Wirtschaft
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Dow Jones beflügelt: Frau Yellens Gespür für den Aktienmarkt

Neue Handelswoche, altes Schema: Der Dax schielt auf die 10.000 und muss doch die 9800er Marke im Blick behalten. Aussagen von US-Notenbankchefin Janet Yellen zur US-Zinspolitik heben die Stimmung, die VW drückt.

An nachrichtenarmen Tagen reicht schon ein Event, um Impulse zu generieren: Am Dienstag fieberten die Anleger am deutschen Aktienmarkt einer Rede der US-Notenbank-Präsidentin Janet Yellen entgegen - allein sie kam zu spät. So blickten Dax und Co. auf einen durchwachsenen Start in die verkürzte Handelswoche nach Ostern. Als "wie erwartet" beschrieb ein Händler die Situation: Der Dax begann mit einem deutlichen Aufschlag, gab sein Plus wieder ab, drehte ins Minus und pendelte dann um den Schlusskurs vom Gründonnerstag.

Der Dax beendete den Handel 0,4 Prozent im Plus bei 9888 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 9947 Zählern, das Tagestief bei 9808. Am Donnerstag, dem letzten Handelstag der Vorwoche, war der Leitindex rund 170 Punkte auf 9851 Zähler abgerutscht. Der MDax schloss 0,7 Prozent fester bei 20.122 Stellen. Für den TecDax ging es unverändert bei 1599 Punkten aus dem Handel.

Kursimpulse waren nach dem Osterwochenende Mangelware. Im Fokus stand deshalb auch eine Rede von Fed-Chefin Yellen vor dem "Economic Club of New York" wie auch die März-Daten zum US-Verbrauchervertrauen. Anleger rätseln derzeit, wie die US-Notenbank die künftige Zinspolitik gestalten wird. Nachdem die Fed zunächst behutsame Zinserhöhungen angekündigt hatte, häufen sich nun mögliche Hinweise der Notenbanker auf ein Handeln schon im April.

Damit setzte sich das schon zwei Wochen dauernde Pendeln des Index um die Marke von 10.000 Punkten fort. Eine Seitwärtstendenz bildet sich mehr und mehr aus, sie verläuft grob zwischen 10.000 und 9800 Zählern. Auf den Kursen lastete ein wieder etwas erstarkter Euro, der die Exportaussichten von Unternehmen aus der Eurozone trübt, und ein fallender Ölpreis.

Rohstoffe: Ölpreis sackt ab

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Belastend für den Aktienmarkt war der erneut nachgebende Ölpreis. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 39,08 Dollar und damit rund 3 Prozent weniger als am Montag. Die 40-Dollar-Marke wurde wieder durchbrochen. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel 2,5 Prozent auf 38,35 Dollar.

Weiter hohe Lagerbestände in den USA drückten auf die Preise. Zuletzt gab es Spekulationen, dass ein im nächsten Monat stattfindendes Treffen ölproduzierender Staaten keinen dämpfenden Einfluss auf das Überangebot haben dürfte. Kevin Norrish, Experte bei der Bank Barclays, sieht in dem jüngsten Preisrückgang eine Gegenbewegung zu einem Anstieg seit Mitte Februar. Dieser sei durch die Fundamentaldaten nicht begründet gewesen. Der Ölpreis könnte demnach wieder bis auf 30 Dollar zurückfallen.

Dax: Immer wieder VW

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Auf der Unternehmensseite sorgten einmal mehr die möglichen Folgen des Abgas-Skandals bei Volkswagen für Schlagzeilen. Mit Blick auf die Dividende stehe zwar noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein Aufsichtsratsmitglied der dpa. Einem Händler zufolge hätten sich die Investoren zwar auf Einschnitte, aber nicht unbedingt auf eine Streichung der Ausschüttung eingestellt. VW schlossen 1,6 Prozent leichter, nur Deutsche Bank und Commerzbank verloren mit 1,9 und 1,7 Prozent noch deutlicher. Die Anteilsscheine der Konkurrenten BMW und Daimler verabschiedeten sich 0,8 Prozent und 0,4 Prozent fester aus dem Handel.

Der anfängliche Aufschlag bei SAP wich einem Abschlag von am Ende knapp 0,2 Prozent. Der Konzern will in den kommenden Jahren einen großen Teil seines Investitionsbudgets für Gebäude und Anlagen in Deutschland ausgeben. Bis 2018 seien rund 160 Millionen Euro Ausgaben in Immobilien und Sachanlagen im Heimatmarkt geplant, so der Dax-Konzern. Der Großteil davon, knapp 130 Millionen Euro, sind für den Konzernsitz im Walldorf vorgesehen. Gleichzeitig will der Konzern die Dividende leicht erhöhen.

Bayer punktet in Japan, SAP in Walldorf

Auch Bayer drehten nach Anfangsgewinnen ins Minus und schlossen 0,3 Prozent leichter. Der Konzern kann auf mehr Umsatz im wichtigen Pharmamarkt Japan hoffen, denn er darf  dort zwei seiner Medikamente neu auf den Markt bringen. Für sein Krebsmedikament Xofigo erhielt Bayer die Zulassung. Das Mittel, das 2015 mit Erlösen von 257 Millionen Euro zu den umsatzstärksten Pharma-Produkten von Bayer gehörte, ist bereits in mehr als 40 Ländern zugelassen. Bayer bekam zugleich grünes Licht für die Zulassung seines Mittels Kovaltry zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie A.

