Aktienkurs halbiertSchlott geht das Geld aus
Der Druckdienstleister Schlott ist blank. Banken verweigern dem Unternehmen, das unter anderem die "WirtschaftsWoche" oder den "Kicker" druckt, wie befürchtet weitere Kredite. Die Unternehmensaktie bricht ein. Besonders der Untergang des Versandhauses Quelle hat Schlott schwer zugesetzt.
Europas zweitgrößter Druckereikonzern Schlott ist zahlungsunfähig. Am Montag verweigerten die Banken weitere Kredite, wie das Unternehmen in Freudenstadt im Schwarzwald mitteilte. Ende vergangener Woche waren bereits Gespräche über neues Eigenkapital gescheitert. "Damit ist die Fortführung der Schlott Gruppe nicht möglich", teilte der Vorstand mit. Im Insolvenzverfahren solle nun die Möglichkeit einer Sanierung geprüft werden, um so viele Arbeitsplätze und Vermögenswerte wie möglich zu erhalten.
Schlott hat seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und hartem Preiswettbewerb zu kämpfen. Die Belegschaft wurde beständig verkleinert, die Mitarbeiter verzichteten immer wieder auf Gehalt. Seit 2008 schreibt der Konzern mit zuletzt noch gut 2100 Beschäftigten rote Zahlen, eine durchgreifende Besserung des Marktes war auch nach der jahrelangen Talfahrt bis zuletzt nicht in Sicht. 2009 hatte Schlott vor allem die Pleite des Versandhauses Quelle zugesetzt, für das Schlott einen Teil der Kataloge produziert hatte. Auch viele Zeitschriften - wie etwa die "WirtschaftsWoche" oder das Sportmagazin "Kicker" - werden bei Schlott produziert.
Der Konkurrenzkampf im europäischen Druckgeschäft ist hart. Marktführer ist Prinovis, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann, Axel Springer und Gruner + Jahr. Im Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) hatte Schlott 365 Mio. Euro umgesetzt, der Nettoverlust hatte sich auf knapp 24 Mio. Euro belaufen.
An der Börse rauschten die Aktien von Schlott in den Keller und büßten 56 Prozent auf 0,88 Euro ein. Anfang 2006 waren die Aktien noch bei mehr als 30 Euro gehandelt worden.