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Das neu gestaltete Bugteil macht den Cayman aggressiver als den Vorgänger.
Das neu gestaltete Bugteil macht den Cayman aggressiver als den Vorgänger.(Foto: Axel F. Busse)

Erster Ritt mit dem Porsche Cayman: Dem 911er auf den Fersen

Von Axel F. Busse

Der 50 Jahre alte Porsche 911 ist lebendig wie eh und je. Rennsiege schufen den Mythos. Doch sein Erbe scharrt schon mit den Hufen. Ein Renneinsatz des neuen Modells Cayman ist, so Porsche-Chef Matthias Müller, nicht ausgeschlossen.

Der Heckpoiler fährt per Tastendruck oder automatisch aus.
Der Heckpoiler fährt per Tastendruck oder automatisch aus.(Foto: Axel F. Busse)

Seit der Markteinführung der Modellreihe 2005 hat das zweisitzige Coupé viel Anerkennung eingeheimst. Für manchen war er schon "der bessere 911er". Zum Start im März kann der neue Cayman tatsächlich als 911er gelten, zu offensichtlich sind die Parallelen mit dem Vorgänger des aktuellen Modells, mit der Baureihe 997. Bis auf eine Streichholzlänge hat der Cayman dessen Maß erreicht, ist praktisch genauso breit und hoch. Der Cayman S verfügt ab Werk über 325 PS, genauso viel, wie seinerzeit der Carrera.

Droht der Sportwagenikone "Elfer" also Gefahr aus dem eigenen Stall? Wohl kaum, denn der Jahrzehnte lang gewachsene Mythos des Ursprünglichen wird 911er-Kunden auch künftig davon abhalten, auf das vermeintlich "kleinere" Modell umzusteigen. In umgekehrter Richtung ist das, entsprechende finanzielle Möglichkeiten vorausgesetzt, schon eher denkbar.

Mehr Nutzen durch zwei Kofferräume

Unvernünftig wäre es aber nicht, denn es gibt viele Argumente, die für den Cayman sprechen. Er ist kraftvoll und effizient, sehr agil und dank des Mittelmotors fahrdynamisch eine Klasse für sich. Er bietet vorn und hinten zusammen 425 Liter Kofferraum und damit einen ordentlichen Alltagsnutzen. Letztlich ist er erheblich günstiger in der Anschaffung. Nur: Beim Sportwagenkauf spielen Kategorien wie Vernunft von je her eine untergeordnete Rolle.

20-Zoll-Felgen kosten extra, der Cayman S rollt serienmäßg auf 19-Zöllern.
20-Zoll-Felgen kosten extra, der Cayman S rollt serienmäßg auf 19-Zöllern.(Foto: Axel F. Busse)

"Jeder Porsche", sagt Vorstandschef Matthias Müller, "trägt ein Stück 911er in sich". Beim Cayman ist das Stück sehr groß. Es reicht praktisch bis zu den Türen, wenn man einmal die Gestaltung der Scheinwerfer und des Bugteils übersieht. Außer einer neuen Karosserie, die aufgrund US-amerikanischer Sicherheitsvorschriften deutlich steifer ausgelegt wurde, bekam er noch ein neues Fahrwerk. 2,7 Liter Hubraum hat der Motor des Basismodells, der Cayman S schöpft seine Kraft aus einem 3,4 Liter großen Sechszylinder.

Die Einbaulage des Motors macht den größten Unterschied zum Elfer aus. Er liegt nicht nur vor der Hinterachse, sondern ist auch noch um 180 Grad gedreht, so dass das Getriebe in Richtung Auspuff weist. Diese Lage verhindert, bis auf Weiteres, die Entwicklung eines Allrad-Cayman, denn unter diesen Umständen eine Antriebswelle an die Vorderachse zu bringen ist so gut wie unmöglich. Allradantrieb braucht der Cayman auch gar nicht, denn die fast ideale Gewichtsverteilung von 46:54 Prozent macht ihn berechen- und beherrschbar wie kaum einen anderen Sportwagen.

Eigenwillige Lederfarben gehören schon immer zu den Besonderheiten eines Porsche.
Eigenwillige Lederfarben gehören schon immer zu den Besonderheiten eines Porsche.(Foto: Axel F. Busse)

Der flache Zweitürer, der trotz Größenzuwachs um bis zu 30 Kilogramm leichter wurde, startet in ein schwieriges Umfeld. Nicht nur in Deutschland geht der Absatz kleiner, schneller Coupés zurück. Hierzulande schrumpfte die Zahl der Neuzulassungen von Autos wie Audi TT, BMW Z4 oder Mercedes SLK zwischen 17 und 25 Prozent. Einzig der Nissan Z 370 konnte 2012 die Zahlen des Vorjahres halten – freilich auf deutlich niedrigerem Niveau.

Noch agiler um die Kurven

Ein Mittel, Popularität und Nachfrage zu steigern, könnte die Teilnahme am Rennsport sein. Für die GT4-Serie sei das Auto durchaus geeignet, so Matthias Müller. Langfristig sieht er einen globalen Absatz von 40.000 Cayman jährlich als realistisch an. Soviel schafft heute der 911er, vorwiegend mit amerikanischer Hilfe. Chinesische Kunden beginnen erst jetzt die Sportwagen der Zuffenhausener zu entdecken, Cayenne und Panamera machen dort das Gros des Absatzes aus. Müller erwartet für 2015 oder 2016, dass das Reich der Mitte die USA als größter Einzelmarkt für Porsche ablöst.

Mit Ausnahme der 7-Gang-Handschaltung kann man im Cayman alles finden, was es auch im Elfer gibt. Adaptive Lager, Rekuperation, eine elektromechanische Lenkung, einen Abstands-Tempomat oder das so genannte Torque Vectoring gehören dazu. Letzteres dient mit gezielten Bremseingriffen an einzelnen Hinterrädern der Agilität und der Kurvendynamik. Neu ist auch die "Segel"-Funktion, die Motor und Getriebe voneinander trennen und so auch bei hohem Tempo Leerlaufdrehzahl bieten kann. Das spart Sprit. Nach Norm sind es beim 275 PS starken Cayman 7,7 Liter, beim Cayman S 8,0 Liter je 100 Kilometer – jeweils für die Version mit dem aufpreispflichtigen PDK-Getriebe. Das wird weltweit von etwa 60 Prozent der Kunden bestellt.

Wer nicht das Glück hat, den wegen der noch akzentuierteren seitlichen Lufteinlässe bulliger und aggressiver wirkenden Cayman auf der Rundstrecke zu testen, dem entgehen sehr wahrscheinlich die letzten zehn Prozent fahrdynamischer Qualitäten. Die äußerst präzise Lenkung, die minimalen Lastwechselreaktionen, die bissige Bremse und das feinfühlige Fahrwerk, das sportlich straff, aber nicht ohne Komfort ist, machen jede Kurve zu einem Erlebnis. Dass die Abgasablage dieses fulminante Wechselspiel aus Längs- und Querbeschleunigung zünftig orchestriert, versteht sich von selbst.

Genauso selbstverständlich ist es leider, dass fast alles, was schnelles, sicheres Fahren von einem Fest für die Sinne unterscheidet, bei Porsche aufpreispflichtig ist. Vom Hof des Händlers rollt man mit dem Cayman ab 51.385 Euro, der Cayman S kostet mindestens 64.118 Euro. Sport-Chrono-Paket, Keramik-Bremsen, Sport-Auspuff und andere Leckereien können den Preis aber ohne Anstrengung in die Region eines Modells Carrera treiben. Und wer ist dann "der bessere 911er"?

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Quelle: n-tv.de

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