Wirtschaft
Passanten hören sich eine Putin-Rede auf einer Videoleinwand an - Szene aus Sewastopol. Der Präsident hat viele Freunde auf der Halbinsel, doch die Sanktionen machen dieser und dem ganzen Land zu schaffen.
Passanten hören sich eine Putin-Rede auf einer Videoleinwand an - Szene aus Sewastopol. Der Präsident hat viele Freunde auf der Halbinsel, doch die Sanktionen machen dieser und dem ganzen Land zu schaffen.(Foto: AP)

Sanktionen gegen Russland: Rubel-Schwäche trifft deutsche Unternehmen

Die Sanktionen des Westens gegen Russland sollen eine Strafe sein - doch die trifft nun auch deutsche Unternehmen. Vor allem der freie Fall des Rubels macht ihnen zu schaffen. Manche denken schon über einen Rückzug aus dem Land nach.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor wachsenden Gefahren für die deutsche Wirtschaft durch die Rezession in Russland. "Die Krise der russischen Wirtschaft hinterlässt immer tiefere Bremsspuren im Russlandgeschäft deutscher Unternehmen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der "Bild am Sonntag".

Nach einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Russland unter knapp 300 deutschen Unternehmen müsse fast jeder dritte deutsche Betrieb dort Mitarbeiter entlassen, sollte sich die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort nicht verbessern. "36 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, Projekte stornieren zu müssen", so Treier.

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Es sei insbesondere die Rubel-Schwäche, die den Unternehmen zu schaffen mache. Zehn Prozent der deutschen Firmen hätten berichtet, dass sich ihr langjähriger russischer Geschäftspartner nun gen Asien orientiere. "Immerhin jedes achte Unternehmen erwägt einen Rückzug aus Russland", sagte der Außenwirtschaftschef. "Der Bruch so mancher Geschäftsbeziehung steht also bevor."

"Notfallplan in der Schublade"

Nach Einschätzung des früheren Präsidenten der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, ist die Europäische Union auf einen möglichen Kollaps der russischen Wirtschaft vorbereitet. "Während der sogenannten Eurokrise hatten wir Notfallpläne für alle möglichen Szenarien in der Schublade. Ich bin sicher, dass es jetzt auch Notfallpläne gibt, um sich auf mögliche Auswirkungen einer Wirtschaftskrise in Russland vorzubereiten", sagte Barroso der "Welt am Sonntag".

Das Risiko, dass die wirtschaftlichen Probleme Russlands zu einer globalen Krise führen, sei aber nicht sehr hoch. "Russland ist nicht besonders eng eingebunden in die Weltwirtschaft und in die internationale Finanzordnung", sagte Barroso. "Von der aktuellen wirtschaftlichen Schwäche der Schwellenländer - mit Ausnahme Chinas - geht eine größere Gefahr für die Weltwirtschaft aus als von Russland."

Die USA hatten am Freitag einen Tag nach der Europäischen Union den Handel mit der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim weitgehend verboten. Auch Kanada verhängte neue Sanktionen. Die EU hatte tags zuvor die Sanktionsschraube weiter angezogen. Sie untersagte etwa Investitionen auf der Krim sowie den Export von Gütern aus dem Öl- und Gassektor.

Putin: Sanktionen sind Schuld

Wegen der Ukraine-Krise hatte der Westen bereits früher Sanktionen gegen Russland verhängt, insbesondere im Finanz-, Rüstungs- und Energiebereich. Nach Einschätzung des russischen Staatschefs Wladimir Putin sind diese zu "25 bis 30 Prozent" für die Wirtschaftskrise in seinem Land verantwortlich.

Für die wirtschaftlichen Probleme Russlands ist nach Ansicht des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen der russische Präsident Wladimir Putin verantwortlich. "Es ist politisch und psychologisch falsch, die russische Wirtschaftsmisere zu unserem Problem zu machen. Sie ist durch Putin verursacht", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag der "Welt am Sonntag". Putin habe seit Jahren jede Form der Modernisierung im Land verweigert. Zudem habe "die jüngere Aggression das Vertrauen in den Investitionsstandort Russland zerstört".

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Quelle: n-tv.de

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