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"Star Wars: Das Erwachen der Macht": Rey und der Droide BB-8 sind die Stars des Films.
"Star Wars: Das Erwachen der Macht": Rey und der Droide BB-8 sind die Stars des Films.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)
Mittwoch, 16. Dezember 2015

"Star Wars: Das Erwachen der Macht": Das Lichtschwert fällt nicht weit vom Stamm

Von Markus Lippold

Das lange Warten hat ein Ende: Der neue "Star Wars"-Film kommt in die Kinos. Aber kann er der Kultreihe einen neuen Impuls verleihen? Die neuen Gesichter sind zumindest vielversprechend. Aber vor der Nostalgie-Falle können sie den Film nicht retten.

"Möge die Macht mit dir sein" gleicht seit Wochen geradezu einer Drohung. So präsent ist "Star Wars", dass man dem Franchise gar nicht mehr entgehen kann. In Form von Werbung, Berichten und Merchandising (Grillzange, Darth-Vader-Backform und Zahnpasta inklusive) ist die Filmreihe so präsent wie nie. Höchste Zeit, dass es um das Eigentliche geht und Film Nummer VII endlich in die Kinos kommt.

Alte Helden: Han Solo und Chewbacca.
Alte Helden: Han Solo und Chewbacca.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)

Es versteht sich von selbst, dass auch dieser Teil der Reihe mit den üblichen Zutaten beginnt: Mit der berühmten Musik und der Schrift, die schräg über die Leinwand läuft, gefolgt von einem Raumschiff, das die Weiten des Weltalls durchkreuzt. Doch da dürften sich alle altgedienten "Krieg der Sterne"-Fans das erste Mal die Augen reiben: Der Sternenzerstörer kommt aus einer überraschenden Richtung.

Damit wäre auch schon das große Problem von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" umrissen: Der Film setzt eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten fort und muss entsprechend die Fans der bisherigen Filme bedienen. Gleichzeitig dürfte Regisseur J.J. Abrams aber auch versuchen, eigene Akzente zu setzen und sich von den alten Filmen abzusetzen. Denn die nun beginnende Trilogie schlägt ein völlig neues Kapitel in der Saga auf.

Die dunkle Seite ist noch da

Kylo Ren ist ein Ritter der "First Order" - er beherrscht die Macht.
Kylo Ren ist ein Ritter der "First Order" - er beherrscht die Macht.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)

30 Jahre sind vergangen, seit in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" der zweite Todestern des Imperiums zerstört wurde, Darth Vader sein letztes Raunen von sich gab und auch der Imperator dahingerafft wurde. Also alles gut? Mitnichten: Ein Imperium stürzt man nicht an einem Tag. In Form der "First Order" erlebt es ein Comeback, inklusive übermächtigem Anführer (Supreme Leader Snoke), Superwaffe und einem willigen Helfer, der die ominöse Macht zu nutzen weiß: Kylo Ren, den ein düsteres Geheimnis umgibt.

Zum ersten Aufeinandertreffen der Gegner kommt es auf dem Wüstenplaneten Jakku, der von Hehlern beherrscht wird, die alte Raumschiffe ausschlachten. Auch Rey lebt hier, allein - ihre Eltern wurden einst entführt, was nur eines der Geheimnisse ist, die sie umgeben. Durch Zufall stolpert sie über den Droiden BB-8, der eine wichtige Nachricht in sich trägt, die zu Luke Skywalker führen soll, dem letzten Jedi-Ritter, der spurlos verschwunden ist. Schließlich sammelt sie auch noch Finn auf, einen desertierten Sturmtruppler, der das Morden der "First Order" nicht mitmachen will.

Rey und Finn sind auf der Flucht.
Rey und Finn sind auf der Flucht.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)

Mir nichts, dir nichts stolpern beide in ein Abenteuer und machen sich auf den Weg, BB-8 zu seinem Bestimmungsort zu bringen - dem Stützpunkt der Rebellen, die sich nun Resistance (Widerstand) nennen. Und wie könnte es anders sein: Dabei begegnen sie Freund und Feind. Zu Ersteren zählen vor allem die alten Haudegen Han Solo und Chewbacca, Letztere sind vertreten durch Kylo Ren und sein ungewöhnliches Lichtschwert. Und ganz nebenbei lernen Rey und Finn noch etwas über die Familienbande, die sie und alle anderen miteinander verbinden.

