Verkaufen vor dem PreisverfallSoros beweist Talent
Die plötzlichen Einbrüche an den Rohstoffmärkten Anfang Mai reißen die Depots unzähliger Kleinanleger mit in die Tiefe. Jetzt decken die Pflichtangaben bei der US-Börsenaufsicht auf, welcher Profi noch auf seinem Gold sitzt - und wer rechtzeitig ausgestiegen ist.
Der US-Star-Investor George Soros hat im ersten Vierteljahr fast seine gesamten Gold-Bestände im Wert von knapp 800 Mio. Dollar verkauft. Wie aus Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, bewies der legendäre Großanleger damit ein glückliches Händchen: Soros stieg gerade noch rechtzeitig vor dem jüngsten Preissturz bei den Metallen aus.
An den Rohstoffmärkten waren die Notierungen Anfang Mai deutlich gefallen. Schärfer als beim Gold fiel die Korrektur bei Silber aus.
Anlegern, die Gespür für das richtige Timing hatten, konnten unter anderem mit Gold erhebliche Wertzuwächse mitnehmen. Die Feinunze Gold hatte sich in den vergangenen zwei Jahren von einem Mehrjahrstief bei 712 Dollar auf bis zu 1547 Dollar verteuert.
Die "ultimative Blase"
Weniger glücklich mit seinen Anlageentscheidung dürfte dagegen der Hedgefonds-Star John Paulson sein. Im Gegensatz zu Soros hielt der bekannte Gold-Optimist an seinen Edelmetall-Positionen fest.
Einige andere bekannte Groß-Investoren - etwa Eric Mindich und Paul Touradji - zogen sich dagegen ebenso wie Soros zurück. Soros hatte die Preisentwicklung beim Gold zuvor als die "ultimative Blase" bezeichnet. Die obligatorischen Meldungen an die SEC bieten der Öffentlichkeit den besten Einblick in die Spekulationen von Hedge Fonds.
Bewegen "Gurus" den Markt?
Gleichzeitig offenbaren die Daten ein Problem, das jedem Anleger ab einem gewissen Volumen oder einer bestimmten Popularität angelastet werden kann. Milliardenschwere Anlageentscheidungen beeinflussen immer auch den Markt. Unter Umständen könnte ein skupelloser Investor in die Versuchung geraten, die Kurse durch demonstrative Entscheidungen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Als Soros sein Gold vor dem jüngsten Preisrutsch am Rohstoff-Markt abstieß, blieb das in der Fachöffentlichkeit nicht unbemerkt. Im Nachhinein bezeichneten Beobachter die Berichte über seine Verkäufe als einen von mehreren Auslösern für den Kollaps der Kurse.