe Nachfrage aus China und den wieder zunehmenden Öldurst des größten Verbrauchers, der USA. Sie könnten die freien Förderkapazitäten von wenigen Millionen Barrel pro Tag schnell aufbrauchen, und dann wird es knapp. So oder so bleibt der Ölmarkt anfällig für Störungen; jedes Leck in einer Pipeline, jeder Streik in einer Raffinerie, jede Großdemonstration in einem Förderland kann heftige Ausschläge nach sich ziehen.

Wie reagiert die EZB?

Wenn Öl teuer ist, dann sind es auch Gas und Kohle. Und die hohen Energiekosten verteuern alle anderen Waren; für Produktion, Transport, Lagerung und Logistik fallen - je nach Produkt - erhebliche Energiekosten an. Zudem werden weltweit fast alle Rohstoffe teurer: Zink, Kupfer oder Blei ebenso wie Baumwolle oder Kautschuk und fast alle Nahrungsmittel. Deshalb stehen auch die Preise für die Endkunden unter Druck; sie tendieren deutlich aufwärts. Kleidung wird ebenso teurer wie Lebensmittel oder Autos. Das Bankhaus Metzler rechnet schon mit Inflationsraten von vier Prozent in diesem Jahr. Gegenwärtig liegt die Preissteigerungsrate im Euro-Raum bei 2,4 Prozent.

"Wir sehen die hohen Energiepreise als ein Zeichen für die gute Konjunktur", sagt Michael Bräuninger, Konjunkturchef des HWWI. Er befürchtet nicht, dass der Aufschwung abgewürgt wird, sondern sorgt sich mehr um stabile Preise. "Die kommenden Lohnabschlüsse werden wichtig; sie könnten eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen", meint Bräuninger. Dann müsste die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen früher als erwartet anheben - und das wiederum könnte dann auch die Konjunktur dämpfen.

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Quelle: n-tv.de

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