Weitere PersonaländerungenYahoo versucht scharfen Schnitt
Das Personalkarussell bei dem schwächelnden Internetkonzern dreht sich schneller. Nach Yahoo-Gründer Jerry Yang verlassen vier weitere Mitglieder den Verwaltungsrat. Auch der Vorsitzende des obersten Firmengremiums, Roy Bostock, hört auf.
Drei Wochen nach dem Rückzug von Yahoo-Mitgründer Jerry Yang aus der Unternehmensführung geht das Stühlerücken bei dem kriselnden Internetkonzern weiter. Der Aufsichtsratsvorsitzende Roy Bostock erklärte in einem offenen Brief an die Aktionäre, dass er gemeinsam mit drei weiteren Aufsichtsratsmitgliedern aus dem Gremium ausscheiden werde. Der kürzlich berufene Yahoo-Chef Scott Thompson und neue Aufsichtsratsmitglieder sollten den Umbau des Konzerns vorantreiben.
Bostock schrieb, dass die strategische Überprüfung des Unternehmens "bedeutende Fortschritte" mache. Dabei seien eine Reihe von Gesprächen mit möglichen Partnern und Investoren geführt worden. Einzelheiten nannte er nicht.
Erwachen aus dem Dornröschenschlaf
Nach der üblicherweise im Mai stattfindenden Hauptversammlung werde der Großteil des neunköpfigen Verwaltungsrat neu besetzt sein, schrieb Bostock weiter. Die verbleibenden Mitglieder seien zudem frühestens im Jahr 2010 dazugestoßen. Damit machte Bostock klar: Der scharfe Schnitt ist gewollt. Anteilseigner kreiden dem amtierenden Verwaltungsrat an, keine Rezepte gegen den Bedeutungsverlust des Internet-Urgesteins gefunden zu haben.
Yahoo-Mitgründer Yang war Mitte Januar überraschend mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat und von allen anderen Posten zurückgetreten. Der Internetpionier, der das Unternehmen 1995 gemeinsam mit seinem Freund David Filo gegründet hatte, stand bereits seit längerem in der Kritik. 2008 lehnte er ein Übernahmeangebot des US-Software-Konzerns Microsoft ab, was viele monierten. Heute ist Yahoos Marktwert Analysten zufolge nur noch halb so hoch. Außerdem verschlief das Unternehmen die Entwicklung der sozialen Netzwerke im Internet.
Die starken Spieler im Internet heißen heute Google und Facebook. Zuletzt hatte Yahoo sogar einen Umsatz- und Gewinnrückgang verkraften müssen. Der starke Mann bei Yahoo ist nun Scott Thompson, der seit Jahresbeginn als Konzernchef fungiert. Der ehemalige Chef des Ebay-Bezahldienstes Paypal soll das Steuer herumreißen.
Yahoo bietet unter anderem ein kostenloses E-Mail-Programm, eine Suchmaschine und Nachrichteninhalte auf seiner Website an und verzeichnete zuletzt rund 700 Millionen Nutzer