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Puzzle aus 8953 Teilen: Der Defender geht endgültig in Rente - oder?

Seit fast 70 Jahren baut Land Rover den Geländewagen Defender. Und noch immer sind drei von vier jemals produzierten Wagen auf den Straßen der Welt unterwegs. Zu den Fans des Mobils zählt unter anderem die Queen.

Schnell von A nach B: das will der Farmer, der Buschdoktor oder der Stadtmensch in seinen Ferien. Der Defender kann es.
Schnell von A nach B: das will der Farmer, der Buschdoktor oder der Stadtmensch in seinen Ferien. Der Defender kann es.

Aus nach 68 Jahren: In Großbritannien ist der letzte Land Rover vom Typ Defender vom Fließband gerollt. Der Geländewagen sei Ursprung der heute legendären Leistungsfähigkeit der Marke, sagte der Firmenchef von Jaguar Land Rover, Ralf Speth, bei einer Abschiedszeremonie im Land-Rover-Werk in Solihull. Ursprünglich "Series Land Rover" genannt, sollte der Geländewagen dem US-Klassiker Jeep Konkurrenz machen. Bei den britischen Streitkräften erfreute sich der Defender großer Beliebtheit, und auch Queen Elizabeth II. saß gerne hinter dem Steuer. Jaguar Land Rover gehört zur indischen Tata-Gruppe.

im April 1948 hatte das Modell Premiere auf der Motorshow in Amsterdam. Das die Produktion nun endet, liege nicht daran, dass es keineKunden mehr gebe, sagt Pressesprecher Mayk Wienkötter. Vielmehr könne die antiquierte Konstruktion die kommenden Abgas- und Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt. Und auch eine Ertüchtigung sei nicht möglich. Deshalb werden jetzt im Werk Solihull die letzten Aufträge abgearbeitet.

Der Farmer soll überall hinkommen

Vater des Wagens war Maurice Wilks, der Bruder des Rover-Chefs Spencer Wilks. Er wollte Rover in den Nachkriegsjahren mehr Rohstoffe sichern. Inspiriert vom Willys Jeep kam Wilks ein Nutzfahrzeug in den Sinn: "Ein Rover für den Farmer, mit dem man überall hinkommt."

Inzwischen fährt die Queen ein neueres Modell.
Inzwischen fährt die Queen ein neueres Modell.(Foto: imago/i Images)

Das Konzept geht auf, und der Land Rover, der heute als "Serie 1" geführt wird, schafft es aus dem Stand zum Exportschlager: Schon nach zwei Jahren wird er in 70 Ländern verkauft, und heute sind es über 160. Neben Bauern und Buschdoktoren kommen auch Militärs und Monarchen auf den Geschmack.

4190 Montageschritte

Dass es nicht noch mehr Autos wurden, lag nicht zuletzt an einer Fertigung, die ähnlich antiquiert ist, wie das Fahrzeug selbst, erzählt Produktionschef Greg Nibblet. Der Defender sei ein Puzzle aus 8953 Teilen, das in 4190 Montageschritten zusammengefügt wird. Und anders als in der Nebenhalle, wo der luxuriöse Range Rover vom Band läuft, geschieht das vor allem von Hand.

Dafür allerdings ist die Technik so simpel, dass man den Wagen in jeder Buschwerkstatt reparieren kann. Hammer Schraubenzieher und ein wenig Geschick reichen, sagt Nick Fitt, der Service-Chef von Land Rover in Malaysia. Und er muss es wissen: Denn in seinem Verantwortungsbereich liegen die Cameron Highlands, wo sich Zigtausende alte Land Rover sammeln, fit gehalten von findigen Mechanikern direkt am Straßenrand.

Beliebtes Sammlerstück - und etwas Hoffnung

Was nicht in den Cameron Highlands oder anderen entlegenen Winkeln der Welt fährt, ist mittlerweile begehrte Sammlerware, sagt Land-Rover-Experte Mike Fisher. Das Angebot ist zwar riesig, schließlich sind nach Unternehmensangaben noch immer rund 75 Prozent der über zwei Millionen je gebauten Defender auf der Straße. Aber die Preise ziehen an: 50.000 Euro für Serie 1-Modelle aus den Fünfzigern seien inzwischen Standard.

Auf den ersten Blick ist es vergleichsweise widersinnig, einen alten Land Rover der Serie 1 zu kaufen. Schließlich gibt es kaum ein Auto, bei dem sich in sechs Jahrzehnten Entwicklungszeit so wenig verändert hat, so dass sich selbst ein Neuwagen anfühlt wie ein Oldtimer: Zwei starre Achsen, ein gerade mal 50 PS starker 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem Rover-Regal, der Allradantrieb mit entkoppelbarer Vorderachse und eine unverwüstliche Karosserie, die ohne teure Werkzeuge aus Alublechen gedengelt wurde - mehr brauchte es nicht, um die Welt im Kriechgang zu erobern. Wer einmal in Fishers Serie 1 durchs Unterholz pflügt, hält den aktuellen Defender mit seinem 90 kW/122 PS starken 2,2-Liter-Diesel, mit Ledersitzen, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern glatt für einen Sportwagen.

So vital die Oldtimer und so rustikal die Neuwagen sind, will die Fangemeinde partout nicht daran glauben, dass nun Schluss ist. Und ob der für Ende des Jahrzehnts versprochene Nachfolger tatsächlich noch so viel Charme und Charakter hat, das wird sich erst zeigen müssen. Aber weil die Hoffnung schließlich zuletzt stirbt und es seit 1948 immer irgendwie weitergegangen ist, halten sich hartnäckig die Gerüchte über eine Anschlussproduktion in einem Schwellenland mit wenig Bürokratie.

Quelle: n-tv.de

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