Wirtschaft
Griechenland läuft die Zeit davon. Spätestens im Sommer droht die Staatspleite.
Griechenland läuft die Zeit davon. Spätestens im Sommer droht die Staatspleite.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Griechen-Pleite naht: So sieht Europa nach dem Grexit aus

Von Hannes Vogel

Die Zeit läuft ab: Im Schulden-Streit schalten Griechenland und seine Geldgeber auf stur. Athen steuert auf die Pleite zu. Die Folgen wären verheerend: für Hellas und für Europa.

"Am 28. Februar, 24.00 Uhr, ist over." Finanzminister Wolfgang Schäuble hat es noch nie deutlicher gesagt. In anderthalb Wochen laufen die Finanzhilfen der Euroländer an Athen aus. Wann genau die Kassen danach leer sind, lässt sich schwer sagen. Aber irgendwann im Sommer ist es soweit, falls sich Griechenland und seine Geldgeber im Schuldenstreit nicht endlich einigen und Athen neues Geld bekommt. Hellas taumelt auf die Staatspleite zu. Die Folgen wären verheerend. Nicht nur für Griechenland, sondern auch für Europa.

Was passiert in Griechenland?

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Für die Griechen wäre die Pleite wirtschaftlicher Selbstmord. Falls die Euroländer den Geldhahn zudrehen, wären sie gezwungen, wieder eigenes Geld zu drucken: An den Finanzmärkten könnten sich die Griechen neues nur noch zu astronomischen Zinsen leihen, oder gar nicht. Mit dem Euro-Austritt würden sie noch mehr verarmen als durch die Sparpolitik. Denn die neue Drachme würde sofort massiv an Wert verlieren.

Dadurch würde Griechenlands Wirtschaft zwar wieder wettbewerbsfähig, aber alle importierten Waren würden auf einmal das Drei- oder Vierfache kosten. Die Inflation würde explodieren. Die Griechen könnten sich noch weniger leisten. Sie würden die Banken stürmen, um ihr Erspartes zu retten, bevor es in wertlose Drachmen umgetauscht wird. Schon jetzt räumen sie die Konten leer. Die US-Bank JPMorgan gibt Griechenlands Geldhäusern nur noch drei Monate, bevor ihnen das Geld ausgeht.

Zittern die Börsen?

Und damit würde die Krise Europa erreichen. Falls Griechenlands Banken crashen, könnten die Börsen einbrechen. Die Ansteckungsgefahr ist zwar nicht mehr so groß wie 2012. Es gibt jetzt den Euro-Rettungssschirm ESM. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Staatsanleihen, um die Märkte zu beruhigen. Europas Banken machen kaum noch Geschäfte in Griechenland. Die Ausfälle wären gering. Trotzdem müsste die EU-Bankenunion bei einem Zusammenbruch der griechischen Institute wohl mit Milliarden einspringen.

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Und niemand kann genau sagen, wie sich der Grexit auf andere Länder auswirkt. "Wenn portugiesische Familien oder spanische Unternehmen sehen, wie aus Euro wieder Drachmen werden, werden sie ihr Geld vom Konto holen. Investoren würden über den nächsten Austrittskandidaten spekulieren", hat der US-Ökonom Barry Eichengreen der "Welt" gesagt. "Jeder kann seine Lieblingsfinanzkrise heraussuchen und wird feststellen, dass Märkte kein wirklich guter Krisenindikator sind. Im Vorfeld waren die Akteure immer viel zu lange viel zu entspannt und gerieten später in völlige Panik." Die Folgen der Griechen-Pleite sind unabsehbar und nicht zu unterschätzen.

Zerbricht der Euro?

Noch viel gefährlicher könnte der politische Fallout sein. Spanien, Portugal, Italien und Frankreich stecken wie Griechenland ebenfalls in einer Schuldenfalle und Wirtschaftsflaute fest. Auch in Spanien und Italien hat fast jeder zweite Jugendliche keinen Job wie in Griechenland. In Madrid, Rom und Paris greifen mit Podemos, Fünf-Sterne-Bewegung und Front National eurokritische Populisten wie Syriza nach der Macht.

Auch sie wollen wahlweise ihre Schulden streichen, raus aus dem Euro und die Sparpolitik beenden. Sie beobachten genau, wie die Euroländer mit Griechenland umgehen und werden ihre Schlüsse ziehen. Die Griechen-Pleite würde so oder so einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Entweder wird sie zum grausamen Exempel, das andere Länder abschreckt. Oder sie treibt einen Riss durch ganz Europa.

Wird Athen Moskaus Hinterhof?

Ein Euro-Austritt Athens hätte womöglich auch Folgen für die Stabilität in Europa. Schon heute leben Hunderttausende illegale Einwanderer in Griechenland. Wichtige Routen für die Flucht nach Europa führen über die griechisch-türkische Grenze und durch die griechische Ägäis. Falls der Staat in Griechenland zusammenbricht, könnten die Grenzen noch durchlässiger werden. Arbeit gibt es schon jetzt kaum, viele Flüchtlinge würden in den Rest der Eurozone weiterziehen.

Die Griechen-Pleite wäre zudem nicht nur ein Schock für die EU, sondern auch für die Nato. Wenn Griechenland kein Geld mehr von der EU bekommt, muss es sich andere Geldgeber suchen. Die neue Linksregierung in Athen ist einer engeren Anbindung an Russland nicht abgeneigt. Der wirtschaftlichen Allianz könnte dann die politische Abhängigkeit folgen. Moskau könnte über Athen seinen Einfluss direkt nach Europa tragen. Schlimmstenfalls könnte Griechenland so zu einer Art Kuba in Europa werden.

Quelle: n-tv.de

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