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Ist der Diesel versulzt, kann auch der ADAC nicht mehr helfen.
Ist der Diesel versulzt, kann auch der ADAC nicht mehr helfen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn der Sprit friert: Diesel versagt bei extremer Kälte

von Holger Preiss

Wenn die Temperaturen unter minus 22 Grad Celsius sinken, kann es für Kraftfahrer, die ein Auto mit Dieselmotor fahren, ein böses Erwachen geben. Der Wagen springt nicht an, weil der Sprit nicht mehr fließt. Helfen kann jetzt nur noch Wärme.

Der strenge Frost hält vor allem den Süden und Osten Deutschlands fest im Griff und hat in den letzten Tagen vielen Dieselmotoren den Garaus gemacht. Das Problem ist, dass Diesel bei Minusgraden nicht mehr richtig fließen kann. Es bilden sich Paraffinkristalle, die die Kraftstoffleitung und den Filter verstopfen. Fachleute sprechen hier vom "Versulzen".

Die Ölkonzerne garantieren eigentlich, dass ihre Dieselprodukte - dank spezieller Zusätze - im Winter bis minus 22 Grad Celsius flüssig bleiben. Doch in den letzten Nächten wurden Temperaturen bis minus 28 Grad und kälter gemessen. Einige Ölkonzerne bieten eine Premiumsorte Diesel an, die bis zu minus 35 Grad funktioniert. Allerdings kostet der Kraftstoff rund zehn Cent mehr pro Liter als normaler Diesel. Sogenannter Polardiesel, der bis 40 Grad Frost fließt, ist in Deutschland für Privatfahrzeuge nicht zu bekommen.

Ist der Diesel erst mal versulzt, hilft nur noch auftauen. Möglicherweise ist auch ein neuer Kraftstoffilter nötig. Um zu verhindern, dass der Diesel ausflockt, sollten Autofahrer – wenn möglich - in einer warmen Garage parken. Wer mit dem Gedanken spielt, mit einer Standheizungen das Versulzen zu verhindern, muss enttäuscht werden. Luftheizungen wärmen nur den Innenraum und Wasserheizungen werden zum einen mit Diesel betrieben, zum anderen heizen sie nur das Wasser im Kreislauf, nicht aber den Treibstoff.

Diesel nicht mit Benzin mischen

Früher galt die Regel: Wenn der Diesel bei frostigen Temperaturen flockt, dann mische ein wenig Benzin bei. Angesichts der hochgezüchteten Triebwerke raten Experten heute davon ab. Moderne Common-Rail- und Pumpe-Düse-Einspritzpumpen ab etwa Baujahr 2000 tragen beim Zusatz des wesentlich schneller entzündlichen Benzins schwere Schäden an Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und Tank davon.

Selbst wenn der Motor noch laufen würde, haben die Teile der Hochdruck-Einspritzanlage bereits Schaden genommen, weil Benzin sofort den dringend benötigten Diesel-Schmierfilm abspült. Dies zeigt sich spätestens nach ein paar tausend Kilometern durch einen Pumpen-Totalschaden. Deshalb raten auch Fahrzeughersteller vor sogenannten Fließverbesserern oder anderen Winterzusätzen im Kraftstoff ab.

Gasbrenner sollte tabu sein

Auch das Anwärmen des Tanks mit einem Gasbrenner sollte auf jeden Fall unterlassen werden, da sich der Kraftstoff bei hoher Hitze entzünden kann. Einige Hersteller bieten spezielle Filterheizungen für Dieselfahrzeuge an. Die sind aber in der Regel sehr teuer und rentieren sich nur, wenn man regelmäßig in frostiger Kälte unterwegs ist.

Eine endgültige Lösung gibt es für Dieselfahrer also noch nicht. Ist der Filter erst mal zugesetzt, hilft nur der Umstieg auf einen Benziner oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Quelle: n-tv.de

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