Wirtschaft
Die indische Börse schaut derzeit auf den globalen Top-Performer.
Die indische Börse schaut derzeit auf den globalen Top-Performer.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hohe Kurse, hohe Bewertungen: Stark, stärker, Indien

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Der indische Aktienmarkt markiert täglich neue Rekordhochs. Die geplanten Reformen und ein niedriger Ölpreis beflügeln die Euphorie. Die Bewertung hat allerdings ein hohes Niveau erreicht.

Spitzenreiter Indien: Mit einem Kursplus von 35 Prozent gegenüber Ende 2013 ist der BSE Sensex Index der Top-Performer unter den 10 größten Indizes der Welt. Rückenwind bekommt der Markt derzeit vor allem von der Talfahrt des Ölpreises. Das entlastet Indien erheblich, importiert das Land doch rund 80 Prozent des Öls, das Indien verbraucht. Investoren spekulieren, dass wegen der sinkenden Ölpreise, die Inflation, die zuletzt mit 5,52 Prozent auf das niedrigste Niveau seit Januar 2012 gefallen war, weiter zurückgehen wird.

Kommt die Zinssenkung?

Das gäbe der indischen Notenbank die Möglichkeit, die Zinsen zu senken. Zur Bekämpfung der Inflation, die im November 2013 noch bei 11,16 Prozent gelegen hatte, hatte die Notenbank zwischen September 2013 und Januar 2014 die Zinsen auf 8 Prozent angehoben. Viele Volkswirte erwarten aber, dass die Notenbank bei der nächsten Sitzung morgen noch nichts unternehmen wird. Im ersten Quartal 2015 soll die Notenbank dann allerdings zur Tat schreiten. Wegen dieser Aussicht greifen vor allem ausländische Investoren bei indischen Aktien kräftig zu. Seit Jahresanfang haben Ausländer 15,5 Milliarden Dollar in indische Aktien gesteckt. Das ist der höchste Wert unter acht asiatischen Märkten.

Sinkende Kosten für den Ölimport würden zudem dazu führen, dass das hohe Leistungsbilanzdefizit, das in den vergangenen Jahren für starken Druck auf die indische Rupie gesorgt hatte, spürbar zurückgehen wird. Laut Schätzungen wird das Defizit im Fiskaljahr 2014/15, das im März endet, auf 1,7 bis 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Die Rupie könnte Rückenwind gut gebrauchen, schwächelt sie doch seit Mitte Juni deutlich. Denn während Experten erwarten, dass die US-Notenbank Mitte 2015 die Zinsen anheben wird, soll die indische Notenbank die Bremse lockern. Aktuell notiert die indische Währung bei 61,8 Rupien je Dollar. Davon profitieren Unternehmen wie die Softwarefirma Infosys enorm. Sie erzielen 60 Prozent ihrer Umsätze in Nordamerika.

Alle Hoffnungen ruhen auf Narendra Modi

Neben dem sinkenden Ölpreis treibt vor allem die Erwartung den Aktienmarkt nach oben, der neue Ministerpräsident Narendra Modi werde weiter zügig Reformen umsetzen. Sie dürften das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Im abgelaufenen Quartal hatte es zwar mit 5,3 Prozent ein wenig an Schwung verloren. Dennoch war es stärker als Volkswirte erwartet hatten. Wegen der sich aufhellenden Konjunkturperspektiven waren zuletzt zunehmend konjunktursensitive Titel gefragt. Modi will außerdem dafür sorgen, dass Hunderte von Millionen Inder in den Genuss eines Girokontos kommen. Bankaktien, wie die der ICICI Bank, stehen am Allzeithoch. Zudem soll der Industriesektor stark ausgebaut werden, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. "Die Regierung kündigte eine Reihe von Reformen für den Energiesektor an. Vor allem sollen Subventionen für Diesel, Erdgas und Flüssiggas zurückgefahren werden", schrieben die Analysten der HSBC zuletzt. Das kommt staatlichen Raffinerien, wie der der Indian Oil. Corp. zugute, weshalb die Aktie kräftig gestiegen ist.

Indische Aktien sind teuer

Nach der Rally ist der Sensex inzwischen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,8 bewertet. "Die Marktbewertungen überschreiten langsam historische Durchschnittswerte. Allerdings ist der treibende Faktor eine reformwillige Regierung, welche die Unternehmensgewinne ankurbeln und zu einer Neubewertung führen könnte", schrieben die Analysten von HSBC zuletzt. Das KGV für Aktien aus den Emerging Markets liegt derzeit hingegen bei lediglich 10,9. Trotz der hohen Bewertung dürften Investoren bei indischen Aktien weiter zugreifen – erst recht, wenn die Talfahrt beim Ölpreis weitergehen sollte.

Quelle: n-tv.de

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