Dienstag, 24. August 2010
Wann greift die Notenbank ein?: Starker Yen schlaucht Japan
Als ob Japan nicht schon genug ökonomische und fiskalische Probleme hätte. Der Höhenflug des Yen setzt der Wirtschaft und vor allem dem Export des Landes der aufgehenden Sonne zu. Die Politik ist alarmiert.Der anhaltende Höhenflug des Yen setzt die japanische Regierung zunehmend unter Druck. Finanzminister Yoshihiko Noda warnte, die Stärke der Landeswährung bedrohe die ohnehin angeschlagene Wirtschaft. Über ein mögliches Eingreifen der Tokioter Regierung am Devisenmarkt schwieg er sich aus.
Die Märkte ließen diese verdeckten Warnungen kalt: Der US-Dollar fiel zum Yen auf ein 15-Jahrestief, der Euro auf ein Neun-Jahres-Tief. Angesichts dieser Entwicklung schließen Experten nicht aus, dass die Bank of Japan (BoJ) noch vor der nächsten Zinssitzung am 6. und 7. September eingreift.
Er verfolge die Währungsentwicklungen "sehr sorgfältig und mit großem Interesse", sagte Noda weiter. Ministerpräsident Naoto Kan äußerte sich ähnlich. Experten hatten zuletzt darüber spekuliert, dass die Notenbank die Geldpolitik weiter lockert und so den Yen-Kurs drückt.
"Leere Worthülsen"
Daneben besteht auch die Möglichkeit, am Devisenmarkt mit Yen-Verkäufen den Kurs nach unten zu treiben. Händlern zufolge profitierte der Yen davon, dass Noda keinen Hinweis darauf gab, wie er den Anstieg der Landeswährung konkret stoppen könnte.
"Das sind doch leere Worthülsen", sagte Ökonom Paul Robson von RBS. Die Marktteilnehmer würden nun noch weiter testen, wie weit der Kurs steigen könne, bevor der Regierung der Geduldsfaden reißt. Händler sprachen von Umschichtungen japanischer Anleger, die offenbar im großen Stil die eigene Landeswährung kauften. "Vielleicht wollen sie die Zentralbank ja zum Einstieg reizen", sagte ein Händler in Frankfurt.
Gift für Exportwirtschaft
Die Yen-Stärke belastet die japanische Exportwirtschaft und beeinträchtigt die Wachstumsaussichten des Landes. Japans Regierung versucht seit längerem, mit verbalen Interventionen den Yen-Höhenflug zu drücken. Dennoch hat der Kurs der Landeswährung in diesem Jahr zum Dollar bereits um fast zehn Prozent zugelegt. Experten halten es für eher unwahrscheinlich, dass die Gruppe der G7-Staaten in einer koordinierten Aktion gegen die Yen-Stärke vorgehen wird.
rts
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