Wirtschaft

Von wegen Inflationsangst: Trichet gibt den Ruhepol

Die Aussage von EZB-Präsident Trichet, dass die Notenbanker jederzeit handlungsbereit sei, um gegen die Inflation vorzugehen, sorgt im Januar an den Finanzmärkten für Wirbel. Nun tritt Trichet auf die Bremse und rudert etwas zurück: Kurzfristigen Inflationsdruck gebe es, mittelfristig sei aber alles in Ordnung.

Grund für übereilte Gegenmaßnahmen bestehe derzeit nicht, sagt Notenbankchef Jean-Claude Trichet.
Grund für übereilte Gegenmaßnahmen bestehe derzeit nicht, sagt Notenbankchef Jean-Claude Trichet.(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt wegen der anziehenden Teuerung auf der Hut. Grund für übereilte Gegenmaßnahmen bestehe allerdings derzeit nicht, sagte Notenbankchef Jean-Claude Trichet nach der monatlichen Zinssitzung des EZB-Rats. "Wir sehen weiter Beweise für kurzfristigen Inflationsdruck, hauptsächlich verursacht vom Anstieg von Energie- und Lebensmittelpreisen. Das hat unsere generelle Bewertung, dass die Entwicklung der Preise auf mittlere Sicht mit dem Ziel Preisstabilität vereinbar ist, aber nicht geändert", so der EZB-Präsident.

Anhaltende Wachsamkeit sei allerdings das Gebot der Stunde, betonte Trichet. Das derzeitige Zinsniveau von einem Prozent bleibe bis auf weiteres "angemessen", obwohl die Notenbanker erwarten, "dass die Inflationsrate 2011 über weite Strecken über zwei Prozent liegen wird" und damit über dem Zielwert von knapp unter zwei Prozent.

Trichet auf der Bremse  

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Trichet hatte im Januar Finanzmärkte und Öffentlichkeit mit überraschend scharfen Warnungen vor einer Rückkehr der Inflation aufgeschreckt und heftige Spekulationen ausgelöst, die EZB könnte den Leitzins früher erhöhen als erwartet. Nun trat Trichet verbal etwas auf die Bremse, was für eine deutliche Abwertung des Euro sorgte, der während der Pressekonferenz Trichets klar unter 1,37 Dollar fiel.

Im Gegensatz zu seinen Aussagen nach dem letzten Treffen des EZB-Rats Mitte Januar verzichtete Trichet beispielsweise darauf, mehrfach darauf hinzuweisen, dass die EZB jederzeit handlungsbereit sei um gegen die Inflation vorzugehen. Im Januar war die Teuerung in der Euro-Zone auf 2,4 (Dezember 2,2) Prozent geklettert.

Entscheidungszentrale im Euroraum: Die EZB sitzt in Frankfurt am Main.
Entscheidungszentrale im Euroraum: Die EZB sitzt in Frankfurt am Main.(Foto: picture alliance / dpa)

ING-Volkswirt Carsten Brzeski sah in Trichets Äußerungen vor allem große Zurückhaltung. "Er hat sich gehütet, zusätzlich hawkishe Töne anzuschlagen. Er ist nicht zurückgerudert, aber er hat den Ton auch nicht verschärft", fasste Brzeski seinen Eindruck zusammen. Offenbar habe die EZB die Erwartungen der Märkte nicht ändern wollen, sondern sei mit den Auswirkungen der Äußerungen von Mitte Januar zufrieden.

Krisenmanagement wird überdacht

Trichet betonte, dass auch mehr als dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 eine Reihe von Finanzmärkten "nicht normal" funktionierten. Allerdings habe sich zuletzt gezeigt, dass der für die Politik der Notenbank besonders wichtige Geldmarkt besser funktioniere. Der EZB-Rat werde vor diesem Hintergrund wie geplant im März entscheiden, ob und - gegebenenfalls - wie die Rundumversorgung für das Bankensystem aufrechterhalten werden soll, sagte Trichet.

Die EZB gibt den Geldhäusern derzeit wegen der andauernden Schuldenkrise in einigen Ländern der Euro-Zone bei ihren wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften noch so viel Liquidität, wie sie bei ihr abrufen. Bislang verhindert die Schuldenkrise den von der Notenbank längst geplanten Ausstieg aus den Unterstützungsmaßnahmen. Diesen machte Trichet daher erneut von der künftigen Entwicklung abhängig: "Wir werden je nach Lage über die Stützungsmaßnahmen entscheiden", sagte er.

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Quelle: n-tv.de

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