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Auf der Auto China wurde der Denza erstmals dem Publikum präsentiert.
Auf der Auto China wurde der Denza erstmals dem Publikum präsentiert.

300 Kilometer mit einer Akkuladung: Daimler will mit Denza in China überzeugen

Der Automarkt in China boomt immer noch, und eigentlich sollte auch die Elektromobilität davon profitieren. Bis jetzt ist davon aber nichts zu spüren. Daimler will jetzt mit dem Denza China unter Strom setzen. 300 Kilometer soll der nämlich bis zur nächsten Steckdose brauchen.

Optisch erinnert der Denza ein bisschen an die alte B-Klasse.
Optisch erinnert der Denza ein bisschen an die alte B-Klasse.

Die Chinesen wollen das Elektroauto. Vor allem in Millionenstädten wie Peking, Chongqing oder Shenyang soll es für Entlastung der smoggeplagten Bevölkerung sorgen. Nun will Daimler mit einer eigens entwickelten E-Auto-Marke und dem ersten passenden Fahrzeug in China durchstarten.

Der gerade auf der Auto China in Peking präsentierte Denza wurde gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller BYD entwickelt und wirkt nicht anders als ein konventioneller Kompaktwagen. Vielleicht erinnert er sogar ein wenig an die ältere B-Klasse. Allerdings wird er von einem 117 PS starken E-Motor angetrieben, der dank einer zumindest für europäische Verhältnisse ungewöhnlich großen Akkukapazität von 47,5 kWh,  komplett geladen rund 300 Kilometer fahren soll, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Denza gibt's für 30.000 Euro

Eine akzeptable Strecke, die aber mit rund 370.000 Yuan, etwa 43.300 Euro, bezahlt werden müssen. Weil die chinesische Regierung den Kauf aber subventioniert, kostet der Denza den Kunden am Ende nur etwa 30.000 Euro. Einerseits viel Geld in einem Land, in dem ein Allerweltsauto wie der VW Jetta nur etwa 8000 Euro kostet. Aandererseits ein Schnäppchen im Vergleich zum Tesla Model S, das dieser Tage seinen China-Start mit einem Preis von knapp 86.000 Euro begeht.

Innen gibt der Denza sich elegant.
Innen gibt der Denza sich elegant.

Ob Denza und Tesla überhaupt Kunden finden, ist noch nicht abzusehen. Grade einmal 7000 E-Mobile sind im ersten Quartal 2014 in China zugelassen worden. Das von der Regierung in Peking ausgerufene Ziel, bis 2020 fünf Millionen E-Autos auf der Straße zu haben, scheint in weiter Ferne. Das liegt nicht zuletzt am Problem der Infrastruktur: Elektroautos sollen für saubere Luft in den Städten sorgen, können dort aber praktisch nicht aufgeladen werden. Ein großer Teil der urbanen Bevölkerung wohnt in gigantischen Hochhäusern, bekommt Steckdose und Auto also kaum zusammen. Die als Lösung geplanten Mega-Parkhäuser mit Ladesäulen lassen vielerorts noch auf sich warten.

Elektroautos mit politischer Dimension

Tesla muss sich dabei weniger Sorgen machen als Daimler, ist die anvisierte Kundschaft der US-Marke doch eher der solventere Immobilienbesitzer der Oberschicht. Doch für Daimler hat der Denza neben der direkten wirtschaftlichen Seite auch noch eine politische Dimension. Denn die lokale Produktion eines Elektroautos stößt bei der chinesischen Regierung auf viel Applaus. Und die Politik ist in China der wichtigste Partner für die Autohersteller. Nicht nur, weil sie strenge Regeln für Produktion und Vertrieb erlässt. Wer in China produzieren will, muss dazu beispielsweise ein Joint-Venture mit einem lokalen Hersteller eingehen und den Technologietransfer in Kauf nehmen.

Das könnte auch bei der BMW-Entscheidung für ein eigenes E-Auto eine Rolle gespielt haben. Die Münchner haben kürzlich gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller die Marke Zinoro vorgestellt, die eine Art Elektro-X1 auf den Markt bringen will. Audi, Mercedes und VW hingegen gehen einen anderen Weg. Sie setzen auf die Plug-in-Hybridtechnik, die ebenfalls elektrisches Fahren ermöglicht, aufgrund des zusätzlichen Verbrennungsmotors aber nicht so stark auf ein engmaschiges Netz an Ladestationen angewiesen ist.

Quelle: n-tv.de

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