Wirtschaft
Unter Beobachtung: Allianz-Chef Michael Diekmann.
Unter Beobachtung: Allianz-Chef Michael Diekmann.(Foto: REUTERS)
Samstag, 28. Januar 2012

Ausblick "negativ" für die Allianz: S&P beäugt Versicherer

Die Ratingagentur Standard & Poor's zieht die Bonität der größten Versicherungskonzerne Europas in Zweifel. Experten erkennen darin ein positives Signal: Die Gefahr einer sofortigen Herabstufung ist vorerst gebannt.

Europas größte Versicherer Allianz und Axa können aufatmen. In der Bewertung durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) behalten die beiden Branchenführer aus Deutschland und Frankreich ihre vergleichsweise guten Noten. Die Einstufung gilt allerdings künftig mit einer gewichtigen Einschränkung: Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise und den drohenden Auswirkungen auf die Branche stehen die beiden Versicherungskonzerne bei S&P künftig unter verschärfter Beobachtung.

Sollte die Allianz in diesem Zeitraum ihre Kapitalausstattung verbessern, könnte der Ausblick auf stabil angehoben werden, teilte S&P mit. Derzeit liege sie nur nahe der Minimalanforderung für die Bonitätsnote. Wegen der Krise in Europa gebe es weitere Risiken.

Ausblick "negativ"

Härter getroffen hat es den Versicherer Generali: Die Einstufung des italienischen Konzerns wurde von "A+" auf "A" gesenkt. Mittelfristig ist aber auch die Einstufung von Allianz und Axa wegen der Folgen der Euro-Schuldenkrise weiter in Gefahr. Nach Börsenschluss in Europa setzte S&P den Ausblick bei beiden Unternehmen auf "negativ".

In der Logik der Ratingagenturen bedeutet das, dass die beiden Unternehmen in den kommenden zwei Jahren im Hinblick auf eine Herabstufung überprüft werden. Bei einer schlechteren Einstufung durch S&P steigen in der Regel die Kreditkosten zum Beispiel bei der Ausgabe von neuen Anleihen. Ein höhere Finanzierungsaufwand kann wiederum das Ergebnis belasten.

Branchenkenner bewerteten die Einlassung der S&P-Analysten als positives Signal: Die seit Anfang Dezember drohende kurzfristige Abstufung sei damit erst einmal vom Tisch, hieß es. S&P entfernte die Allianz und Axa von ihrer Überwachungsliste, der sogenannten Beobachtungsliste.

Auf diese Liste hatte S&P die Allianz zusammen mit weiteren europäischen Versicherern gesetzt und damit eine kurzfristige Abstufung in Aussicht gestellt. Die Allianz, Europas Nummer eins der Branche, erfülle aber gerade noch die Anforderungen an die S&P-Note "AA". Bei der Axa sieht es ähnlich aus. Die Franzosen werden von S&P derzeit mit "AA-" und damit geringfügig schlechter als die Deutschen eingestuft.

Wie sich die Beurteilung der Finanzkraft durch S&P entwickelt, hängt in den Augen der Bonitätsprüfer vom weiteren Verlauf der Schuldenkrise und der Konjunktur ab. Die Ratingagenturen trauen beiden Versicherern weiter zu, relativ gut durch die Krise zu kommen. So erwarten sie zum Beispiel bei der Allianz im laufenden und kommenden Jahr einen Überschuss von jeweils mehr als 4 Mrd. Euro. Im Jahr 2011 musste die Allianz nach Schätzungen von Analysten unter anderem wegen Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen und Beteiligungen an Banken einen Gewinneinbruch um gut ein Drittel auf rund 3,5 Mrd. Euro hinnehmen.

Quelle: n-tv.de

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