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Eon gingen den umgekehrten Weg und gewannen rund 0,3 Prozent. Der Grund dafür war eine Mitteilung über eine Einigung mit dem russischen Gazprom-Konzern auf eine Anpassung der Preiskonditionen bei langfristigen Gaslieferverträgen. Dank der Einigung könnten Rückstellungen aus den Vorjahren zum Teil ergebniswirksam aufgelöst werden. Das führt im ersten Quartal zu einem positiven Einmaleffekt beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von rund 380 Millionen Euro, durch den sich die Jahresprognose erhöht, wie der Konzern mitteilte. Im Tageshoch hatten die Titel aber rund 3 Prozent höher gelegen.

MDax: K+S spart

K+S gaben im MDax 3,2 Prozent ab. Der Dax-Absteiger und MDax-Neuling stellt die Kaliproduktion in zwei Werken ein. Der Konzern beantragte dafür zudem Kurzarbeit.

TecDax: Schwarze Zahlen bei SLM

SLM Solutions hat 2015 mit einem Gewinn abgeschlossen. Das Konzernergebnis nach Steuern lag bei 2,16 Millionen Euro nach minus 5,10 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz hat sich auf 66,14 Millionen Euro nahezu verdoppelt. 2016 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 85 bis 90 Millionen Euro. Bei den Anlegern kamen die Zahlen an, der Kurs kletterte etwa 3,5 Prozent.

Wirecard hat eine strategische Partnerschaft mit dem türkischen Softwareanbieter Logo Yazilim San geschlossen. Logo wird künftig exklusiv Payment Services von Wirecard in seine Software-Lösungen einbinden. Wirecard büßten mehr als 2 Prozent ein.

USA: Eine Pleite und viel Zurückhaltung

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Fed-Chefin Janet Yellen hatte in ihrer Rede die globalen Risiken betont und sah die Rahmenbedingungen schlechter als noch im Dezember, als die US-Notenbank die Zinsen erhöht hatte. Das Weltwirtschaftswachstum falle "besorgniserregend" aus, so Yellen bei ihrem Vortrag in New York. "Yellen hat sich ganz klar taubenhafter gezeigt als Fed-Vertreter in jüngster Zeit", kommentierte Rentenhändler Larry Milstein von RW Pressprich. Ihre Äußerungen haben der Wall Street am Dienstag einen Schub verpasst.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,6 Prozent auf 17.633 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite stiegen um 0,9 bzw. 1,7 Prozent. Umgesetzt wurden 969 (Montag: 707) Millionen Aktien. Auf 2.478 (1.769) Kursgewinner kamen 626 (1.324) -verlierer, unverändert schlossen 85 (111) Titel.

Aktien von Apple stiegen 1,2 Prozent. Die US-Regierung benötigt nun doch nicht die Hilfe des US-Konzerns beim Knacken des iPhones eines islamistischen Attentäters, zu dem Apple per Gerichtsurteil gezwungen werden sollte. Um 2,4 Prozent abwärts ging es mit Ebay. LinkedIn verloren 1,5 Prozent. Die Bank Barclays hatte ihre Einstufungen für die Unternehmen zurückgesetzt. SunEdison sackten um 41 Prozent ab. Der US-Solaranlagenhersteller steht seiner Tochter TerraForm Global zufolge möglicherweise kurz vor der Pleite.   

Devisen: Euro über 1,12

Der Euro wartete nach Ostern zunächst mit Abschlägen auf, legte am Nachmittag aber zu. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1211 Dollar. Das waren rund 0,1 Prozent mehr als noch am Montagabend. Das Tagestief am Dienstag lag bei 1,1168 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1194 Dollar fest.

Die Daten der EZB zur Geldmengenentwicklung im Währungsraum bewegten den Eurokurs kaum. Das Wachstum der Geldmenge lag im Februar wie im Vormonat bei 5,0 Prozent. Allerdings beschleunigte sich das Wachstum der Kreditvergabe. "Es bleibt abzuwarten, ob das neue Maßnahmenpaket der EZB zu einer nachhaltigen Belebung des Geldmengenwachstums beitragen wird", sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Das am Nachmittag veröffentlichte und besser als erwartet ausgefallene US-Verbrauchervertrauen hatte wiederum dem Dollar kaum Auftrieb gegeben.

Am Montag hatte der Dollar nach schwachen Inflationsdaten aus den USA noch deutlich nachgegeben. Der Euro hatte im Gegenzug zwischenzeitlich mehr als einen halben Cent zugelegt.

Asien: Das Minus steht

Die Kurse an den asiatischen Aktienmärkten gaben am Dienstag überwiegend nach. Schwache Konjunkturdaten und Unsicherheiten über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank bestimmten den Handel. Anleger erwarteten neue Signale über die Entwicklung der US-Zinsen von einer Rede der Notenbankchefin Yellen im Laufe des Tages. Der Shanghai-Composite lag 0,8 Prozent im Minus. Der MSCI-Index fiel um 0,3 Prozent.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,2 Prozent tiefer bei 17.104 Punkten. Insgesamt seien die Verkäufe eher lau ausgefallen, sagte Nicholas Smith, Aktienstratege bei CLSA. Die Stimmung in Tokio wurde von einheimischen Konjunkturdaten getrübt: Die Arbeitslosenquote stieg im Februar leicht an. Der Einzelhandelsumsatz lag im selben Monat im Jahresvergleich nur 0,5 Prozent höher, während Experten ein Plus von 1,7 Prozent erwartet hatten.

Quelle: n-tv.de

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