Wirtschaft

"Auftrag aus der 5. Etage"Ricke bleibt in der Schusslinie

14.09.2010, 16:38 Uhr

Keine Entlastung von Ex-Konzernchef Ricke in der Telekom-Spitzelaffäre: Zwei Mitarbeiter geben vor Gericht zu Protokoll, dass sie von einem Auftrag "von ganz oben" ausgegangen seien.

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Nicht aus dem Schneider: Kai-Uwe Ricke. (Foto: picture-alliance/ dpa)

In der Telekom-Bespitzelungsaffäre bleibt der ehemalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke unter Druck. Zwei angeklagte Telekom-Mitarbeiter, die mit dem Ausspionieren beauftragt wurden, erklärten vor Gericht, sie seien davon ausgegangen, dass der Auftrag "von ganz oben" gekommen sei.

Das habe ihm der Hauptangeklagte und Ex-Abteilungsleiter für Konzernsicherheit Klaus T. auch so erklärt, sagte einer der Mitarbeiter im Prozess vor dem Bonner Landgericht. Beide Angeklagten hatten - anders als T. - in dem Fall aber keinen direkten Kontakt mit Ricke.

Klaus T. hatte zuvor ausgesagt, für das von ihm veranlasste Ausspionieren von Telefonaten keinen konkreten und expliziten Auftrag von Ricke erhalten zu haben. Der von T. eingebundene Mitarbeiter der Konzernsicherheit sagte, dieser habe ihm erklärt, dass es "einen Auftrag aus der 5. Etage" - der Vorstandsetage - gebe. Es gehe um einen Geheimnisverrat an die Presse.

Von rechtmäßigem Auftrag ausgegangen

Dieser Mitarbeiter von Klaus T. wandte sich dann an einen weiteren Telekom-Mitarbeiter, der damals bei der Unternehmenssicherheit von T- Mobile tätig war. Er habe ihm dabei auch erklärt, dass der Auftrag von Ricke komme, sagte dieser dritte mit dem Ausspähen betraute Mitarbeiter. Von daher sei er auch davon ausgegangen, dass es sich um einen rechtmäßigen Auftrag gehandelt habe.

Alle drei Telekom-Mitarbeiter sind wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz angeklagt. Die Ermittlungen gegen Ricke und Ex- Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden. Sie haben stets bestritten, die illegalen Aktionen angezettelt oder von ihnen gewusst zu haben.

In den Jahren 2005 und 2006 waren von der Telekom 50 bis 60 Personen, darunter Journalisten, Aufsichtsräte und namhafte Gewerkschafter, über ihre Telefondaten ausspioniert worden. Es sollte herausgefunden werden, wie Unternehmensinterna aus dem Aufsichtsrat an die Presse gelangten.

Quelle: wne/dpa