Wirtschaft

Kampf gegen das ButterbrotSpeisewagen werben um Gäste

20.06.2010, 13:56 Uhr
2rn23054-jpg9140259209531501923
Das Geschäft mit den Bord-Restaurants ist für die Bahn nicht profitabel. Dennoch soll das Image aufpoliert werden. (Foto: dpa)

Einst drohte ihnen das Abstellgleis, nun locken Möhren-Ingwer-Suppe und Hühnerbrustfilet. Die Bahn will mehr Reisenden ihre Speisewagen schmackhaft machen.

Ein Klassiker sind Nürnberger Rostbratwürstchen. Oder lieber Ossobuco an Safranrisotto? Mit wechselnden Angeboten will die Bahn das Geschäft ihrer Bordrestaurants ankurbeln - und überhaupt mehr Essen und Getränke in ICE und Intercity verkaufen. In den Speisewagen, die beinahe einmal abgeschafft worden wären, setzt der bundeseigene Konzern auch auf Rezepte prominenter Köche. Die Bordbistros werben für Kombinationen wie Currywurst plus Bier für 5,50 Euro. Und auch am Platz sollen mehr kleine Snacks serviert werden. Dabei steigen viele Fahrgäste schon gut versorgt ein.

"Unser Hauptkonkurrent ist das Butterbrot von zu Hause", sagt Robert Etmans, Vorstand für den Bordservice der Fernverkehrssparte. Aber auch in großen Bahnhöfen, die zu Einkaufszentren mit etlichen Schnellrestaurants geworden sind, können sich Reisende vor der Abfahrt eindecken - dort kostet der Pappbecher Kaffee teils nur 99 Cent statt 2,70 Euro wie an Bord. "Mit attraktiven Bahnhöfen lockt man Fahrgäste an", meint Etmans pragmatisch und nimmt den Wettbewerb an. "Im Fernverkehr ist der gastronomische Service fester Bestandteil unseres Serviceversprechens."

"Ein Stück Luxus"

Seit einigen Jahren arbeiten die Manager daran, das Image aufzupolieren und die Nachfrage zu beleben. Dafür kamen Markenprodukte ins Programm, das Angebot wurde stärker differenziert: Die 250 Speisewagen laden zum gepflegten Essen an gedeckten Tischen und haben zum Beispiel auch Biorouladen auf der Karte. Die 390 Bordbistros offerieren günstigere kleine Gerichte am Abholtresen. Durch die Wagen gehen dazu noch Verkäufer mit Kaffee und Cola, Sandwiches oder Eis. Und für die erste Klasse wurden eigens 220 Mitarbeiter eingestellt, die auch Pralinen und Zeitungen bringen.

Speisewagen
Insgesamt 250 Speisewagen sollen zum gepflegten Essen einladen. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Den Umsatz hat diese Strategie steigen lassen. Von 76 Millionen Euro 2002 kletterten die Erlöse auf 87 Millionen Euro im Fußball-WM-Jahr 2006. Im vergangenen Jahr drückten die Technikprobleme in der ICE-Flotte dann aber auch aufs Gastronomiegeschäft. Wegen zusätzlicher Werkstatt-Termine konnten weniger Züge und damit auch weniger Speisewagen eingesetzt werden. "Wir gehen davon aus, den Vorjahresumsatz von 84 Millionen Euro in diesem Jahr zu übertreffen", erwartet Etmans.

Profitabel ist das Geschäft aber weiterhin nicht. Allerdings kommen im Gegensatz zu standortgebundenen Lokalen noch Kosten für ein Liefernetz quer durch die Republik und Übernachtungen für das Servicepersonal dazu. Vor acht Jahren beschloss der Konzern sogar das schrittweise Aus für die Speisewagen, da sie nur fünf Prozent der Reisenden nutzten. Nach Protesten vom Fahrgastverband Pro Bahn bis zur Genießerbewegung Slow Food wurde der Plan aber bald wieder gekippt - man habe die "emotionale Bedeutung" unterschätzt, gestanden die Manager. "Die Speisewagen sind ein Stück Luxus, das Bahnfahren so angenehm macht", betont Pro-Bahn-Vorsitzender Karl-Peter Naumann.

Genaue Angaben zum Ergebnis macht die Bahn nicht, doch Etmans bilanziert: "Wir haben es geschafft, dass sich das Defizit nicht vergrößert." Für die Intercitys soll nun eine Million Euro in Kaffeemaschinen investiert werden, die auch Latte Macchiato und Cappuccino herstellen. Andere neue Angebote sind geplant: "Wir wollen mehr kleine Gerichte entwickeln, die auf einem Tablett direkt an die Sitzplätze gebracht werden können."

Wünschenswert wären mehr Snacks und Getränke auch im Nahverkehr, sagt Pro-Bahn-Chef Naumann. Auf längeren Linien sollte dies mittelfristig überall Standard sein.

Quelle: Joachim Schucht, dpa