Wirtschaft

Wo die Milliarden herkommenGeldmaschine Goldman Sachs

21.04.2010, 08:07 Uhr
imageNikolas Neuhaus

Der Finanzriese Goldman Sachs übertrifft mit seinen Quartalszahlen einmal mehr kühnste Erwartungen. Doch die zauberhafte Geldvermehrung kommt nicht von ungefähr.

Drohende Staatspleiten und ein stotternder Motor der Weltkonjunktur können den Banken anscheinend nichts anhaben. Auch im ersten Quartal übertreffen die Finanzriesen mit ihren Quartalszahlen kühnste Erwartungen. Doch die zauberhafte Geldvermehrung kommt nicht von ungefähr.

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Hinter den Mauern von Goldman Sachs in New York werden Milliarden verdient. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fast ist es wie in den guten alten Zeiten. Mit einem Milliardengewinn deutlich über den Erwartungen von Marktexperten meldet sich die US-Bank Goldman Sachs zu Wort. Doch spätestens seit die US-Börsenaufsicht SEC die Geschäftspraktiken des Finanzriesen wegen des Verdachts auf Prospektbetrug unter die Lupe genommen hat, wachsen erneute Zweifel an der Solidität und Nachhaltigkeit der neuerlichen Rekordergebnisse. Mit welchen Produkten und Risiken hat die Bank so viel Geld verdient? Sollte sich schon wenige Quartale, nachdem die Finanzindustrie nah am Abgrund stand, doch nichts geändert haben und erneut waghalsige Geschäfte mit fragwürdigen Risiken für Geldsegen bei den Finanzkolossen an der Wall Street sorgen?

Zum bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise verzichteten die damaligen Platzhirsche Goldman Sachs und Morgan Stanley im September 2008 auf ihren Sonderstatus als Investmentbank. Damit öffneten sie ihre Türen für dringend benötigtes frisches Kapital und akzeptierten dafür im Gegenzug stärkeren Kontrolle. Ein Blick in die Zahlenwerke der Banken zeigt jedoch, dass die Lossagung vom Sonderstatus Investmentbank ganz und gar nicht mit einer Abkehr vom Investmentbanking einher geht. Denn de facto sind es noch immer die vom Grundsatz her gleichen Sparten, die Goldman und Konsorten stattliche Gewinne bescheren, nämlich die Ausgabe zweifelhafter Wertpapiere und wilde Spekulationen an den Märkten auf eigene Rechnung.

Eigenhandel blüht

In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2010 erwirtschaftete Goldman Sachs unter dem Strich einen Gewinn von 3,46 Mrd. US-Dollar, fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Dem stehen Nettoeinnahmen von 12,8 Mrd. US-Dollar gegenüber. Gerade einmal jeden fünften Dollar erlöst Goldman Sachs mit der Vermögensverwaltung und dem klassischen Investmentbanking, also beispielsweise der Beratung und Begleitung von Unternehmen bei Übernahmen oder Börsengängen. Sage und schreibe 80 Prozent seiner Einnahmen erlöst Goldman Sachs hingegen in der Sparte Trading and Principal Investments, in der vor allem der lukrative Eigenhandel der Bank schlummert.

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(Foto: AP)

Als besonders lukrativ erweist sich dabei das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen, die im Bereich FICC zusammengefasst werden. Aus diesem Bereich flossen Goldman Sachs 7,4 Mrd. US-Dollar zu. In den vergangenen Monaten hatte insbesondere ein Boom im Geschäft mit Anleihen den Banken satte Beträge in die Kassen gespült. Ebenfalls ein Bestandteil der FICC-Sparte sind Wertpapiere, die mit einer Hypothek als Sicherheit gedeckt sind, sowie hoch komplexe strukturierte Produkte und Derivate.

Just solche Geschäfte waren es, die mit ihrem nicht nur für Außenstehende kaum zu durchschauenden Risiko mit zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen haben – und genau in dieser Sparte verbucht Goldman Sachs auch Deals wie das nun von der SEC ins Visier genommene Immobiliengeschäft Abacus. Dahinter stecken Wertpapiere, die an die Entwicklung besonders strukturierter US-Hypothekenkredite gekoppelt sind. Wie viel eigenes und fremdes Risiko in dieser undurchsichtigen Sparte liegt, verrät der Quartalsbericht freilich nicht.

Regulierungsschub

Die Untersuchungen der SEC könnten nun jedoch US-Präsident Barack Obama Rückenwind für deutlich schärfere Regeln für die US-Finanzindustrie geben. Banken wie Goldman Sachs möchte Obama den Handel auf eigene Rechnung oder den Besitz von Hedgefonds völlig verbieten. Zudem soll Licht in den 600 Billionen US-Dollar schweren Derivatehandel zwischen den Banken gebracht werden, der bislang vor allem außerhalb transparenter Börsen stattfindet. Auch ein Rettungsfonds für Bankpleiten, der durch die Finanzindustrie bezahlt werden soll, steht auf der Agenda.

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Für Barack Obama kommen die Untersuchungen der SEC gegen Goldman Sachs zum richtigen Zeitpunkt. (Foto: AP)

Bislang hat Obama für diese Pläne keine Mehrheit, denn den Demokraten fehlt im Senat eine Stimme. Mit Zugeständnissen soll deshalb nun zumindest ein republikanischer Senator überzeugt werden. Für die Banken würden die neuen Regeln in erster Linie sinkende Renditen mit sich bringen, denn auf manch besonders profitable Geschäfte müssten die Banker danach verzichten. Es könnte also eine Frage recht kurzer Zeit sein, bis Goldman Sachs und Wettbewerber neue Mittel und Wege finden müssen, um zur Präsentation der Quartalszahlen erneut ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern.