Wirtschaft

Abgerechnet wird an der TankstelleWie der Benzinpreis zustande kommt

23.05.2011, 12:48 Uhr

1,60 Euro für den Liter Super, das ist längst kein Horrorszenario mehr, sondern durchaus Normalität an deutschen Tankstellen. Doch nicht jeder Cent fließt an die Mineralölkonzerne.

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Was hier rauskommt, muss bei verschiedenen Quellen bezahlt werden. (Foto: dpa)

Das Bundeskartellamt kritisiert die Praxis der Mineralölwirtschaft zur Preisgestaltung an den deutschen Tankstellen. Im Raum steht der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung durch einige wenige Großunternehmen. Doch wie setzt sich der Benzinpreis überhaupt zusammen? Das Beispiel geht von einem Verbraucherpreis von 1,60 Euro für einen Liter Superbenzin aus:

Produkteinstandspreis

Das ist der Preis, zu dem der Treibstoff von der Industrie importiert wird. Er richtet sich nach der Entwicklung an den internationalen Ölmärkten. Nach Angaben des Branchenverbandes MWV betrug er im April 57,3 Cent. Im Januar waren es 48 Cent.

Deckungskosten

Sie enthalten die Kosten der Konzerne vor allem für den Transport, die Lagerhaltung, die gesetzlich vorgeschriebene Bevorratung der 90-tägigen Spritreserve, Verwaltung, Vertrieb und seit Januar 2007 für die Beimischung von Biokomponenten.

Der MWV beziffert die Deckungskosten im April auf 11,7 Cent. In der Summe ist auch der Gewinn der Konzerne enthalten.

Energiesteuer

Früher hieß sie Mineralölsteuer. In der Energiesteuer ist seit 1999 auch die Ökosteuer enthalten. Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach Treibstoffart. Für Benzin beträgt sie 65,45 Cent pro Liter. Anders als vielfach vermutet, profitiert der Staat bei den Einnahmen von rund 40 Milliarden Euro im Jahr nicht von einem höheren Spritpreis. Denn die Steuer bemisst sich am Liter, nicht am Preis - sie bleibt immer gleich.

Mehrwertsteuer

Anders ist es bei der Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf den Warenendpreis (inklusive Energiesteuerbelastung) erhoben wird. Allerdings ist auch hier bei dem Argument, der Staat verdiene kräftig mit, Vorsicht geboten: Denn zum einen können die Verbraucher jeden Euro nur einmal ausgeben - wenn sie mehr für Benzin ausgeben, sparen sie also bei anderen Waren. Zum anderen passen sich die Autofahrer an und fahren weniger oder sparsamer. Der Mehrwertsteueranteil lag im April bei 25,6 Cent.

Zusammenfassend lässt sich damit sagen: Der Steueranteil am Benzinpreis beträgt rund 57 Prozent. 43 Prozent fließen der Mineralölwirtschaft zu: zur Kostendeckung und natürlich als Gewinn.

Quelle: rts