Wirtschaft

"Extrem erfreuliche Zahl"Volkswirte feiern Konsum

28.09.2010, 08:51 Uhr

Der rüstige Aufstieg der deutschen Wirtschaft aus dem tiefen Tal der Konjunkturflaute sorgt im Ausland für neidische Blicke. Für den Oktober rechnen die Konsumforscher nun mit neuen Impulsen durch die Kauflaune der Verbraucher. Am Markt kommt das gut an.

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Steilvorlage für die Gewerkschaften: Immer mehr Volkswirte rechnen mit realen Lohnzuwächsen - an der Börse stimmt das nachdenklich. (Foto: REUTERS)

Die unerwartet kräftige Aufhellung des Konsumklimas in Deutschland stößt unter Volkswirten und anderen professionellen Marktbeobachtern auf freudige Überraschung. Für Oktober sagen die Forscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen kräftigen Anstieg des Konsumklima-Index auf 4,9 Punkte voraus. Das ist der höchste Wert seit Mai 2008. Im Vorfeld befragte Analysten hatten mit 4,2 Zählern gerechnet. Zugleich revidierten die Konsumforscher den Stand für September auf 4,3 Zähler im September.

"Das ist eine positive Überraschung", kommentierte Philipp Jäger von der DZ Bank die Entwicklung in einer ersten Reaktion. "Es sieht so aus, als ob der eine oder andere Analyst seine Schätzungen für den privaten Konsum in Deutschland heraufschrauben sollte." Die positive Entwicklung beim GfK-Index halte bereits seit längerer Zeit an.

Die Gründe dafür sieht Jäger wie auch die GfK-Experten in der "günstigen Situation am Arbeitsmarkt, in der "niedrigen Inflation" und der "robusten Konjunktur". Allerdings, so schränkte der DZ-Bank-Analyst ein, "dürfte bei den Verbrauchern noch nicht angekommen sein, dass wir hier 2011 eine leichte Abschwächung sehen werden."

Wieder in die Hände gespuckt

Angenehm überrascht reagierte auch Klaus Schrüfer von der SEB. "Das ist eine extrem erfreuliche Zahl", betonte der Konjunkturexperte. "Die privaten Haushalte werden zuversichtlicher. Dazu tragen vor allem die fallende Arbeitslosigkeit und die steigende Beschäftigung bei." Auch die Preise dürften in den kommenden Monaten "recht stabil" bleiben. Trotz moderater Lohnsteigerungen sollte das, so Schrüfer, für reale Lohnzuwächse reichen.

"Die Konjunkturerholung wird breiter", meinte der SEB-Analyst. "Nachlassende Impulse vom Export werden zu großen Teilen ausgeglichen durch höhere Investitionen der Unternehmen und einen zunehmenden Konsum."

Die konjunkturellen Zusämmenhänge hielt auch Ulrike Kastens von der Privatbank Sal. Oppenheim im Blick. "Die Zahlen sind durchweg positiv", sagte sie in ihrer ersten Reaktion. "Die bessere Lage am Arbeitsmarkt und die Konjunkturerholung spielen dabei eine wichtige Rolle: Die Unternehmen haben steigende Auftragseingänge und höhere Auftragsbestände. Die Verbraucher schauen entspannter in die nähere Zukunft."

Vor diesem Hintergrund geht man nun auch bei Sal. Oppenheim davon aus, dass die Einkommen leicht steigen werden. "Die Sparquote ist hoch, es ist einiges an Konsum aufgestaut", betonte Kastens. "In den kommenden Quartalen ist mit leichten Zuwachsraten zu rechnen, wir sagen einen viertel Prozentpunkt voraus."

Dies sei allerdings "kein Konsumboom". Kastens sprach aber immerhin von einer gewissen Stabilisierung. "Weil der Jahresauftakt so schlecht war", so die Analysten weiter, "wird der private Verbrauch in diesem Jahr noch leicht negativ sein. Für kommendes Jahr ist aber ein Plus zu erwarten."

Quelle: rts