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Erholungs-Rally zum Wochenabschluss: Dax-Anleger feiern 400-Punkte-Plus

Nachdem am Mittwoch noch Jahrestiefs von 2015 getestet werden, kann der Dax nun wieder von der 10.000er Marke träumen. Neben Äußerungen des EZB-Chefs Draghi hilft vor allem - das Wetter.

Eine ereignisreiche Handelswoche am deutschen Aktienmarkt geht mit einem Paukenschlag zu Ende. Nachdem der Dax zur Wochenmitte 270 Punkte abgesackt war und am Donnerstag 180 Zähler zulegen konnte, legte er zum Wochenschluss noch einmal 190 Punkte nach. n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel sprach von einem versöhnlichen Wochenausklang. Angetrieben wurde der Markt durch einen deutlich höheren Ölpreis und durch die Vorgaben aus Asien. Dofel sprach von einem "Monster-Squeeze-out" an der Tokioter Börse.

Der Dax markierte bei 9838 Punkten sein Tageshoch und verabschiedete sich mit 9765 Zählern und einem Aufschlag von 2,0 Prozent ins Wochenende. Am Donnerstag war er nach einer wilden Berg- und Talfahrt und beflügelt durch Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi und den anziehenden Ölpreis 1,9 Prozent fester bei 9574 Zählern aus dem Handel gegangen. Zur Wochenmitte hatte er allerdings 2,7 Prozent verloren. Der MDax verbesserte sich Freitag noch deutlicher - um 3,3 Prozent auf 19.217 Stellen. Der TecDax zog 2,9 Prozent auf 1669 Punkte an. 

Asien: Draghi und ein "exzessiver" Nikkei

Spekulationen um weitere geldpolitische Lockerungen durch die Bank of Japan und auch durch die Europäische Zentralbank (EZB) schickten bereits die Aktienmärkte in Asien auf Höhenflug. In Japan sorgte zusätzlich der schwache Yen für Auftrieb, insbesondere bei exportorientierten Unternehmen. Viele Anleger mussten ihre Wetten auf fallende Kurse auflösen, um ihre Verluste zu begrenzen. "Sie wurden auf dem falschen Fuß erwischt", sagte ein Händler.

Die Leitindex Nikkei schoss 5,9 Prozent in die Höhe und notiert nun wieder nahe der 17.000-Punkte-Marke. Auch in China stiegen die Kurse, der Shanghai Composite verbesserte sich um 1,3 Prozent auf 2916 Zähler. Der MSCI-Index für die asiatischen Länder ohne Japan legte 2,6 Prozent zu.

EZB-Präsident Draghi hatte am Donnerstag erklärt, die bisherigen Maßnahmen bis März auf den Prüfstand zu stellen. Damit waren Spekulationen auf weitere geldpolitische Lockerungen angefacht worden.

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"Die EZB steht einmal mehr Gewehr bei Fuß", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Bei einer so niedrigen Inflation wäre es seltsam, wenn die Zentralbanken angesichts der Marktturbulenzen und gestiegenen Risiken nicht mehr tun würden", sagte Anlagestratege John Reid von der Deutschen Bank. Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, warnte indes vor überzogenen Erwartungen. "Wie im Dezember könnten es die Anleger auch dieses Mal wieder bitter bereuen, auf weitere Geldgeschenke der EZB zu spekulieren, bevor sie beschlossen wurden." Damals waren die Börsen als Reaktion auf die aus Anlegersicht unzureichende Öffnung der Geldschleusen abgestürzt.

Rohstoffe: 30-Dollar-Marke klar geknackt

Gleichzeitig sorgte ein steigender Ölpreis für Beruhigung am Aktienmarkt, dessen rasanter Verfall in den vergangenen Wochen viele Anleger weltweit verunsichert hatte. US-Leichtöl der Sorte WTI sprang um 9,0 Prozent auf 32,19 US-Dollar je Fass und verzeichnete den höchsten Tagesgewinn seit August 2015. Der Dieselpreis katapultierte gar um 11 Prozent in die Höhe - der größte Tagessatz seit 2005. Europäisches Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich mit 10,0 Prozent auf 32,18 Dollar in ähnlicher Größenordnung. Im Handel wurde auf den gewaltigen Schneesturm in den USA verwiesen, der die Nachfrage nach Heizöl nach oben schnellen lasse. Auch aus anderen Gebieten der Nordhalbkugel wurden sinkende Temperaturen gemeldet.

