Wirtschaft

Unterm Schirm in die TransferunionWeidmann fordert Korrekturen

19.09.2011, 14:33 Uhr
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Bundesbank-Präsident Weidmann (l.) und EFSF-Chef Regling vor dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. (Foto: dapd)

Der Euro-Rettungskurs bleibt umstritten. Der Bundesbank-Präsident warnt bei einer Anhörung im Bundestag vor einer Transferunion. Der Chef des EFSF-Rettungsfonds verweist mit Blick auf die Beteiligung des Parlaments auf die Notwendigkeit, auch schnell handeln zu können.

Die Bundesbank hat Korrekturen

am Krisenmanagement in der Euro-Zone angemahnt und vor einer Transferunion gewarnt.

Bei einer Anhörung des Haushaltsausschusses des Bundestages verwies Bundesbank-Präsident

Jens Weidmann vor einem drohenden Haftungsverbund zwischen reichen

und armen Ländern sowie fehlenden Anreizen zur Sanierung der Staatskassen.

Der Chef des EFSF, Klaus

Regling, wies Warnungen auch von Ökonomen vor einer dauerhaften Transferunion in

der Euro-Gruppe zurück. Alle Hilfsinstrumente des EFSF und des künftigen Rettungsschirmes

ESM seien an strikte Auflagen geknüpft. Die höchste Kreditwürdigkeit des Rettungsfonds

sieht Regling nicht gefährdet.

Der EFSF soll neue Instrumente

erhalten. Künftig kann er Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten aufkaufen - sowohl

von Investoren als auch von Regierungen. Zudem kann er vorsorglich eingreifen und

einem Land eine Kreditlinie bereitstellen. Auch sollen Staaten Geld erhalten, damit

sie ihre Finanzinstitute stützen können.

Volksvertreter wollen mitreden

Der Bundestag, der am 29.

September abstimmt, will sich weitreichende Beteiligungsrechte des Parlaments bei

künftigen Euro-Hilfen sichern. Die Bundestags-Mehrheit gilt als sicher. Allerdings

ist die Zustimmung anderer nationaler Parlamente fraglich.

In der Stellungnahme Weidmanns

hieß es, die grundsätzliche Zielrichtung der derzeitigen Reformbemühungen sei zwar

richtig. "Allerdings besteht die Gefahr, dass hierbei die Anreize zu einer

soliden Haushaltspolitik (...) teilweise geschwächt werden." Er pochte auf

EU-Reformen und eine gemeinsame Finanzpolitik.

Mit den jüngsten Beschlüssen

zur Rettung Griechenlands, Irlands und Portugals wie beispielsweise günstigeren

Kreditkonditionen sei "ein weiterer großer Schritt in Richtung gemeinschaftlicher

Haftung und geringerer Disziplinierung durch die Kapitalmärkte" getan worden,

so Weidmann. Kontroll- und Einflussmöglichkeiten auf die nationalen Finanzpolitiken

seien nicht spürbar gestärkt worden.

Anleihenkäufe "nicht kosteneffizient"

Kritik übte Weidman an den

geplanten Käufen von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder durch den EFSF auf dem

Sekundärmarkt. Diese seien nicht kosteneffizient. Es bestehe auch die Gefahr, dass

Privatinvestoren vom Markt verdrängt werden. Der EFSF sollte sich daher auf andere

Instrumente konzentrieren.

Bedenklich nannte Weidmann

Pläne, dass der EFSF auch Darlehen an Staaten vergeben soll, um Finanzinstitute

stützen können. Kritisch äußerte er sich zur Aufstockung des EFSF-Garantierahmens

auf 780 Milliarden Es sei "überlegenswert", die Garantieausweitung zu

begrenzen - etwa durch Verzicht auf die Bonitätsbestnote "AAA".

Solche Überlegungen wies

Regling zurück. Es bleibe wichtig, dass der EFSF mit der höchsten Kreditwürdigkeit

an den Märkten agiere. Gerade in Krisenzeiten engagierten sich Investoren in Anleihen

mit bester Bonitätsnote "AAA". Diese sei nicht gefährdet: "Das "AAA"

ist immer noch stabil und wird auch nicht in Frage gestellt."

Sollten die nationalen Parlamente

der Euro-Länder durch intensive Beteiligungsrechte den EFSF schwerer handhabbar

machen, hätte dies Auswirkungen bei der Markteinschätzung, aber nicht auf das Rating

des EFSF. Die richtige Balance zwischen Parlamentsbeteiligung und schnellem Agieren

des Fonds hänge vom Instrument ab. Beim Anleihenkauf auf dem Sekundärmarkt müsse

schnell reagiert werden.

Der Ökonom und Berater von

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Clemens Fuest, lehnte gemeinsame "Eurobonds"

ab. Nach seiner Darstellung steht Griechenland praktisch schon am Beginn einer "geordneten

Insolvenz". Der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel sprach sich dafür

aus, die Hilfen für Griechenland mit einer Sanierungsstrategie und einer Art Marshall-Plan

zu flankieren.

Quelle: dpa