Wirtschaft

Peinliche Pannen oder ein System?: SEC-Bilanzen stimmen nicht

Die SEC kontrolliert den Finanzmarkt. Aber wer wirft ein Auge auf die Aufseher? Nicht nur, dass die US-Börsenaufsicht die Finanzkrise verschlafen hat. Nun stellt sich auch noch heraus, dass ihre eigenen Finanzen vor Fehlern strotzen.

"New York Times" hält SEC den Spiegel vor.
"New York Times" hält SEC den Spiegel vor.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ausgerechnet die sonst so strenge US-Börsenaufsicht SEC hat ihre eigenen Finanzen nicht im Griff. Seitdem die Behörde 2004 erstmals eine eigene Bilanz erstellt hat, mäkelt der US-Rechnungshof fast durchgängig daran herum. Die Bücher seien derart in Unordnung, dass nicht einmal genau ersichtlich sei, wie viele Strafgelder oder Gebühren die SEC eingenommen habe, rügten die staatlichen Prüfer schon vor Wochen. Wäre ein Unternehmen so schluderig, würde die SEC bestimmt eingreifen, legte die "New York Times" nun süffisant nach.

Die SEC steht seit der Finanzkrise schwer in der Kritik. Sie hatte weder die Bilanztricksereien bei der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers aufgedeckt noch das milliardenschwere Schneeballsystem von Bernard Madoff enttarnt. Als Entschuldigung führte die SEC stets an, sie habe zu wenig Mittel.

Nur peinliche Patzer?

Unter anderem habe der Rechnungshof in seinem vorläufigen Jahresbericht gerügt, dass die SEC die Ausgaben für ihre angemieteten Büroräume um satte 40 Mio. Dollar zu niedrig angesetzt habe, schrieb die Zeitung. Die Prüfer unterstellen der SEC dabei nicht einmal bösen Willen oder werfen ihr gar Bilanzfälschung vor. Sie beklagen allerdings, dass die SEC wenig Anstalten mache, derlei peinliche Patzer zu vermeiden und dass nötige Korrekturen sich hinzögen.

Die Ausführungen des Rechnungshofs kommen in einer Zeit, in der die SEC um ein höheres Budget kämpft. Im vergangenen Jahr hatte die Börsenaufsicht 1,1 Mrd. Dollar zur Verfügung. Mit der von Präsident Barack Obama durchgedrückten Finanzmarktreform wurde ihr eine Verdoppelung in den kommenden fünf Jahren zugesagt - ohne allerdings das nötige Geld auch tatsächlich bereitzustellen.

SEC technisch hinterher

Die SEC wacht darüber, dass die Unternehmen in den USA saubere Geschäfte machen. Siemens oder Daimler bekamen ihre Macht zu spüren, als Korruptionsfälle in den Konzernen aufflogen. Beide mussten Strafe zahlen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs büßte im vergangenen Jahr dafür, dass sie ihren Anleger bei einem Hypothekengeschäft wichtige Informationen vorenthalten hatte.

Bei komplexen Finanztransaktionen stößt die SEC aber schnell an ihre Grenzen. So fehlen die nötigen Computersysteme, um große Mengen an Daten analysieren zu können. Um den Ursachen des plötzlichen Absturzes der New Yorker Börse am 6. Mai auf die Schliche zu kommen, werkelten die SEC-Rechner ganze drei Monate lang. Manchmal müssten die Mitarbeiter sogar Stift, Zettel und Taschenrechner zur Hand nehmen, weil sie keine geeigneten Computerprogramme hätten, zitierte die "New York Times" aus einem Kongressbericht.

Behörde, die Gewinne schreibt

Zurzeit arbeiten 3750 Menschen bei der SEC. An ihrer Spitze steht seit Anfang 2009 Mary Schapiro. Sie kämpft darum, 800 neue Leute zu bekommen, um die Finanzwelt besser im Auge haben zu können. Für den Staat dürfte sich eine Aufstockung sogar in barer Münze auszahlen:

Die SEC gehört zu den wenigen Behörden, die dank Millionenstrafen und Gebühren mehr Geld einnehmen, als sie ausgibt. Auch wenn ihre Bilanzen das nicht immer so eindeutig zeigen.

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Quelle: n-tv.de

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