Freitag, 30. April 2010
Vorstoß zur Gasriesen-Fusion: Putin überrollt Ukrainer
Russlands Regierungschef Putin sorgt mal wieder für einen Paukenschlag. Er düpiert seinen ukrainischen Amtskollegen Asarow mit dem Vorschlag, die Gaskonzerne Gazprom und Naftogaz zusammenzulegen. Der EU werden die Pläne nicht gefallen. Ihr sind die Expansionspläne von Gazprom ein Dorn im Auge.
Koch und Kellner: Wladimir Putin und Mikola Asarow.
(Foto: REUTERS)
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat eine Fusion der staatlichen Gaskonzerne Russlands und der Ukraine vorgeschlagen. "Ich schlage vor, Gazprom und Naftogaz zusammenzulegen", sagte Putin nach einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Mikola Asarow im südrussischen Sotschi.
Offenbar wurde Asarow mit der Ankündigung vor laufenden Fernsehkameras überrascht. Über den Plan hätten die beiden Regierungschefs bei ihrer Begegnung unmittelbar zuvor nicht gesprochen, sagte ein Sprecher Asarows. Die Regierung in Kiew werde den Vorschlag nun prüfen.
Ein Zusammengehen des weltgrößten Gaskonzerns Gazprom mit Naftogaz dürfte die Europäische Union alarmieren. Diese beobachtet die Expansionspläne von Gazprom kritisch. Der Vorstoß Putins könnte zudem die pro-westlich orientierte ukrainische Opposition weiter reizen, die sich erst diese Woche erfolglos gegen eine Verlängerung des Pachtvertrags für den auf der ukrainischen Krim-Halbinsel gelegenen Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte gestemmt hatte. Nach der Verlängerung der Pacht hatte Moskau der Ukraine einen Preisnachlass von 30 Prozent bei Erdgaslieferungen eingeräumt.
Russische Millionen für Kiew
Putin stellte der Ukraine zudem einen millionenschweren Kredit in Aussicht. Die russische Staatsbank WTB sei bereit, der Ukraine "in naher Zukunft" ein Darlehen von 500 Millionen US-Dollar zu geben, um dem Land aus der Wirtschaftskrise zu helfen, sagte der russische Regierungschef. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern entwickelten sich derzeit gut im Finanz- und Bankensektor, fügte Putin hinzu. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit fortdauere.
Nach dem Antritt des pro-russischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch nach seinem Wahlsieg im Februar haben sich die Beziehungen zu Moskau schnell verbessert. Beobachtern zufolge will sich die russische Regierung möglichst rasch wieder mehr Einfluss auf das Nachbarland sichern, das jahrelang unter pro-westlicher Führung stand.
wne/AFP
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