Mittwoch, 02. Juni 2010
Europäische Ratingagentur: Paris motzt Kreditversicherer auf
Der Gouverneur der französischen Zentralbank, Christian Noyer, schlägt vor, den Wettbewerb im Ratingmarkt über zusätzliche Akteure wie die Kreditversicherer wie Euler-Hermes und Coface zu beleben. "Sie könnten leicht ihre eigenen Ratings vornehmen", sagte Noyer dem "Handelsblatt" unter Verweis auf die Tatsache, dass Kreditversicherer auch dei Qualität von Krediten bewerten müssten. "Sie haben das Wissen, eine entsprechende Erfarung, und sie müssen sogar bezahlen, wenn die Ratings falsch sind", sagte das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank .
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich positiv zu dem französischen Vorstoß. Er begrüße die Pläne zum Aufbrechen des Oligopols der Agenturen, sagte Schäuble. Der Markt wird derzeit dominiert von den drei Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Kritiker werfen ihnen eine Mitschuld an der Finanzkrise sowie schwerwiegende Interessenskonflikte vor.
"Euro ist stark"
Der fallende Wechselkurs des Euro beunruhigt Noyer derweil nicht. "Der Euro ist und bleibt eine starke Währung", sagte er. Seine Kaufkraft sei bestens geschützt, einfach weil die Europäische Zentralbank verpflichtet sei, Preisstabilität zu gewährleisten und das auch weiterhin tun werde. Zudem entspreche der aktuelle Wechselkurs des Euros gegenüber dem Dollar in etwa dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. "Das ist keineswegs ein außergewöhnlich niedriges Niveau", sagte der französische Zentralbankchef.
Noyer ist zuversichtlich, dass es gelingen wird, mit den Regierungsprogrammen die Wirtschaft auf Dauer zu stärken. Die Regierungen hätten ein sehr überzeugendes System auf den Weg gebracht, erklärte er. "Ich glaube daher, dass wieder Normalität einkehren könnte." Er sehe keinen Grund, warum das Vertrauen an den Märkten nicht wieder voll hergestellt werden sollte.
Gleiche Basis entscheidet
Dass die Europäer und die Amerikaner in der Bankenregulierung nicht an einem Strang ziehen, beunruhigt den Gouverneur der Banque de France, der auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist, nicht. Entscheidend sei, dass alle die gleichen Grundregeln anwendeten. Das seien die Kapitalanforderungen für Banken, wie sie im Basel-II-Rahmenwerk festgelegt seien, und die anstehenden Basel-III-Regeln.
"In Europa können wir mehr darauf vertrauen, neue Exzesse zu vermeiden, denn Basel II erlaubt uns, die Kapitalanforderungen für Banken mit einem höheren Risikoprofil anzuheben", sagte Noyer. Außerdem habe der Baseler Ausschuss entschieden, die Kapitalanforderungen für Marktoperationen und Verbriefungen stark zu erhöhen. Das werde nächstes Jahr umgesetzt. "Die Amerikaner arbeiten daran, sie sind nur ein bisschen spät", erklärte Noyer.
rts
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