Reys Charme beherrscht den Film

Ja, mysteriös sind die Wege der Macht: Sie trifft ein unscheinbares Geschöpf auf einem Wüstenplaneten, das fortan das Schicksal der Galaxie in Händen hält. Das erinnert stark an den ersten Teil der Reihe. Aber ist es Regisseur Abrams gelungen, aus der wiederkehrenden Geschichte etwas Eigenes zu machen? Nun, nur zum Teil.

Der Millenium Falke in Bedrängnis - der Film zeigt überzeugende Action-Szenen.
Der Millenium Falke in Bedrängnis - der Film zeigt überzeugende Action-Szenen.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)

Anfangs gelingt es dem Film sehr schnell, seine Atmosphäre aufzubauen. Lange verharrt die Handlung auf Jakku, taucht dabei in eine Welt des Zerfalls ein. Das Ende des Imperiums hat seine Spuren hinterlassen: Riesige Sternzerstörer liegen im Wüstensand, funktionierende Raumschiffe sind rar, überall liegen Müll und Schrott. Rey, wunderbar gespielt von Daisy Ridley, schlägt sich durch in dieser brutalen Welt aus Armut, Hunger und Arbeitssklaven. Damit erinnert sie an den jungen Anakin Skywalker in den früheren Filmen. Rey ist pfiffig, technisch begabt und kann kämpfen - sie beherrscht mit ihrem Charme (und im Original mit britischem Akzent) den Film und dürfte neben BB-8 zum Fanliebling werden.

Ihr Begleiter Finn, gespielt von John Boyega, hat dagegen keine überzeugende Hintergrundgeschichte bekommen. Die Figur leidet bis zum Ende an ihrer Unentschiedenheit. Entschädigt wird man allenfalls durch ihre Kabbeleien mit Rey, die dem Film einen witzigen Ton verleihen sollen, aber stellenweise zu viel sind.

Bei der Gestaltung von Figuren und Hintergründen nutzten die Filmemacher die Digitaltechnik voll aus.
Bei der Gestaltung von Figuren und Hintergründen nutzten die Filmemacher die Digitaltechnik voll aus.(Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM)

Solange die beiden im Mittelpunkt stehen, funktioniert der Film trotzdem wunderbar. Dafür sorgen auch die großartigen Bilder, die immer wieder mächtige Panoramablicke gewähren, nur um im nächsten Moment kleinste Details hervorzuheben. Hinzu kommen überzeugende Action-Szenen, wobei man sich wiedermal fragt, warum der Film nun 3D-Effekte nötig hatte. Abrams räumt den Figuren zudem viel Raum ein, bringt sie damit den Zuschauern sehr nahe. Diese Geduld hat der Film seinen Vorgängern voraus, die viel zu schnell von Handlungsort zu Handlungsort sprangen.

Genügend Nostalgie

Der Sinn fürs Detail durchzieht auch den Rest des Films. So sieht man etwa mehr vom Inneren des Millenium Falken und eines Tie-Fighters. Und der Helm von Kylo Ren ist keineswegs so glatt poliert wie jener von Darth Vader. Er weist etliche Schrammen auf, was auf sein zerrissenes Inneres verweist. Denn Kylo Ren ist längst nicht so mächtig wie der Sith-Lord, versucht aber, in dessen Fußstapfen zu treten. Darsteller Adam Driver macht seine Sache ziemlich gut und ist ein würdiger Bösewicht der neuen Filme.

Es sind ausgerechnet die alten Helden, die dem Film seine Frische nehmen. Mit dem Auftauchen von Han Solo verliert er an Schwung, Harrison Ford wirkt im Vergleich zur jungen Garde reichlich müde. Zudem ergeht sich der Film im zweiten Teil in Anspielungen auf die erste Trilogie. Diese sind mal gelungen, mal wirken sie wie eine etwas aufgemotzte Kopie - was man vor allem bemerkt, wenn man über das Vorwissen verfügt. Auch wenn alten Fans hier genügend Gelegenheit geboten wird, nostalgische Gefühle zu entwickeln - am Ende gibt der Film seine Eigenständigkeit fast völlig auf. So bleibt nach einem tollen Auftakt das schale Gefühl zurück, dass man zwar wieder mal alten Bekannten begegnet ist, die einem aber auch nichts Neues zu berichten wissen.

"Star Wars: Das Erwachen der Macht" startet am 17. Dezember in 2D und 3D in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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