Zehn Milliarden Umsatz angepeiltSchaeffler auf Rekordkurs

Nachdem der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler die Krise schneller als erwartet abgehakt hat, peilen die Herzogenauracher für dieses Jahr einen neuen Rekord an: Der Umsatz soll die Hürde von zehn Milliarden Euro nehmen.
Der durch die Übernahme der dreimal so großen Continental AG hoch verschuldete fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler schreibt wieder schwarze Zahlen. Dank eines starken Schlussquartals stand im vergangenen Jahr unter dem Strich wieder ein Gewinn von 63 Mio. Euro nach einem Verlust von 1,2 Mrd. Euro im Vorjahr, wie der Familienkonzern bei Vorlage der Bilanz in Frankfurt erklärte. Nachdem die Herzogenauracher die Latte sehr niedrig gelegt hatten, fiel es ihnen nicht schwer, die selbstgesteckten Ziele zu übertreffen.
Mit Motor-, Getriebe- und Fahrwerksystemen sowie Lagern für die Automobilbranche, Industrie, Luft- und Raumfahrt erwirtschaftete Schaeffler nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,5 Mrd. Euro. Das war nicht nur 29 Prozent mehr als im schwachen Vorjahr, die Einnahmen übertrafen auch den Vorkrisenwert von 2008 von 8,9 Mrd. Euro.
Vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdiente Schaeffler 1,5 Mrd. Euro und damit mehr als drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Damit knüpften die Herzogenauracher auch in punkto Profitabilität an alte Erfolge an. Nachdem die Rendite (EBIT-Marge) im Krisenjahr 2009 auf rund sechs Prozent gefallen war, stieg sie im vergangenen Jahr auf knapp 16 Prozent. Auch hier hatte die hohe Nachfrage im sonst eher schwachen Schlussquartal für Rückenwind gesorgt, denn schon von Januar bis September blieben den Franken von jedem Euro Umsatz 16 Prozent operativer Gewinn.
Conti verwässert die Zahlen
Im vergangenen Jahr drückte vor allem der Verlust aus der Verwässerung des Anteils an Conti von 396 Mio. Euro das Ergebnis, nachdem der hoch verschuldete Großaktionär nicht an der Kapitalerhöhung Anfang des Jahres teilnahm und somit der direkt gehaltene Anteil von knapp 50 Prozent auf 42 Prozent gesunken war.
Beim Schuldenabbau kam Schaeffler deutlich voran - zumindest im laufenden Geschäft. Bis Ende Dezember senkten die Herzogenauracher ihre Verbindlichkeiten bei den Banken auf 5,7 von ursprünglich sechs Mrd. Euro. Das sind jedoch nur die Darlehen, die auf dem operativen Geschäft lasten. In der darüber angesiedelten Schaeffler-Dachgesellschaft lauern weitere fünf Mrd. Euro Schulden, für die Schaeffler weder Zinsen zahlt noch den Kredit tilgt. Da sich die Zinsen über die gesamten sechs Jahre ansammeln, führt der Zinseszinseffekt dazu, dass der Schuldenberg der Holding überproportional wächst.
Um die Schuldenlast zu verringern, hat sich Schaeffler von einem Teil seiner Conti-Aktien getrennt, die zuvor bei Banken geparkt waren, wie der Konzern in den vergangenen Tagen mitgeteilt hatte. Die Franken kontrollieren nun direkt und indirekt nur noch rund 60 Prozent von Conti, zuvor waren es etwa drei Viertel.