Wirtschaft

Mögliche Kandidaten: Wer folgt auf Trichet?

Bundesbankpräsident Axel Weber steht nach Informationen aus Kreisen nicht mehr als Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zur Verfügung. Die Bundesregierung strebt an, dass ein Deutscher auf den Franzosen folgt, dessen Amtszeit am 31. Oktober endet. Doch auch Italiens Notenbankchef Mario Draghi gilt als starker Kandidat für die Spitze der Notenbank. Der EU-Vertrag sieht vor, dass eine "in Währungs- oder Bankfragen anerkannte und erfahrene Persönlichkeit" ausgewählt werden muss. Nachfolgend ein Überblick über mögliche Kandidaten:

Mario Draghi, Chef der Banca d'Italia

Mario Draghi
Mario Draghi(Foto: REUTERS)

Der Italiener ist vor allem versiert in den Bereichen Bankenaufsicht und Finanzmarktregulierung. Als Vorsitzender des Finanzstabilitätsrates, eines international besetzten Gremiums, koordiniert er die nach der Finanzkrise notwendige Neuregulierung der Banken und Finanzmärkte in den führenden Industrie- und Schwellenländern. Zur Zinspolitik äußert sich der ehemalige Finanzstaatssekretär eher selten. Er gilt als Zentrist im EZB-Rat - ist also weder dem Lager der geldpolitischen Falken wie Weber noch den für eine lockere Zinspolitik eintretenden Tauben zuzurechnen.

Klaus Regling, Chef des Europäischen Rettungsfonds

Klaus Regling
Klaus Regling(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Juni ist der ehemalige EU-Spitzenbeamte Chef der Europäischen Finanzstabilitätsfazilität (EFSF), die zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise zur Unterstützung hoch verschuldeter Mitgliedsländer gegründet wurde. Mit seinen beruflichen Stationen im Bundesfinanzministerium, dem Internationalen Währungsfonds und der EU-Kommission ist er zwar ein erfahrener Währungspolitiker. Aber Regling hat ein großes Manko, das in den Augen der meisten Experten eine Berufung zum EZB-Chef ausschließt: Er hat keine Erfahrung als Notenbanker.

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der EZB

Jürgen Stark
Jürgen Stark(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Ex-Bundesbanker und Ex-Staatsekretär ist konservativ und steht in der Tradition der Bundesbank. Stark wird wegen seiner im Laufe einer langen Karriere in der Politik erworbenen diplomatischen Fähigkeiten geschätzt. Gegen den Aufstieg Starks spricht der EU-Vertrag, nach dem die sechs Mitglieder des Zentralbank-Vorstands nur einmal für acht Jahre ernannt werden können. Juristisch nicht völlig klar ist aber bislang, ob ein einfaches Mitglied wie Stark nicht nochmals acht Jahre draufsatteln kann, wenn er Präsident würde.

Yves Mersch, Gouverneur der Luxemburger Zentralbank

Yves Mersch
Yves Mersch(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mersch gehört zum Urgestein der Währungsunion. Seit Gründung der EZB und damit seit Einführung des Euro entscheidet er im EZB-Rat mit über die Zinsen. Er steht wie Weber für eine strikt stabilitätsorientierte Geldpolitik. Gegen ihn spricht allerdings, dass Luxemburg mit Ministerpräsident Jean-Claude Juncker als Chef der Euro-Gruppe bereits einen wichtigen Führungsposten in Europa hat.

Erkki Liikanen, Chef der Finnischen Notenbank

Erkki Liikanen
Erkki Liikanen(Foto: REUTERS)

Auch der Vertreter des nördlichsten Euro-Landes dürfte deshalb kaum Chancen haben, weil sein Land bereits einen anderen wichtigen Posten besetzt. Sein Landsmann Olli Rehn ist in der EU-Wirtschafts- und Währungskommissar in Brüssel. Liikanen ist als ehemaliger EU-Kommissar bestens verdrahtet in der EU. In der Geldpolitik verfolgt er einen moderaten Kurs.

Quelle: n-tv.de

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