Der Ölpreis war bereits am Donnerstagnachmittag ins Plus gedreht, nachdem Zahlen zu den US-Reserven an Rohöl in der vergangenen Woche veröffentlicht worden waren. Die Bestände hatten zwar um 3,98 Millionen auf 486,5 Millionen Barrel zugelegt. Allerdings war der Anstieg offenbar schwächer als von manch einem Marktteilnehmer erwartet.

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Es sei "Dynamik" im Spiel, sagte ein Händler. Die Spekulationen auf einen höheren Bedarf an Heizöl wurden genährt unter anderem durch den Kälteeinbruch in den USA und Europa. Darüber hinaus lösten viele Anleger ihre Wetten auf fallende Kurse auf, um ihre Verluste zu begrenzen, sagten Marktteilnehmer und warnte: Die aktuelle Rally werde schnell wieder in sich zusammenfallen. Schließlich werde weiterhin viel mehr Öl gefördert als benötigt und die Tanklager seien prall gefüllt.

Dax: Alles schaut auf SAP

Enttäuschend fiel die Marktreaktion bei SAP aus. Obwohl das Unternehmen die Ziele für Umsatz und Gewinn im Jahr 2017 erhöht hatte, notierten die Titel lange als einziger Verlierer im Dax im Minus. Am Ende stand dann ein zum Gesamtmarkt enttäuschendes Kursplus von 0,2 Prozent. Zum einen habe sich der Aktienkurs während des jüngsten Absturzes an den Börsen vergleichsweise gut gehalten, erklärten Händler die Entwicklung. Zum anderen deckten sich die neuen Ziele von SAP mit den Konsensschätzungen von Analysten.

Als einziger Wert verabschiedten sich ThyssenKrupp ins Wochenende. Es lag bei rund 1 Prozent. Den Grund dafür sahen Händler in Australien. Dort gerät der Konzern bei einem millionenschweren U-Boot-Auftrag offenbar ins Hintertreffen.

Die deutlichsten Aufschläge wiesen HeidelbergCement und Vonovia auf: Die Papiere sprangen um etwa 4,5 und mehr als 5 Prozent an. Vonovia profitierten dabei von den Ankündigungen Draghis, den Leitzinse dauerhaft niedrig zu halten. Auch Deutsche Wohnen im MDax kletterten um mehr als 4 Prozent.

Nebenwerte: Kurse trotzen Analysten

Bei deutschen Nebenwerten sorgten vor allem Analystenkommentare für Bewegung. Aktien von LEG Immobilien und Comdirect stiegen trotz negativer Stimmen um mehr als 4 Prozent und 1,5 Prozent. Das Bankhaus Lampe hatte Comdirect von "Kaufen" auf "Halten" gesenkt und Goldman Sachs LEG von "Neutral" auf "Sell" abgestuft. Eine Hochstufung von "Halten" auf "Kaufen" durch die Societe Generale schob den Kurs von GfK an. Die Titel gewannen 0,6 Prozent.

Kontron im Aufwind

Kontron-Papiere sprangen nach der Ankündigung einer strategischen Partnerschaft mit dem Unternehmen Ennoconn - einer Foxconn-Tochter - um mehr als 18 Prozent an. Ennoconn übernimmt einen Anteil von 49 Prozent an der Kontron Canada zum Preis von 57,3 Millionen Dollar. DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber nannte die Kooperation einen "Meilenstein" für Kontron für die strategische Positionierung. Er rät weiter zum Kauf der Aktie mit einem fairen Wert von 4,50 Euro. Aktuell lag das Papier knapp über 3 Euro. 2015 verlor die Aktie rund 60 Prozent, zudem flog Kontron aus dem TecDax.

