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Viele Baustellen für Heinrich Hiesinger.
Viele Baustellen für Heinrich Hiesinger.(Foto: dpa)

Neue Stahlwerke belasten auf Jahre : ThyssenKrupp trägt schwer

Die Kostenexplosion der Stahlwerke in Brasilien und den USA beschäftigt ThyssenKrupp weiter. Konzernchef Hiesinger erwartet für die kommenden Jahre negative Ergebnisse. Sein Amtsvorgänger Schulz weist erneut Vorwürfe zurück, er habe den Aufsichtsrat im Zusammenhang mit dem Brasilien-Werk getäuscht.

Der Mischkonzern ThyssenKrupp wird bei seinen von Pleiten, Pech und Pannen geplagten neuen Stahlwerken in Übersee noch einige Zeit keine Gewinne erzielen. "Die Ergebnis- und Finanzsituation der Amerikaprojekte lässt sich auch nicht kurzfristig ins Positive drehen, sondern wird noch einige Zeit benötigen", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf der Hauptversammlung in Bochum.

Ekkehard Schulz hat nach eigenen Angaben den Aufsichtsrat über die Kosten informiert.
Ekkehard Schulz hat nach eigenen Angaben den Aufsichtsrat über die Kosten informiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine wesentliche Verbesserung der Situation bei der Sparte Steel Americas erwarte er zwar im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres. Das Ergebnis werde aber im Geschäftsjahr deutlich negativ sei. Das neue Stahlwerk in Brasilien werde erst in den Folgejahren mit optimaler Kostenstruktur laufen.  

Die Kosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA waren in den vergangenen Jahren auf rund zehn Milliarden Euro explodiert. Hiesinger musste im vergangenen Geschäftsjahr vor allem wegen der Probleme bei diesen Werken 2,9 Milliarden abschreiben. Dadurch schrieb ThyssenKrupp 2010/11 einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro. Aktionärsvertreter fordern vom Vorstand und Aufsichtsrat auf der Versammlung Aufklärung darüber, wie die Kosten so aus dem Ruder laufen konnten. Einige haben den Rücktritt von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gefordert.

"Zu lange falschen Leuten vertraut"

Der ehemalige Vorstandschef Ekkehard Schulz wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe den Aufsichtsrat im Zusammenhang getäuscht. Pünktlich zur Hauptversammlung des Konzerns sprach Schulz im "Handelsblatt" von einer "infamen Unterstellung", was die Behauptung angehe, er habe jahrelang die wahren Kosten des Werks verschwiegen. "Das ist völliger Unsinn", so Schulz. Hiesinger stärkte Schulz den Rücken. "Sie haben mich und unser gesamtes Vorstandsteam stets umfassend über Stärken und Schwächen im Unternehmen informiert und in unserer Phase der Neuausrichtung unterstützt", sagte er zum im Saal anwesenden Schulz.      

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Der Dax-Konzern hatte am Ende des Geschäftsjahres 2010/2011 rund 2,9 Milliarden Euro abschreiben müssen - vor allem wegen Problemen mit den neuen Werken in den USA und Brasilien. Die Ausgaben für das Werk in Brasilien waren auf über fünf Milliarden Euro explodiert. Schulz, der das Projekt als Vorstandschef auf den Weg gebracht hatte, war 2011 in den Aufsichtsrat gewechselt - wegen der immer lauter gewordenen Kritik an den Milliarden-Verlusten in Übersee hatte er sich im Dezember dann aber aus dem Kontrollgremium zurückgezogen.     

Schulz relativierte in der Zeitung die Kostenexplosion. Die Zahl 1,3 Milliarden Euro sei lediglich einmal als mögliche Größenordnung einer Investition genannt worden. Aber schon die Kosten der ursprünglichen Planung hätten mit Hafen, Kokerei und Kraftwerk bei 3,5 Milliarden Euro gelegen. Wer die Zahl 1,3 Milliarden als ursprünglichen Kostenrahmen nenne, "vergleicht Äpfel mit Birnen". Der Aufsichtsrat sei zudem regelmäßig über die Kosten informiert worden.      

Brasilien-Projekt vor dem Aus?

Sein Verhältnis zu Cromme sei "wie schon in früheren Jahren unverändert professionell". Schulz räumte jedoch auch persönliche Fehler ein. "Ich habe zu lange den falschen Leuten vertraut. Leuten, die mir die Lage geschönt dargestellt haben. Als mir dann andere die Situation ungeschminkt beschrieben, war es fast schon zu spät."         

Das Brasilien-Projekt selbst scheint Medienberichten zufolge mittlerweile vor dem Aus zu stehen. "Mittelfristig wird ein Teil- oder Komplettverkauf nicht mehr ausgeschlossen", zitierte das "Handelsblatt" Verantwortliche. Bereits am Vortag hatte das "Manager Magazin" berichtet, ThyssenKrupp erwäge einen Verkauf der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Hiesinger prüfe vor allem die Trennung von dem brasilianischen Werk. Ein Rückzug könne noch in diesem Jahr erfolgen. Als möglichen Käufer nannte das Blatt den brasilianischen Vale-Konzern.

Quelle: n-tv.de

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