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Elektroautos galten lange als die Heilsbringer im Kampf gegen schwindende Ressourcen. Doch jetzt ist alles anders.
Elektroautos galten lange als die Heilsbringer im Kampf gegen schwindende Ressourcen. Doch jetzt ist alles anders.

"Der Hype ist vorbei": Auf Wiedersehen, Elektromobilität!

Ein Kommentar von Holger Preiss

Und wieder steht ein Umweltprojekt kurz vor dem Abschuss: Nach dem Eklat mit dem Biosprit E10 stellt die Bundesregierung jetzt auch die Elektromobilität infrage. Zu Recht. Doch warum so spät und wo sind die Alternativen?

Der Run auf die Elektroautos ist beendet worden, bevor er noch begonnen hat. Warum? Die Bundesregierung hat sich offiziell dazu bekannt, dass das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, haarsträubender Blödsinn ist. Nein, natürlich wurde es nicht so formuliert. In einem internen Papier des Forschungsministeriums, das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert, heißt es: "Der Hype ist vorbei". Aha, der Hype ist also vorbei. Welcher Hype, wird sich der aufmerksame Verkehrsteilnehmer fragen. Im Jahr 2011 wurden in der ganzen Republik keine 2000 Exemplare verkauft und auch 2012 gingen kaum mehr Fahrzeuge in den Verkauf. Hinzu kommt, dass die veräußerten Elektromobile in der Regel von Firmen für Werbezwecke geordert wurden. So heißt es in dem Papier weiter: Den hohen Erwartungen folgt nun "das Tal der Tränen. Das ist normal."

Das ist normal? Die Bundesregierung scheint sich an ihre selbst produzierten Niederlagen zu gewöhnen. Hatte sie doch den ersten Tiefschlag bereits mit E10 verzeichnet. Der Biosprit sollte ein Beitrag zur Schonung der Ressourcen sein. Doch der Weg vom Klimaretter zum Sündenbock war kurz. Nicht erst seit dem Vorstoß von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) für einen E10-Verkaufsstopp steht Biosprit in Deutschland am Pranger. Sämtliche Umweltverbände sprechen von einem teuren Irrweg. Nachdem die EU-Kommission jahrelang Pflanzensprit als Heilmittel im Kampf gegen zu hohe Treibhausgasausstöße im Verkehr gepriesen und gefördert hat, will sie nun den Geist wieder in die Flasche bekommen.

Scheitern war absehbar

Mit dem ix35 Fuel Cell Electric Vehicle (FCEV) hat Hyundai vor wenigen Wochen bewiesen, dass alternative Antriebe schon heute alltagstauglich sind. Der mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenfahrzeug ...
Mit dem ix35 Fuel Cell Electric Vehicle (FCEV) hat Hyundai vor wenigen Wochen bewiesen, dass alternative Antriebe schon heute alltagstauglich sind. Der mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenfahrzeug ...(Foto: Holger Preiss)

Um die bis 2020 vorgesehene Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu erreichen, von der die Bundesregierung bis dato noch nicht Abstand genommen hat, müsste man also doch wieder auf die Elektroautos setzen. Geht aber nicht mehr, weil der erwartete Boom nicht eingesetzt hat. Die Katze beißt sich also pausenlos in den eigenen Schwanz, getrieben von den sinnfreien Verordnungen der Politik. Dabei waren doch die Ergebnisse bereits im Vorfeld abzusehen. Rein technisch war und ist kein Akkumulator in der Lage, ein Fahrzeug weiter als 200 Kilometer zu bewegen. Damit ist der Nutzwert für den alltäglichen Gebrauch eher gering.

Hinzu kommt eine nicht vorhandene Infrastruktur an Energietankstellen. Und selbst wenn die da wären, dauern die Ladeprozesse bis zu sechs Stunden. Eine längere Reise mit dem Elektroauto entspräche damit eher der Fahrt mit einer Postkutsche im 18. Jahrhundert als einer Fahrt von Captain Future. Hinzu kommen die horrenden Preise für die Elektromobile selbst. Gar nicht zu reden von der Frage nach der Entsorgung oder dem Recycling gebrauchter Batterien. Alles Umstände, die auch in Regierungskreisen bekannt waren. Nichtsdestotrotz hat man versucht, künstlich einen Elektromobilitäts-Boom zu erzeugen. Die Autoindustrie wurde verpflichtet, sich der Philosophie des Wechselstroms zu verschreiben und baut seitdem die schärfsten Elektromobile, die keiner will und braucht.

Bei den deutschen Autobauern mehren sich unterdessen die Stimmen, die eine Kaufprämie für Elektroautos fordern. Spanien ist diesem Wunsch nachgekommen. Die Anschaffung eines Elektroautos wird dort mit tausenden Euro gefördert. Aber einen wirklichen Run hat auch das nicht ausgelöst. Das weiß auch die Bundesregierung und hat zur Förderung der Elektromobilität vor allem den Kunden im Blick. Das heißt, dass es nichtmonetäre Anreize wie die Nutzung von Parkplätzen und Busspuren für Elektroautofahrer geben soll. Auch der Wegfall der Kfz-Steuer für zehn Jahre ist im Gespräch. Dabei scheint der letzte Punkt der entscheidende zu sein, aber der wäre ja dann doch wieder monetär.

Die Alternative Wasserstoff

All das ändert aber nichts an der Praxisferne von Elektroautos. Mutig wäre es von der Bundeskanzlerin, auf dem am heutigen Montag stattfindenden Treffen mit führenden Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft einzugestehen, dass die Idee der Elektromobilität vorerst gescheitert ist. Anfangen kann man damit wieder, wenn der Luft-Ionen-Akku funktioniert, der ein Auto bis zu 600 Kilometer bewegen könnte. Und warum nicht? Die Grundlagen wurden durch die Autoindustrie geschaffen und können jederzeit aus der Schublade geholt werden.

Warum setzt man nicht zur Abwechslung mal in großem Stil auf den Wasserstoffantrieb? Bereits im April 2012 wartete Hyundai mit einer Rekordfahrt auf. Mit lediglich fünf Tankstopps fuhr ein Fahrzeug der Südkoreaner von Oslo nach Monte Carlo. Bereits 2015 soll die Brennstoffzellentechnik in Serie gehen. Ein ähnliches Datum nannten auch andere große Hersteller, die am Wasserstoffantrieb arbeiten. Unter anderem forschen Nissan, Honda, Daimler und General Motors an der sauberen Antriebstechnologie. Wer allerdings mit Wasserstoff fährt, muss auch Wasserstoff tanken. In Deutschland sind im Zuge eines Demonstrationsprojekts bis 2015 nicht mehr als 50 Wasserstofftankstellen geplant. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um einen Kaufanreiz für kommende Wasserstofffahrzeuge zu schaffen.

Dabei ist Wasserstoff  als umweltfreundlicher Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge eine Möglichkeit, das Reichweitenproblem von E-Mobilen zu lösen. In Brennstoffzellen verbindet sich Wasserstoff mit dem in der Luft vorhandenen Sauerstoff und erzeugt dabei Elektrizität. Als Abfallprodukt entsteht lediglich Wasser.

Quelle: n-tv.de

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