Samstag, 17. Juli 2010
Milliardenforderung wegen Porsche: VW soll Schadenersatz zahlen
Wegen der gescheiterten Übernahme durch Porsche sieht sich nun auch Volkswagen einer Schadensersatzforderung in Milliardenhöhe ausgesetzt. Die Münchner Kanzlei CLLB hat nach den Ansprüchen gegen Porsche nun VW ins Visier genommen.
Nach Porsche soll sich nun auch VW finanziell der Verwortung stellen.
(Foto: picture alliance / dpa)
Nach Porsche drohen nun auch Volkswagen Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe wegen des gescheiterten Übernahmeversuchs von VW durch Porsche. "Wir werden Schadensersatzansprüche über 2,4 Mrd. Euro gegenüber dem VW-Konzern anmelden", sagte der Rechtsanwalt Franz Braun dem Magazin "Der Spiegel". Seine Kanzlei CLLB, die nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Fonds vertritt, hat bereits Schadensersatzansprüche in derselben Höhe gegen die Porsche Automobil Holding angekündigt. Jetzt wolle sie den Fall auf den VW-Konzern ausweiten.
Braun sagte, nicht nur Porsche habe Anleger getäuscht, als das Unternehmen während der VW-Übernahme bis zum 26. Oktober 2008 bestritt, eine 75-Prozent-Mehrheit anzustreben. Auch dem VW-Konzern sei dies vorzuhalten. Sowohl der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als auch Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piech seien zu diesem Zeitpunkt Mitglieder des VW-Aufsichtsrats gewesen, ihr Wissen sei also VW zuzurechnen. Nach Paragraf 15 des Wertpapierhandelsgesetzes ist ein Unternehmen verpflichtet, Insider-Informationen, die es unmittelbar betreffen, "unverzüglich zu veröffentlichen". Laut dem Anwalt hätte VW deshalb bekanntgeben müssen, dass Porsche eine 75-Prozent-Mehrheit habe erwerben wollen. Ob sich daraus Schadensersatzansprüche ableiten lassen, ist offen.
Bei VW war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Im Mai hatte VW eine Stellungnahme zu ähnlichen Vorwürfen des Rechtsanwalts gegen Piech abgelehnt. Porsche hat die Vorwürfe stets bestritten. Investoren vor allem in den USA haben Porsche bereits wegen angeblicher Falschinformationen und Marktpreismanipulationen im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW in den USA auf Schadenersatz verklagt. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob bei dem Übernahmeversuch Anleger getäuscht wurden. Porsche war mit seinem Vorhaben, den weit größeren VW-Konzern zu kaufen, letztlich gescheitert. Der Sportwagenhersteller gehört nun zu VW. Derzeit ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart in dem Fall. Sie will unter anderem feststellen, ob Porsche den Plan zur Mehrheitsübernahme bereits vor dem 26. Oktober 2008 verfolgte.
rts/dpa
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