Glaube, Liebe, HoffnungVatikan gründet Zentralbank
Kurz vor Jahresende will Papst Benedikt XVI. die Finanzen des Heiligen Stuhls neu ordnen: Um die Kapitalgeschäfte des Kirchenstaats künftig besser kontrollieren zu können, gründet der Vatikan eine eigene Zentralbank. Dem Heiligen Vater geht es dabei auch um die Anpassung der vatikanischen Bankgeschäfte an internationale Normen.
Der Vatikan gründet eine eigene Zentralbank, um Transparenz und Kontrolle in die Finanzgeschäfte des Heiligen Stuhls zu bringen. Ein Ziel sei es dabei, die Operationen der immer wieder in die Schlagzeilen geratenen Vatikanbank IOR und anderer päpstlicher Finanzeinrichtungen zu überwachen, berichtete die Turiner Tageszeitung "La Stampa". Außerdem gehe es dem Vatikan um die Anpassung seiner Bankgeschäfte an die internationalen Normen. Papst Benedikt XVI. wolle das vatikanische Zentralinstitut an diesem Donnerstag mit einer Bekanntmachung vorstellen.
Der Vatikan hatte angekündigt, alle internen Prozeduren bei den Geldgeschäften des erneut in die Kritik geratenen IOR (Institut für die religiösen Werke) umstellen zu wollen. Es gehe darum, die Normen an die internationalen Transparenz-Standards anzugleichen und die Vatikanbank auf die "weiße Liste" der OECD zu bekommen, hatte Vatikansprecher Federico Lombardi im September erklärt. Das gelte gerade auch mit Blick auf die neuen EU-Vorgaben gegen Terrorismus und Geldwäsche.
Wegen des Verdachts der Geldwäsche sind gegenwärtig 23 Mio. Euro auf einem Konto der Vatikanbank eingefroren. Dem IOR-Chef Ettore Gotti Tedeschi und seinem Generaldirektor
Paolo Cipriani wird vorgeworfen, gegen die in Italien gültigen Anti-Geldwäsche-Vorschriften
verstoßen zu haben. Gegen beide wird seit drei Monaten ermittelt. Gotti Tedeschi
war erst im Herbst 2009 berufen worden, um bei der Bank, die wiederholt in Skandale
verwickelt war, Klarheit und Transparenz zu schaffen.
Geldwäsche im Vatikanstaat?
Der Vatikan hat jede Verwicklung der derzeitigen Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten und darauf verwiesen, dass das IOR der vatikanischen Justiz unterstehe.
Kurz vor Weihnachten hatte eine italienische Ermittlungsrichterin einen Antrag der Vatikanbank auf Freigabe der Summe
zurückgewiesen. Die Beschlagnahme sei rechtens, weil
sich bisher keine wesentlichen neuen Elemente ergeben hätten. Weiterhin sei es für
die italienischen Behörden unmöglich festzustellen und zu überprüfen, welche IOR-Kunden
Empfänger von Überweisungen und Schecks seien. Deren Identifizierung geschehe allein
durch die Bank selbst.
Ausgangspunkt der Ermittlungen soll eine der
Aufsichtsbehörde der italienischen Zentralbank aufgefallene IOR-Überweisung von
20 Mio. Euro auf ein Konto bei JP Morgan in Frankfurt am Main gewesen sein.
Papst-Euro für alle
Das Geldinstitut des Papstes war wiederholt wegen dubioser
Geschäfte in die Schlagzeilen geraten. 2009 etwa hatten Medien über ähnliche
Ermittlungen wegen undurchsichtiger Konto-Verbindungen der IOR zu der Mailänder Großbank
Unicredit berichtet.
Mit der "historischen Wende", ein übergeordnetes Organ zur Kontrolle und Transparenz der Finanzgeschäfte zu schaffen, kommt nach dem Bericht eine weitere, vom Vatikan mit der EU vereinbarte Neuerung: Der Vatikan will eine gewisse Menge an Euro-Münzen mit dem Bild des Papstes darauf nicht mehr nur Sammlern vorbehalten, sondern auch in Umlauf bringen.