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Lufthansa & Weltbank-Schock: Dax schenkt die 10.000 wieder her

Was sich der Dax in mühevoller Kleinarbeit über Wochen aufgebaut hat, reißen zwei Nachrichten in nur wenigen Stunden wieder ein: Lufthansa und Weltbank warnen und kürzen. Den Rest erledigt die Börsen-Psychologie.

Nur wenige Tage kann der Dax die Aussicht über der 10.000er Marke genießen, am Mittwoch fällt der deutsche Börsenleitindex wieder darunter - mit Karacho. Dafür verantwortlich waren zwei Knalleffekte der Lufthansa und der Weltbank.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 0,8 Prozent und 9950 Punkten aus dem Handel. Die Handelsspanne betrug zur Wochenmitte stolze 100 Punkte, der Dienstags-Dow kam nur auf 40. Das Tagestief des deutschen Leitindex lag bei 9921 Zählern. Das Allzeithoch von 10.033 ist damit wieder in weite Ferne grückt. Ein ähnliches Bild zeigte auch der Nebenwerteindex MDax, der bei 17.026 Punkten ebenfalls 0,8 Prozent schwächer schloss. Er war zwischenzeitlich unter die 17.000er Marke gerutscht. Der TecDax wies ein Minus von 0,8 Prozent und einen Schlussstand von 1314 Stellen auf. Die Wall Street gab im Vormittagshandel (Ortszeit) weiter ab. Der Euro rückt indes immer näher an die Marke von 1,35 Dollar heran.

Weltbank kostet die 10.000

Fundamental belastend war die gesenkte globale Wachstumsprognose durch die Weltbank. Sie sieht nur noch ein Wachstum von 2,8 Prozent nach zuvor 3,2 Prozent für das Jahr 2014. "Als Gründe werden aber das gesunkene US-Wachstum infolge des kalten Winters angeführt, das auch die Nachfrage in den Schwellenländern bremst", erklärte ein Händler. Dazu komme auch die Ukraine-Krise. Diese Faktoren seien vom Markt aber eigentlich längst eingepreist, so der Händler weiter. Zudem sei die Wachstumsprognose für 2015 unverändert bei 3,4 Prozent belassen worden.

UBS-Stratege Stephane Deo blieb aber optimistisch: "Wir glauben weiter, dass sich die Welt, wenn auch langsam, erholt. Und dank der fairen Bewertungen sollte die Rally an den Aktienmärkten weitergehen." Allerdings wies Deo ebenfalls darauf hin, dass der Investmentgrund für Aktien immer "weniger zwingend" werde.

"Crash-artige" Lufthansa

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Lufthansa führten die Verliererliste im Dax mit großem Vorsprung und einem Abschlag von 14,5 Prozent an. Der Grund für die massive Verstimmung im Handel war die überraschende Gewinnwarnung des Konzerns. "Auch wenn einige Marktteilnehmer mit vorsichtigen Ausblicken und Tönen gerechnet hatten, übersteigt das doch alle Befürchtungen", sagte ein Marktteilnehmer. Das spiegele sich in der nahezu "crash-artigen" Kursbewegung. "Heute morgen gab es eine Art ungläubiges Stauen", so ein anderer Händler. "Das Unternehmen hat den Anlegern reinen Wein eingeschenkt", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Deutsche Post gaben 2,2 Prozent ab. Dahinter folgten K+S mit einem Minus von 1,8 Prozent. K+S waren am Dienstag noch der Topgewinner im deutschen Börsenleitindex.

Coba drehen ins Plus

Commerzbank-Aktien präsentierten sich zwar lange im Plus, schlossen dann aber doch 0,8 Prozent tiefer. "Die Belastung aus dem Verkauf des Immobilienpakets hält sich mit 100 Millionen Euro in Grenzen", sagte ein Händler. Am Markt habe man mit einem höheren Buchverlust gerechnet. Die Bank entledige sich mit diesem Schritt großer Risiken und verbessere zugleich Höhe und Qualität des Eigenkapitals.

