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Die Zentrale von Bashneft in Moskau.
Die Zentrale von Bashneft in Moskau.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Fall Jewtuschenkow: Russischer Staat greift nach Bashneft

Erst wird der Chef des Mischkonzerns Sigma unter Hausarrest gestellt - jetzt will der russische Staat die im Ölgeschäft tätige Konzern-Tochter Bashneft übernehmen. Kritiker vergleichen den Fall mit dem Vorgehen gegen Ex-Oligarchen Chodorkowski.

Fünf Jahre nach dem Verkauf des Ölkonzerns Bashneft will der russische Staat von dem wegen Geldwäsche angeklagten Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow die Rückgabe der Firma erzwingen. Die Privatisierung sei damals unter schweren Gesetzesverstößen abgelaufen, sagte die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft, Marina Gridnewa. Die Bashneft-Aktien seien deshalb nun im Interesse des russischen Staates gesperrt worden.

Ziel eines Gerichtsverfahrens sei es, die Aktien dem ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben, sagte Gridnewa. Das Moskauer Schiedsgericht soll am 9. Oktober über die Klage der Generalstaatsanwaltschaft auf Rückgabe der Aktien entscheiden.

Bashneft gehört zu Jewtuschenkows Mischkonzern AFK Sistema. Sistema-Aktien brachen um zehn, Bashneft-Papiere um sechs Prozent ein. Auch die Landeswährung Rubel, die bereits seit Monaten im Sog der Ukraine-Krise unter Druck steht, musste Federn lassen.

"Der Fall Jewtuschenkow wird am Aktienmarkt weiter für miese Stimmung sorgen", meint Analystin Anastasia Sosnowa von der Rossiysky Kapital Bank. Die politischen Hintergründe in dieser Affäre wirkten als Stimmungsbremse für die Investoren. Zuletzt wurde spekuliert, dass der staatliche Ölkonzern Rosneft Interesse an dem aufstrebenden Rivalen Bashneft haben könnte. Rosneft-Chef Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin.

Illegale Machenschaften?

Die Bashneft-Aktien haben mit Beginn des juristischen Vorgehens seit Juli etwa die Hälfte ihres Wertes verloren. Sistema hatte vor fünf Jahren Bashneft übernommen und besitzt rund 80 Prozent der Anteile. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Jewtuschenkow im Zuge des Geschäfts an illegalen Machenschaften beteiligt war. Der Unternehmer steht deswegen unter Hausarrest, eine Agenturmeldung über eine Freilassung erwies sich jüngst als falsch.

Sistema weist die Anschuldigungen gegen Jewtuschenkow als grundlos zurück. Ein einflussreicher Unternehmerverband hatte den Hausarrest überdies als politisch motiviert bezeichnet und mit dem Fall des Regierungskritikers und früheren Chefs des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, verglichen. Er wurde unter anderem wegen Steuerbetrugs angeklagt und saß jahrelang in Haft. Seine Festnahme hatte das Vertrauen internationaler Anleger in Russland untergraben. Einen Großteil von Yukos hatte sich der Rivale Rosneft einverleibt, der unter anderem dank dieses Manövers inzwischen zum weltgrößten börsennotierten Ölkonzern aufstieg.

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Quelle: n-tv.de

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