Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Gläubigerversammlung steht an: Teldafax-Kunden hoffen

Das Teldafax-Insolvenzverfahren ist eines der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Für die Gläubigerversammlung sind mehr als 700.000 Menschen teilnahmeberechtigt. Der Billigstrom-Anbieter steht unter Verdacht der Insolvenzverschleppung und des gewerbsmäßigen Betrugs.

Knapp fünf Monate nach der Teldafax-Pleite hoffen die mehr als 700.000 Gläubiger des Energie-Billiganbieters auf Klarheit: Bei der Gläubigerversammlung in Köln werden erste Aussagen des Insolvenzverwalters über den Grund des Teldafax-Zusammenbruchs erwartet - und vielleicht auch über die Chancen geprellter Verbraucher, zumindest einen Teil ihres Geldes wiederzubekommen. Treffpunkt der Gläubiger in einem der größten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist das Staatenhaus am Kölner Rheinpark. Es bietet Platz für mehrere tausend Menschen - wie viele Teldafax-Geschädigte aber tatsächlich kommen werden, ist völlig offen.

"Wir können nicht sagen, wie viele der mehr als 700.000 Teilnahmeberechtigten tatsächlich vor Ort sein werden", heißt es beim zuständigen Bonner Amtsgericht, bei dem Teldafax Mitte Juni Insolvenzantrag gestellt hatte. Das Troisdorfer Unternehmen hatte sich einst einen Namen als Billiganbieter von Strom und Gas gemacht. Sein Geschäftsmodell sah vor, dass Kunden dank spezieller Angebote günstig Energie beziehen, dafür aber Vorauszahlungen leisten. Mit dem Geld der Vorauszahlungen sollten dann ausstehende Kosten bezahlt werden können.

14. Juli Insolvenzantrag

Doch schon in den Monaten vor dem Insolvenzantrag war Teldafax mehrmals aufgefallen, weil es seine Rechnungen nicht mehr bezahlt haben soll. Netzbetreiber hatten den Billigenergie-Anbieter deshalb aus ihrem Stromnetz geworfen. Das klamme Unternehmen hatte dazu zunächst angegeben, in unprofitablen Gebieten absichtlich keine Vorauszahlungen mehr geleistet zu haben, um sich aus diesen  Regionen zurückuziehen.

Anfang Juni löste Teldafax dann vorzeitig seinen Sponsorenvertrag mit dem Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen auf. Am 14. Juni folgte der Insolvenzantrag - und drei Tage darauf kündigte das Unternehmen an, seine Kunden vorerst nicht mehr mit Strom und Gas zu beliefern.

Verdacht der Insolvenzverschleppung

Wiederum nur wenige Tage später erhielten Teldafax-Verantwortliche Besuch von Staatsanwälten und Kripobeamten: Wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des gewerbsmäßigen Betrugs durchsuchten die Ermittler am 27. Juni Teldafax-Büros und Privaträume der Beschuldigten. Teldafax habe womöglich seine Kunden schon nicht mehr profitabel beliefern können, nachdem es 2008 Strompreis-Erhöhungen gegeben habe, teilten die Strafverfolger mit. Seither habe das Unternehmen hohe Verluste erwirtschaftet, "die in den Folgejahren nicht bilanziell ausgeglichen werden konnten".

Somit hätte Teldafax "wegen bilanzieller Überschuldung und fehlender positiver Fortführungsprognose" schon lange vor dem 14. Juni Insolvenzantrag stellen müssen, mutmaßt die Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus hegen die Ermittler den  Verdacht, dassdas Unternehmen trotz seiner desolaten wirtschaftlichen Lage weiter eine Vielzahl von Verträgen abschloss - nur um die dadurch fälligen Vorauszahlungen zu bekommen. Die entsprechenden Ermittlungen gegen insgesamt neun Teldafax-Verantwortliche dauern weiter an. Wann sie abgeschlossen sein werden, ist nach Angaben des Bonner Oberstaatsanwalts Friedrich Apostel derzeit nicht abzuschätzen.

Während Teldafax womöglich die eigene Schieflage zu verschleiern versuchte, sollen auch deutsche Behörden sehr frühzeitig von der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens gewusst haben. So soll Medienberichten zufolge aus einem Prüfbericht des Hauptzollamts Düsseldorf vom Herbst 2009 hervorgehen, dass Teldafax bereits damals pleite war. Dennoch hätten die Behörden auch später nicht ermittelt, sondern stattdessen von Teldafax weiter die Stromsteuer kassiert, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Insolvenzverwalter Biner Bähr könne nun womöglich vom Bund bis zu 100 Mio. Euro Stromsteuer zurückfordern. Sollte Bähr damit erfolgreich sein, könne Teldafax-Gläubigern vielleicht wenigstens ein Teil ihrer Forderungen erstattet werden.

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Quelle: n-tv.de

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