Wirtschaft

Keine Bewegung bei GesprächenPrimacom wackelt

04.06.2010, 17:06 Uhr

Über den Kabelnetzbetreiber Primacom schwebt weiterhin der Pleitegeier. Der Haupteigner Escaline erreicht bislang keine Einigung mit den Gläubigern. Noch hat das Primacom-Management zwei Wochen Zeit, um das Aus abwenden zu können.

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Primacom droht Insolvenz. (Foto: picture-alliance / dpa)

Die Zukunft des Kabelnetzbetreibers Primacom steht weiter auf der Kippe. Auch eine neue Frist für eine Einigung zwischen dem Haupteigner und den Gläubigern über eine neue Finanzierung sei ergebnislos verstrichen, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Derzeit herrsche Funkstille zwischen den beiden Parteien. Bereits vor wenigen Tagen waren die Verhandlungen fehlgeschlagen. Primacom wollte sich dazu nicht näher äußern. "Wir wissen nichts von eventuellen Gesprächen und ihren Ergebnissen", sagte ein Sprecher.

Haupteigner des vor allem in Ostdeutschland aktiven Kabelnetzbetreibers ist die Beteiligungsgesellschaft Escaline. Sie hatte mit den mehr als einem Dutzend Gläubigern, darunter die Bank ING und eine Reihe von Hedgefonds wie Alcentra, Avenue und Tennenbaum, monatelang über eine Sanierung von Primacom verhandelt. Allerdings ohne Ergebnis, weshalb die Kreditgeber Anfang der Woche Forderungen von 29 Millionen Euro fällig stellten.

Primacom erklärte daraufhin, die Schulden nicht begleichen zu können. Falls die Gläubiger darauf beharren sollten, ihr Geld zurückzubekommen, müsse die Konzernholding Insolvenz anmelden. Das operative Geschäft würde aber nicht in Mitleidenschaft gezogen und werde unverändert weiterlaufen, so Primacom.

Verhandlungen gehen weiter

In Unternehmenskreisen hieß es, dass das Management nun noch gut zwei Wochen Zeit habe, um das Aus abzuwenden. Am Wochenende werde zunächst der Aufsichtsrat tagen und nächste Woche dürften Gläubiger, Escaline und das Primacom-Führungsduo Michael Dorn und Sebastian Freitag sich erneut an den Verhandlungstisch setzen. Der Investmentbanker Freitag war vor einer Woche überraschend von Escaline in den Vorstand geholt worden.

Escaline wollte vor einigen Jahren in Deutschland einen neuen großen Kabelkonzern schmieden und hat dazu Tele Columbus und Primacom geschluckt. Die vom neuen Besitzer aufgebürdete Schuldenlast überforderte die Unternehmen jedoch. Derzeit steht Primacom mit 340 Millionen Euro in der Kreide. Eine Million Haushalte werden von der Mainzer Firma mit Fernsehen, Internet und Telefon versorgt.

Quelle: rts