USA: Deutliches Plus an der Wall Street

Die an Dynamik zulegende Ölpreisrally und die Hoffnung auf koordinierte Lockerungen der Geldpolitik haben die Wall Street befeuert und ihr den ersten Wochengewinn im noch jungen Jahr beschert. EZB-Präsident Mario Draghi hatte bereits am Vortag Hoffnungen auf neue geldpolitische Lockerungen geweckt und zum Wochenschluss auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos noch einmal verbal nachgelegt. In Asien entspann sich daraus die Fantasie, dass die japanische Notenbank ebenfalls tätig werden könnte, um ihr Inflationsziel zu erreichen und die heimische Wirtschaft anzukurbeln.  Gerüchte über koordinierte Notenbankaktion machen die Runde. Der Dow-Jones-Index kletterte um 1,3 Prozent auf 16.094 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 2,0 bzw. 2,7 Prozent zu. Da der Dow am Vortag stärker zugelegt hatte, attestierten Händler den übrigen Indizes Nachholbedarf. Umgesetzt wurden an der NYSE 1,19 (Donnerstag: 1,21) Milliarden Aktien. Auf 2.841 (2.036) Kursgewinner kamen 351 (1.107) -verlierer, 25 (74) Titel schlossen unverändert.

Unter den Einzelaktien brachen American Express um 12,1 Prozent ein. Zwar schnitt der Kreditkartenkonzern im abgelaufenen Quartal trotz sinkender Gewinne und Einnahmen etwas besser als erwartet ab, verschreckte aber mit einem schwachen Ausblick auf das kommende Jahr. Starbucks gewannen 0,2 Prozent trotz einer schwachen Unternehmensprognose. Analysten zeigten sich aber angetan von den Wachstumsperspektiven der Kaffeehauskette. General Electric sanken um 1,2 Prozent, im industriellen Kerngeschäft ging der Gewinn im vierten Quartal wegen des schwachen Öl- und Gasgeschäfts deutlich zurück. Apple stiegen um 5,3 Prozent. Der Technologieriese hatte einen renommierten Entwickler für virtuelle Realitäten angeheuert.

1,0 Prozent im Plus zeigte sich die Boeing-Aktie, nachdem der Flugzeughersteller die Halbierung der Produktion des Flugzeugmodells 747-8 angekündigt hatte. Daraus ergab sich im vierten Geschäftsquartal eine Sonderbelastung von 569 Millionen Dollar. Die anderen Modellreihen liefen aber gut, hieß es. Maxim Integrated Products gewannen 3,7 Prozent. Der Chiphersteller verzeichnete in seinem zweiten Quartal mehr Umsätze als erwartet und traf mit dem Gewinn die Konsensschätzung. Schlumberger stiegen um 6,1 Prozent, nachdem der Öldienstleister die Erwartungen geschlagen und einen hohen Personalabbau verkündet hatte.

Devisen: Euro unter Druck

Der Euro gab indes nach. Er blieb zwar deutlich über dem Tiefstand vom Donnerstag bei 1,0778 Dollar, mit dem die Gemeinschaftswährung auf die Aussagen Draghis reagiert hatte. Ein Euro kostete im späten US-Handel 1,0795 Dollar.

Die EZB hatte am Donnerstag zwar auf ihrer Zinssitzung die Geldpolitik nicht verändert, dafür aber weitere Schritte im Kampf gegen die zu niedrige Inflation im März in Aussicht gestellt. Die EZB könnte noch eine weitere Lockerungen vornehmen, sagte Draghi: "Unsere Geldpolitik kennt innerhalb unseres Mandats keine technischen Grenzen." Für Lutz Karpowitz, Analyst bei der Commerzbank, war die Botschaft Draghis klar: "Die EZB ist gewillt und hat die Mittel, den Euro zu schwächen."

Quelle: n-tv.de

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