Mittwoch, 03. März 2010
27.648 Euro im Schnitt: Pro Kopf weniger brutto
Kurzarbeit hoch, Überstunden runter - und fertig ist der erste Rückgang der Bruttoverdienste seit 1949. Besonders hart trifft es die Beschäftigten in der Industrie.In der Rezession sind die Bruttoverdienste der Deutschen erstmals seit Gründung der Bundesrepublik gesunken. Arbeitnehmer verdienten im vergangenen Jahr vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben durchschnittlich 27.648 Euro und damit 0,4 Prozent weniger als 2008, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab. Hauptgrund für den ersten Pro-Kopf-Rückgang seit 1949 waren der Anstieg der Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden. Besonders stark traf es Beschäftigte in der Industrie, die ein Minus von 3,6 Prozent hinnehmen mussten.
Gemessen je Arbeitsstunden allerdings kletterten die Bruttoverdienste um drei Prozent. Die Beschäftigten erhielten beim Abbau von Guthaben auf Arbeitszeitkonten 2009 Geld für Leistungen aus den den Jahren zuvor.
Lohnstückkosten rauf
Den starken Ausbau der Kurzarbeit bekamen die Unternehmen auf der Kostenseite deutlich zu spüren. Statt Fachpersonal zu entlassen, nahmen sie einen Anstieg der Lohnstückkosten von 5,2 Prozent in Kauf - und damit das größte Plus seit 1992. Dieser Wert drückt aus, wie viel Lohn oder Gehalt für eine Produktions- oder Dienstleistungseinheit bezahlt werden muss. Die Rezession hatte zu einem deutlichen Rückgang der Produktion geführt, während die Fixkosten gleichzeitig kaum sanken. Im Verarbeitenden Gewerbe kletterten die Lohnstückkosten sogar um mehr als 15 Prozent.
Die durchschnittlichen Bruttoverdienste sind definiert als Bruttolohn oder -gehalt je Arbeitnehmer. Bei der Berechnung summieren die Statistiker die Verdienste aller Arbeitnehmer - von geringfügig Beschäftigten über Beamte bis hinzu Vorstandsmitgliedern. Auch Zulagen und Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden berücksichtigt.
rts
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