Siemens mit Alstom-Partner?

Siemens-Anteilsscheine zogen 1,1 Prozent an. Der Konzern will wohl gemeinsam mit Mitsubishi für den französischen Alstom-Konzern bieten. Das berichteten verschiedene Medien und beriefen sich dabei auf "informierte Kreise". Der "Partner im Boot" kam am Markt offenbar an.

Adidas freut sich (lange) auf WM

Adidas konnten ihren Aufwärtstrend vor der am Donnerstag beginnenden Fußball-WM in Brasilien lange halten, ehe die Titel am Mittag ins Minus drehten. Zu Handelsende lag der Abschlag bei 0,7 Prozent.

Autowerte erneut schwächer

Auch BMW drehten in negatives Terrain. Die Titel büßten am Ende 0,4 Prozent ein. Daimler verloren 0,7 Prozent. Die Autowerte gehörten auch am Dienstag schon zu den eher schwachen Papieren.

Es wird dunkel

Osram verloren im MDax 1,8 Prozent. Wie Unternehmens-Chef Dehen gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte, sind eine neue digitale Strategie und ein weiterer Stellenabbau nötig. "Das hört sich für den Markt wie ein Eingeständnis an, keine passende Antwort auf die aktuellen Herausforderungen zu haben und ist weiter kein Kaufgrund für die Aktie", sagte ein Händler.

Emirates schocken Airbus und den Rest

Die Orderstreichung von Emirates für 70 A350 sende negative Signale in den gesamten Sektor, kommentierten die Analysten von Investec Securities. Während Airbus-Aktien verloren 3,1 Prozent. Auch Rolls-Royce und Safran gaben nach. Grund sei, dass die Streichung großer Orders in den vergangenen Jahren sehr selten gewesen sei, hieß es von Investec. Die Auftragsstreichung sei nun sehr negativ, da sie ebenfalls zu einem Verlust künftiger Umsätze bei Flugzeugen, Triebwerken und Wartungs-Services führen werde. Zusätzlich könne sie Bedenken wecken, dass das Wachstum der Passagierzahlen über die Golf-Route nicht mehr das starke Wachstum der letzten Jahre erreiche.

Salzgitter bleiben cool

Fast völlig resistent gegen den rund 12-prozentigen Kurseinbruch von Vallourec nach der Gewinnwarnung zeigten sich die Titel des Konkurrenten Salzgitter. Die MDax-Papiere schlossen 1,0 Prozent tiefer "Das ist eine reine hausgemachte Story von und für Vallourec", erklärte ein Händler. Sie lasse nicht auf eine schwächere Konjunktur für Stahlröhren schließen.

H&M sind in Mode

H&M zogen mehr als 2 Prozent an - nach positiv aufgenommenen Umsatzzahlen. "Damit sind sie nach Inditex schon die zweite positive Überraschung für Europas Bekleidungsmarkt", sagte ein Marktteilnehmer. Die schwedische Modekette konnte mit ihren Zweitquartalszahlen die Erwartungen schlagen, kommentierte Jamie Merriman, Analyst von Bernstein. "Es gab zwar einige Kalendereffekt im Mai, aber selbst wenn man die herausnimmt, war die Umsatzentwicklung gut." Der Blick sei nun auf die Veröffentlichung der Marge in der kommenden Woche gerichtet, hier seien allerdings die Markterwartungen "relativ hoch", so der Analyst.

Kion stapeln tiefer

Kion-Aktien schlossen nach Abschluss der Platzierung rund 4 Prozent tiefer. Die Platzierung durch den Großaktionär Superlift Holding sei zu 32,70 Euro erfolgt, heißt es im Handel. Dabei wurden 7,5 Millionen Kion-Aktien an institutionelle Investoren verkauft. Superlift ist eine Beteiligungsgesellschaft, die zusammen von Goldman Sachs Capital Partners und KKR gehalten wird. Sie hat schon mehrfach ihren Anteil an dem Gabelstapelhersteller heruntergefahren.

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Quelle: n-tv.de

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