Hochmodern und ohne ZukunftQuelle-Leipzig macht dicht
Im Quelle-Versandzentrum Leipzig gehen Ende Januar wohl für immer die Lichter aus. Nach wie vor gibt es keine Perspektive für das hochmoderne Logistikzentrum im Leipziger Norden. Mittlerweile haben alle Mitarbeiter ihre Kündigungen in der Hand.
"Es gibt keine offiziellen Signale", sagte Betriebsratschef Steffen Schmidt. Ein kleines Stückchen Hoffnung sehe er durch die Übernahme der Markenrechte an Quelle durch die Otto-Group. Was das für das Versandzentrum und die Mitarbeiter bedeuten könne, sei aber völlig offen. "Das ist das kleine bisschen Hoffnung, das wir haben", sagte Schmidt.
Ein Sprecher der Otto-Group sagte, die Markenrechte an Quelle würden weiter genutzt. Es stehe aber das Okay der europäischen Kartellbehörden noch aus. Deshalb werde es erst im Februar konkrete Angaben dazu geben. Er betonte, Otto verfüge über eine eigene leistungsfähige Logistik. So sei mittlerweile das Quelle- Russlandgeschäft komplett integriert worden. Bisher war der Versand noch über Leipzig gelaufen. Otto hat ein modernes Versandzentrum im sachsen-anhaltischen Haldensleben.
Betriebsratschef Schmidt bestätigte einen Bericht der "Leipziger Volkszeitung", wonach 475 der einst 800 Mitarbeiter zum Jahreswechsel freigestellt wurden. 50 Mitarbeiter waren bereits zum Jahresende und weitere 150 zu Ende Januar gekündigt worden. Die verbliebenen wurden nun per März entlassen.
Zumindest habe der Betriebsrat unter Vermittlung einer Einigungsstelle bei zähen Verhandlungen mit der Insolvenzverwaltung erreicht, dass die Kündigungen Rücknahmeklauseln enthalten, falls es doch weitergehen sollte. Da seien vorsorglich Weichen gestellt worden. "Das war unser letzter großer Job", sagte der Betriebsratschef.
Das Quelle-Versandzentrum war am 18. Mai 1995 eröffnet worden. Die Investition von einer Milliarde D-Mark (rund 500 Mio. Euro) war die größte in der Konzerngeschichte.