Wirtschaft

"Konstruktives Gespräch"Poker um Karstadt-Mieten

14.06.2010, 20:50 Uhr

In London beginnen die Verhandlungen zwischen Vertretern des neuen Karstadt-Eigners Berggruen und dem Konsortium Highstreet um die Mieten der Karstadt-Warenhäusern. Es wird nicht mit einer schnellen Einigung gerechnet.

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Nicolas Berggruen bleibt erst einmal im Hintergrund. (Foto: dpa)

In London sind die Verhandlungen über einen Mietnachlass für die Karstadt-Warenhäuser aufgenommen werden. Die erste Gesprächsrunde des wichtigsten Immobilieneigentümers Highstreet mit Vertretern des Investors Nicolas Berggruen ist nach Informationen aus Verhandlungskreisen konstruktiv verlaufen. Es sei eine sachliche Atmosphäre gewesen und die Diskussion über die Probleme vertieft worden. Beide Seiten wollen die Gespräche in Kürze fortsetzen, hieß es. Bis Juli ist noch Zeit.

Berggruen hatte den Kaufvertrag für das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern nur unter Vorbehalt unterschrieben. Damit der Vertrag rechtskräftig wird, muss eine Einigung über Mietsenkungen mit Highstreet erfolgen. Highstreet hatte betont, bereits ausreichend Mietsenkungen angeboten zu haben. Das Konsortium besitzt gut zwei Drittel der Karstadt-Warenhausimmobilien. Berggruen verlangt weitere Nachlässe, um die Handelskette mit ihren 25 000 Mitarbeitern retten zu können. In Branchenkreisen hatte es schon im Vorfeld geheißen, eine schnelle Einigung sei nicht in Sicht.

Karstadt hatte unter dem früheren Chef Thomas Middelhoff zur Aufbesserung der Firmenkasse die Filialen verkauft und zurückgemietet. Die damals festgelegten Mieten wurden vielfach als überhöht kritisiert. Highstreet habe in den bisherigen Verhandlungen aber bereits Mietsenkungen von knapp 230 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre eingeräumt, hatte einer der Highstreet-Gläubiger, der italienische Warenhausunternehmer Maurizio Borletti, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" argumentiert.

Zweifel an Berggruens Plan

Berggruen hatte dagegen am Wochenende in einem Interview der "Welt am Sonntag" seine Forderung nach weiteren Zugeständnissen bekräftigt. Die Mieten seien nach wie vor zu hoch und nicht marktüblich. "Aber wir sind nicht mehr sehr weit auseinander", sagte er der Zeitung, ohne Zahlen zu nennen.

In einem Sanierungstarifvertrag hatten sowohl der Vermieter als auch die Beschäftigten zur Karstadt-Rettung bereits auf dreistellige Millionensummen verzichtet. Weitere Opfer will Berggruen den Beschäftigten nicht abverlangen. Genau das sieht die Highstreet-Seite aber kritisch. "Eine Lösung, die keinem wehtut, aber in sechs Monaten wieder scheitert - das nützt Karstadt nicht", hieß es in Kreisen.

Nach "Spiegel"-Informationen hat das Vermieterkonsortium in einem Brief an Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Business-Plan von Berggruen angezweifelt. Dieser umfasse gerade einmal neun Seiten und werde als "wenig aussagekräftig" angesehen. Der Berggruen-Sprecher wies die Zweifel zurück. Neun Seiten stark sei nur die Folienpräsentation, der eigentliche Businessplan umfasse mehrere hundert Seiten und sei von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG testiert. In London unterbreitete der Investor deshalb noch einmal die Details.

Quelle: dpa