Auto
Auf der IAA wurde die Studie des Bugatti Chiron vorgestellt.
Auf der IAA wurde die Studie des Bugatti Chiron vorgestellt.(Foto: Holger Preiss)
Donnerstag, 15. Oktober 2015

Elektromobilität statt Boliden: Bugatti Chiron vom Diesel-Skandal gestoppt?

Von Holger Preiss

Volkswagen macht in Anbetracht der drohenden Strafzahlungen wegen des Diesel-Skandals gerade eine Drehung um 180 Grad. Als Sparmaßnahme, so wird gemunkelt, könnte auch der Bugatti Chiron sterben. Aber ist das wirklich der Grund?

Der Diesel-Skandal zwingt Volkswagen, Milliarden zu sparen. Das man hier nicht kleckern, sondern klotzen muss, ist klar. Bester Beweis dafür ist der VfL Wolfsburg, der auf das Prestigeobjekt eines Nachwuchsleistungszentrums verzichten muss. Immerhin bleiben so 40 Millionen Euro in der Kriegskasse von VW. Mit dieser Entscheidung geht man aber noch nicht ans Eingemachte.  Intern dürfte nämlich ein ganz anderes Opfer gebracht werden.

Das aus diesen wuchtigen Endrohren je ein Sound klingen wird, darf bezweifelt werden.
Das aus diesen wuchtigen Endrohren je ein Sound klingen wird, darf bezweifelt werden.(Foto: Holger Preiss)

Ohne große Schmerzen könnte sich die neue VW-Führung also von dem als Studie auf der IAA präsentierten Bugatti Chiron verabschieden. Es ist fast ein wenig komisch, dass der mehr als 1500 PS starke Franzose ausgerechnet von einem Diesel ausgebremst wird. Offiziell wird dieses Gedankenspiel in Wolfsburg noch nicht bestätigt. Man muss aber nicht Kassandra sein, um zu ahnen, dass der defizitäre Hyper-Sportwagen aus Molsheim auf der Streichliste ganz oben steht.

Weichen wurden schon früher gestellt

Dafür sprechen übrigens noch zwei andere Tatsachen. Schon nach dem Clinch zwischen den zwei VW-Bossen Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch wurde damit gerechnet, dass der Gewinner Winterkorn die Entwicklung des Boliden stoppt. Denn auch ohne den Diesel-Skandal war klar, dass Volkswagen - nicht zuletzt wegen des schwachen US-Geschäfts - an einigen Stellen den Rotstift ansetzen muss. Und warum nicht bei Piëchs liebstem Kind? Hinzu kommt, dass beim momentanen Lauf der Dinge die Elektromobilität von VW-Markenchef Herbert Diess mit Macht in den Vordergrund geschoben wird. Weg vom schmutzigen und getürkten Dieselaggregat, will man in Zukunft selbst das Flaggschiff von VW, den Phaeton, elektrisch und damit völlig emissionsfrei fahren lassen.

Das mag für den Moment eine Überraschung sein. Aber bereits auf der IAA hatte der damals amtierende VW-Chef Winterkorn mit dem Audi e-tron Quattro und dem Porsche Mission E den Willen zur Elektrifizierung bekundet. Die für diese Autos entwickelten Einheiten dann auch in den Phaeton zu packen, ist nur ein kleiner Schritt. Noch dazu, wenn es wie vom neuen Vorstand angekündigt, zur Entwicklung eines neuen Modularen Elektrischen Baukastens (MEB) kommt, der dann auf alle Fahrzeuge übertragen werden kann.

Fakt ist, dass in Anbetracht der zu erwartenden Strafzahlungen in Milliarden-Höhe jede Entwicklung bei VW auf den Prüfstand kommt. Eine valide Zahl wurde bereits genannt: Pro Jahr sollen eine Milliarde Euro eingespart werden. Natürlich wäre da auch ein Bugatti Chiron nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber einer der Außenwirkung zeigt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen