Inflationsgefahren lauernWeber will weg vom billigen Geld
Axel Weber ist - was die Geldpolitik angeht - ein vorsichtiger Mann. Der Bundesbankchef plädiert für eine möglichst zügige Zinsanhebung der EZB, um das Inflationsgespenst auf Distanz zu halten. Laut EZB-Bankerin Tumpel-Gugerell sind bei einem Rückzug der Notenbank aus der Politik des billigen Geldes keine Verwerfungen an den Finanzmärkten zu befürchten.
Bundesbank-Präsident Axel Weber macht sich für möglichst schnelle Zinserhöhungen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise stark. "Die Zinsen dürfen nicht zu lange zu niedrig bleiben", sagte er. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt seit Mai 2009 bei 1,0 Prozent und damit so niedrig wie nie zuvor.
Die EZB hatte den Schlüsselzins für die Geldversorgung der Banken in der Krise auf dieses Niveau gesenkt, um die Wirtschaft ausreichend mit Geld zu versorgen. Sie hatte zudem die Liquiditätsversorgung des Finanzsystems massiv ausgeweitet. Weber will damit so schnell wie möglich Schluss machen. Im ersten Quartal kommenden Jahres werde der im Frühjahr wegen der Eurokrise unterbrochene Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik wieder Thema im EZB-Rat werden, sagte Weber.
Die EZB hat den Banken versprochen, ihnen bis Januar so viel Geld zur Verfügung zu stellen wie sie benötigen. Weber vertritt einen eher restriktiven geldpolitischen Kurs, weil er die von einer laxen Geldpolitik ausgehenden Inflationsgefahren fürchtet.
Warten auf den Dezember
Der baldige Rückzug der EZB aus der Politik des billigen Geldes wird nach Einschätzung von Gertrude Tumpel-Gugerell nicht zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. "Es gibt keinen Grund zur Sorge", sagte das EZB-Direktoriumsmitglied gegenüber Reuters Insider TV. Es gebe in der EZB-Spitze eine umfassende Diskussion darüber, wie es weitergehe und wie die Unterstützungsmaßnahmen zurückgefahren werden sollten.
Es wird allgemein erwartet, dass sich die EZB im Dezember dazu äußert, in welchem Tempo sie die Rundumversorgung des Bankensystems mit Liquidität im nächsten Jahr auslaufen lässt.
Während die EZB abwägt, wann und wie sie ihre lockere Geldpolitik wieder zurückfährt, haben Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve signalisiert, dass sie weitere Finanzspritzen zur Ankurbelung der Konjunktur plant. Tumpel-Gugerell verwies darauf, dass verschiedene Regionen in der Welt in verschiedenen Phasen der Konjunkturerholung steckten.