Wirtschaft
Braunkohletagebau Garzweiler: Neue Kraftwerke brauchen weniger Personal.
Braunkohletagebau Garzweiler: Neue Kraftwerke brauchen weniger Personal.(Foto: picture alliance / dpa)

"Es wird einen Stellenabbau geben": RWE schreibt Kündigungen

Der Essener Energiekonzern RWE bereitet sich auf einen umfangreichen Personalabbau vor. Mehr als 8000 der weltweit 72.000 Stellen sollen einem Zeitungsbericht zufolge wegfallen. Über die genauen Zahlen hält sich der Konzern noch bedeckt, bestätigt aber die Existenz entsprechender Pläne. Auch bei Eon regiert nach dem Atomausstieg der Rotstift. Die Düsseldorfer ziehen sich aus Bulgarien zurück.

Der Energiekonzern RWE will in den kommenden Jahren mehrere tausend Arbeitsplätze streichen. Bis zu 8000 der insgesamt 72.000 Stellen könnten wegfallen, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Etwa die Hälfte der von dem Abbau betroffenen Mitarbeiter könnte durch den geplanten Verkauf von Unternehmensteilen ausscheiden, berichtete die "Rheinische Post".

Bei RWE sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2012 ausgeschlossen.
Bei RWE sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2012 ausgeschlossen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Es wird einen Stellenabbau geben", sagte ein RWE-Sprecher, ohne eine Zahl zu nennen. "Eine Reduzierung des Personalbestands ist eine Folge bekannter Entscheidungen."Das Management sei mit den Gewerkschaften bereits über entsprechende Maßnahmen im Gespräch. Zur Debatte stünde unter anderem die Schließung des Atomkraftwerks Biblis, nachdem die Bundesregierung im Sommer den Atomausstieg beschlossen hat. Darüber hinaus würden alte Kohlekraftwerke durch neue Anlagen ersetzt, zu deren Steuerung weniger Personal benötigt werde. Zudem baue RWE sein England-Geschäft um. Weitere Maßnahmen gebe es in Osteuropa.

In der Energiebranche stehen nach dem Atomausstieg die Kernkraftwerkbetreiber unter Zugzwang. Sie müssen ihre zum Teil Jahrzehnte alten Bedarfsplanungen kurzfristig neu ausrichten. Der RWE-Sprecher betonte, dass der Stellenabbau sozialverträglich umgesetzt werden solle. In Deutschland sind bei dem Konzern betriebsbedingte Kündigungen nach einer Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern ohnehin bis Ende 2012 ausgeschlossen. Vorstand-Chef Jürgen Großmann hat angekündigt, den durch die Atomwende und das schwächelnde Gasgeschäft unter Druck geratenen Versorger durch den Verkauf von Geschäftsbereichen neu aufzustellen. Bis Ende 2013 will Großmann Geschäfte im Volumen von bis zu 11 Mrd. Euro abstoßen, um mit den Einnahmen auch die milliardenschwere Schuldlast zu drücken.

Dea, Ferngas, Berlinwasser und mehr

Am 12. Dezember soll bei RWE der Aufsichtsrat zusammenkommen, um über den mittelfristigen Ausblick für die Jahre 2012 bis 2014 und über die Beschäftigungsentwicklung zu beraten. Allein ein sogenanntes Desinvestitions-Programm sei dabei mit dem Abbau von 3000 bis 4000 Stellen verbunden, berichtete die "Rheinische Post".

Auf der Verkaufsliste von RWE stehen demnach unter anderem der Ölförderer Dea, ein tschechischer Ferngasnetzbetreiber, die Beteiligung an Berlinwasser, einige Kohle- und Gaskraftwerke sowie Vertriebs- und Netzaktivitäten in Deutschland. Abgeschlossen ist bereits der Verkauf der Mehrheit an der Höchstspannungsnetztochter Amprion. Die Mitarbeiter dieser Firmen bekämen einen neuen Arbeitgeber, verlören aber nicht ihre Stellen, hieß es.

Bei Eon müssen allein in Deutschland wohl bis zu 6500 Mitarbeiter gehen.
Bei Eon müssen allein in Deutschland wohl bis zu 6500 Mitarbeiter gehen.(Foto: REUTERS)

Komplett wegfallen werden bei RWE allerdings die Arbeitsplätze im stillgelegten Atomkraftwerk Biblis A und in Braunkohlekraftwerken im rheinischen Revier. Dort wird RWE im kommenden Jahr alte Anlagen durch moderne Kraftwerksblöcke ersetzen, die mit weniger Mitarbeiter gefahren werden. Zusammen könnten etwa 1000 Arbeitsplätze betroffen sein. Bei RWE gilt bis Ende 2012 ein Kündigungsschutz. Über eine Verlängerung wollen das Unternehmen und die Gewerkschaften im Laufe des kommenden Jahres verhandeln.

Eon gibt Bulgarien auf

Beim Düsseldorfer Konkurrenten Eon sorgt seit Monaten ein geplanter Stellenabbau für Unruhe. Vorstandschef Johannes Teyssen will bis zu 11.000 der weltweit rund 80.000 Jobs kürzen. Den Gewerkschaften zufolge könnten alleine in Deutschland 6500 Mitarbeiter betroffen sein. Im Gegensatz zu RWE schließt Eon betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich nicht aus und hat erklärt, das Ausscheiden von Mitarbeitern durch den geplanten Verkauf von Unternehmensteilen sei in die genannte Zahl nicht einberechnet.

Im Zusammenhang mit diesen Verkaufsplänen gab Eon den Rückzug aus Bulgarien bekannt. Die tschechische Energo-Pro übernimmt Eon Bulgaria für rund 133 Mio. Euro, teilte der größte deutsche Energiekonzern am Sitz in Düsseldorf mit. Eon hatte sich 2004 im Rahmen der Privatisierung der bulgarischen Energiewirtschaft mehrheitlich an einem Netzbetreiber und einer Vertriebsgesellschaft beteiligt und diese zur Eon Bulgaria zusammengeführt.

Eon will bis zum Ende des Jahres 2013 aus dem Verkauf von Unternehmensteilen 15 Mrd. Euro erzielen. Bis heute seien davon bereits mehr als 9 Mrd. Euro realisiert werden, hieß es in der Mitteilung weiter.

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Quelle: n-tv.de

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