Wirtschaft

Export-Industrie leidet: Tokio drückt den Yen

Nach der Schweiz reagiert auch Japan auf den Höhenflug der heimischen Währung und greift am Devisenmarkt ein. Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA setzen viele Investoren auf den Yen - und schwächen damit die Wettbewerbsfähigkeit von Japans Exportwirtschaft.

Devisenhändler in Tokio.
Devisenhändler in Tokio.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Japan hat am Devisenmarkt interveniert, um den jüngsten Höhenflug des Yen zu bremsen. Tokio habe dabei alleine gehandelt, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda ohne Einzelheiten zu nennen. Ziel sei es, spekulative und ungeordnete Wechselkursbewegungen einzudämmen. Händler berichteten, das japanische Finanzministerium habe über verschiedene Banken insgesamt 500 Mrd. Yen an den Märkten verkauft

Er habe zudem der Notenbank vorgeschlagen, die Aktion zu unterstützen, betonte Noda. Die Bank von Japan verkürzte ihre gewöhnlich zweitägigen Beratungen und kündigte an, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Die Bank wird deshalb das Programm zum Rückkauf von 10 auf 15 Billionen Yen erhöhen. Das Programm war 2010 aufgelegt worden, um einer Deflation entgegenzuwirken und wurde zuletzt im März 2011 wegen der Naturkatastrophen ausgeweitet.

Yen fällt etwas

Der Yen gab nach der Intervention leicht nach. Der Dollar legte im Handel in Fernost auf 78,80 Yen zu von 77,03 Yen im späten US-Handel. Der Euro stieg auf 112,83 Yen von 110,27 in New York. "Wir können den Willen der Japaner erkennen, den Dollar über 78 Yen zu halten", sagte ein ausländischer Händler

Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten hatte es in den vergangenen Tagen eine Bewegung aus dem Euro und dem Dollar in japanische Yen und Schweizer Franken gegeben. Die Wettbewerbsfähigkeit von Japan und der Schweiz wird damit aber massiv geschwächt. Die Schweiz hatte infolge dessen bereits am Mittwoch mit Franken-Verkäufen reagiert.

Die Intervention Tokios war die dritte seit September 2010. Zuletzt hatte die japanische Notenbank im März nach dem Erdbeben und dem Tsunami gemeinsam mit anderen Notenbanken am Devisenmarkt eingegriffen.

Weitere Eingriffe möglich

Zuletzt fiel der Dollar wegen der Probleme der US-Wirtschaft unter die Marke von 77 Yen und sank damit auf das Niveau vom März, als der Dollar im Vergleich zum Yen auf ein Rekordtief gefallen war. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Der starke Yen ist ein großes Problem für die stark von Exporten abhängige japanische Wirtschaft. So sieht Toyota einen Dollar unter der Marke von 80 Yen als Wachstumsbremse an. Die japanische Notenbank geht bei ihren aktuellen Wachstumsprognosen von einem Kurs von rund 82,60 Yen pro Dollar aus.

Viele Experten sehen die Yen-Stärke vor allem in der Dollar-Schwäche angesichts der andauernden US-Schuldenkrise begründet. Regierungssprecher Yukio Edano schloss jedoch weitere Interventionen nicht aus. Die Regierung werde den Devisenmarkt genau beobachten und wenn nötig handeln.

Quelle: n-tv.de

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